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Thema: Locke (No Turning Back)

  1. #1
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    Locke (No Turning Back)

    Locke (No Turning Back)-locke-poster.jpg

    Regie: Steven Knight (2013)


    Toller Film, mit einem großartigen Tom Hardy! Zählt ja schon seit geraumer Zeit zu meinen Lieblingen, spätestens seit "Bronson"... gleichauf mit Mads und Song... und auch dieser Film bestätigt einmal mehr, das Hardy zu den wohl sympathischsten, interessantesten und talentiertesten Schauspielern der jüngeren Vergangenheit zählt. Ich für meinen Teil freue mich zumindest immer wenn ich ihn sehe und wenn sein Name irgendwo auftaucht ist es sicher das ich mir entsprechenden Film auch ansehen werde.

    Zum Film:
    Die Fahrerkabine eines Autos. 1 (sichtbarer) Darsteller. "Locke" ist nicht der erste Film der mit solch begrenzten Mitteln arbeitet aber meines Erachtens der beste den ich bisher gesehen habe. Es ist beachtenswert wie man etwas so triviales wie eine Autofahrt (inkl. Telefongespräche via Freisprecheinrichtung) so präsentieren kann das dem Zuseher nicht langweilig wird. Vielleicht sogar noch bemerkenswerter wenn man bedenkt das eben auch der Plot nicht sonderlich "speziell" ist... oder mit irgendwelchen abstrusen Wendungen aufwarten muss oder will, nur um dann alles irgendwie auf ein überraschendes, furioses Finale hinzumanövrieren. Es gibt hier keinen großen Knall.... und das ist wunderbar. Es gibt hier nur einen Kerl der aufgrund eines Fehlers in der Vergangenheit alles zu verlieren droht und beschließt, beginnend mit dieser Autofahrt, nunmehr das Richtige zu tun... sich über die möglichen Konsequenzen im Klaren, sowohl was Beruf als auch Privatleben betrifft. Die Figur des Ivan Locke ist bewundernswert in ihrer Konsequenz und bedauernswert aufgrund der Umstände welche sie antreiben... oder aufgeweckt haben. Inszenatorisch gibt's nichts zu meckern, Hardy macht das wie bereits gesagt vorbildlich und das einzige was mich stört ist eine winzige Kleinigkeit eines sonst perfekten Endes und eines mehr als sehenswerten Filmes...

     
    ... der letzte Anruf mit dem Babygeschrei hätte nicht unbedingt sein müssen... das war mir ein bisschen zu sehr, ich weiß auch nicht, in your Face halt...
    Geändert von soulassassin (11.11.2014 um 19:40 Uhr)
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  2. #2
    Statist Avatar von AndrewLargeman
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    AW: Locke (No Turning Back)

    Tom Hardy ist wirklich herausragend mit einer unglaublichen Acting-Range. Wahrscheinlich habe ich bisher zu wenig von ihm gesehen, aber wenn ich ihn sehe, dann ist es nicht Tom Hardy, den ich sehe, sondern die Figur, die er verkörpert.

  3. #3
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: Locke (No Turning Back)

    Hardy ist absolut grandios in dem Film ... das stimmt ... den Film selbst fand ich jedoch jetzt nicht so prickelnd ... mir waren die Konflikte der Figur zu aufgesetzt und unglaubwürdig ... oder sagen mir mal zur Not auch zu weit entfernt, als dass ich auch mich auch nur eine Sekunde in sie hinein versetzen konnte.

  4. #4
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    AW: Locke (No Turning Back)

    Zitat Zitat von AndrewLargeman Beitrag anzeigen
    Tom Hardy ist wirklich herausragend mit einer unglaublichen Acting-Range. Wahrscheinlich habe ich bisher zu wenig von ihm gesehen, aber wenn ich ihn sehe, dann ist es nicht Tom Hardy, den ich sehe, sondern die Figur, die er verkörpert.
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  5. #5
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    AW: Locke (No Turning Back)

    Zitat Zitat von KeyzerSoze Beitrag anzeigen
    Hardy ist absolut grandios in dem Film ... das stimmt ...
    Da ist man sich allgemein wohl einig

    Zitat Zitat von KeyzerSoze Beitrag anzeigen
    den Film selbst fand ich jedoch jetzt nicht so prickelnd ... mir waren die Konflikte der Figur zu aufgesetzt und unglaubwürdig ... oder sagen mir mal zur Not auch zu weit entfernt, als dass ich auch mich auch nur eine Sekunde in sie hinein versetzen konnte.
    Hmm... komisch, dabei empfand ich den Konflikt als solchen geradezu, ich will nicht sagen als "alltäglich" aber doch sicherlich als, na, nennen wirs mal "bekannt" und die daraus resultierenden Verkettungen als durchaus nachvollziehbar. Also an den Haaren herbeigezogen ist sicherlich was anderes. Aber dennoch kann ich verstehen was du meinst auch wenn es mir beim gucken anders ergangen ist.
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  6. #6
    Statist Avatar von Sam Trautman
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    AW: Locke (No Turning Back)

    Stab

    Director: Steven Knight
    Writer: Steven Knight
    Stars: Tom Hardy, Olivia Colman, Ruth Wilson | See full cast and crew »

    Kritik

    Tom Hardy unterwegs im Auto auf dem Highway seines Lebens. Gepflastert mit Leid, Verlust und Schmerz. Steven Knight lässt Hardys seelischen Drehzahlmesser bis in den roten Bereich drehen und wir sitzen dabei mittendrin -auf dem Beifahrersitz seines BMW, den er unaufhörlich, pausenlos Kilometer um Kilometer fressen lässt.

    Tom Hardy ( Warrior, The Dark Knight Rises ) reiht sich reibungslos, in Steven Knights ( Drehbuch zum Oscar Film Eastern Promises ) Drama in den Club der Filme ein, die jeweils nur einen Schauspieler auffahren. Waren vor ihm einst Ryan Reynolds auf der falschen Seite des Bodens begraben in Buried, sowie Bobby Redford auf hoher See in All is Lost, tut er es ihnen nun in No Turning Back gleich. Obwohl man einmal mit Locke (Hardy) eingestiegen, auf dem Weg nach London, nie das Gefühl bekommt nur einem einzigen Schauspieler beim Agieren zu zusehen. Durch ständiges Klingeln der Freisprecheinrichtung erlebt Hardy so gut wie nie eine ruhige Minute und diese ist ihm bis zum Ende seiner Fahrt auch nicht vergönnt.

    Wie einfach, aber dennoch wirkungsvoll die banalsten Dinge sein können...

    Locke hat eine Entscheidung getroffen und versucht diese nun in einer fast 90 minütigen Fahrt zu verwirklichen. Und von da ab beginnt auch die große Magie, die der Film entwickelt. Minute für Minute, Satz für Satz, Kilometer um Kilometer, Mensch um Mensch, werden die Konsequenzen sichtbarer, die die Entscheidung welche er beim Einsteigen getroffen hat spürbarer. Und dabei trifft es den Zuschauer ins Mark. Kaum eine Szene, die nicht aus dem Leben gegriffen scheint. Dialoge die noch lange nachhallen. Kinderstimmen, die so niederschmetternd die Magengegend penetrieren aufgrund der Ausgangssituation sowie vor Verzweiflung dem Abgrund nahe stehende Menschen sind so rund geschrieben wie das Symbol des Autoherstellers auf der grau schimmernden Autohaube des Boliden.

    Lockes Entscheidung, die die Pfeiler seines Lebens bröckeln lassen wurde aber nicht ab dem Moment, des ersten aufheulen des Motors gefällt, sondern schon Acht Monate zuvor. Locke, Bauleiter einer renommierten Baufirma, verheiratet, bekommt die Nachricht, dass sein einmaliger Fehltritt Konsequenzen hat und zwar Zweibeinige. Er wird nochmal Vater, zum dritten Mal. Nur dieses Mal nicht von der eigenen Ehefrau sondern resultierend aus eben jenen Entscheidung mit einer anderen Frau zu schlafen. Aus dieser Ausgangssituation heraus beginnt der Alptraum dem sich Locke stellen muss. Viel mehr, sich stellen will. Er trifft die Entscheidung dafür ein zustehen was er getan hat und nicht mehr rückgängig machen kann. Und Gegen das weglaufen, wie einst sein Vater es tat.

    In No Turning Back geht es plump gesagt nur um Telefonate, die Locke, während der in Echtzeit erlebten Fahrt, zum Krankenhaus seines unehelichen Kindes führt. Die Themen darin sind universell, kann sich doch jeder in die Situation hineinfühlen, wenn er eine nicht mehr auf zu haltende Sache einem geliebten Menschen wenn nicht sogar der am meisten geliebten Person erklären muss. Wie den unaufhörlichen Fluss der Autos auf der Autobahn, so lässt sich das nun los getretene nicht mehr aufhalten. Locke versucht mit aller Macht sein Leben wieder in die richtige Bahnen zu lenken, nur haben Autobahnen meist keine Kreuzungen. Nur Ausfahrten auf die man keinen Einfluss hat. No Turning Back. Wer hat schon mal versucht auf der Autobahn zu wenden? Und genauso wenig geht es in der Autobahn des Lebens, einmal entschieden fährt man auf ihr.

    Hardys Reise im Personenkraftwagen wird dabei immer wieder von zauberhaften Kameraeinstellungen eingefangen. Dabei wird nicht nur die Atmosphäre einer nächtlichen Fahrt auf dem Highway gnadenlos stimmig aufgesaugt, wie es fast nur noch in Scott in Collateral besser zu sehen, sondern auch das Gesicht des Charakters wird zur sich ständig verändernden Oberfläche der Emotionen. Hardy spielt um sein Leben, stellt den innerlich zerrissen von Schuld geplagten aber dennoch aufrechten Beton Malochers mit all seiner Kunst grandios dar. Wenn man auch klar Stellung beziehen kann und gegen Hardy in den Krieg ziehen will oder das Vorhaben konsequent findet, froh ist man dennoch nicht selber hinterm Lenkrad sitzen zu müssen.

    Aber wie oft sitzen wir denn nicht selbst hinterm Lenkrad unseres Lebens und müssen, wie er Dinge tun die unangenehm sind oder Konsequenzen nach sich ziehen. Dabei sind es bei Locke nicht nur Baustellen die sein privat Leben betreffen sondern auch seine Kariere, seine Existenz. Wie oft begeben wir uns nicht selbst, auf die Autobahn des Lebens, wenn wir Entscheidungen treffen, sie verkünden und es kein Turning Back mehr gibt?

    Wenn die Lichter des Autos aus den bayrischen Motorenwerken verblassen im Dunkel der Nacht und Hardy seine Destination erreicht hat, der Abspann über den Bildschirm flackert. Ein letztes Mal der wie die Faust auf Auge passende, zu jeder Sekunde unterstützende Score verklingt. Einem langsam bewusst wird, das No Turning Back ein Ende gefunden hat. Man sich selbst dabei erwischt wie man Pläne für die nächste Fahrt schon gedanklich schmiedet- auf der Autobahn der Entscheidung dann hat Tom Hardy es geschafft mit No Turning Back bei ihnen Beifahrer im Kopf zu werden. Der längere Zeit nicht aussteigen wird.

  7. #7
    Regisseur Avatar von TheUsualSuspect
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    AW: Locke (No Turning Back)

    Meine Begeisterung für Filme, die ausschließlich auf sehr begrenztem Raum, wie etwa in einer Telefonzelle oder in einem Sarg spielen, hält sich in Grenzen. Es bedarf dann schon einer sehr konzentrierten Inszenierung und einer überragenden Performance des wie hier ganz auf sich allein gestellten Darstellers, dass ein gutes Ergebnis dabei herauskommt. Tom Hardy trägt den Film komplett alleine und zeichnet sich auch in diesem Film für mich als aktuell einer der eindrucksvollsten Darsteller aus. Dafür dass der Film eigentlich nicht mehr zeigt als einen Mann, der Auto fährt und telefoniert, kann ich dem Film trotzdem keine Längen nachsagen und die Geschichte überzeugt. Ein Drama um einen gestandenen Mann, der an einem Knackpunkt seines mittleren Lebens steht. Sein ganzes Dasein um den alltäglichen Kampf, der Familie, der Arbeit und den Beziehungen destilliert sich in den Ablauf einer Autofahrt.
    "Sometimes, when you bring the thunder, you get lost in the storm."

  8. #8
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    AW: Locke (No Turning Back)

    Gestern gesehen - als Vergleich drängte sich mir ziemlich schnell der Film "Buried" auf. Den fand ich dann doch besser (oder habe ihn besser in Erinnerung): Der Konflikt existenzieller, die Dramatik auch durch schlechten Empfang und schwindende Akkulaufzeit des Telefons größer; und ich meine, dass man stückweise mehr Informationen über den Protagonisten und die Ursachen seiner misslichen Lage bekommen hat. Hier hingegen hatte man schnell die nötigen Zusammenhänge beieinander und relativ früh schon fand ich die ständigen Telefonate etwas ermüdend.
    Gegen Tom Hardy möchte ich nichts sagen. Mir gefielen seine Mimik und die Gestik des Ärmelaufrollens, die sehr gut seine Entschlossenheit unterstreichen. Nur dass er auf seine Gesprächspartner ständig mit einer beschwichtigenden Stimme einredete, fand ich, obwohl psychologisch nachvollziehbar, auf Dauer ein wenig monoton.

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