Seite 1 von 3 123 Letzte
Ergebnis 1 bis 10 von 28

Thema: Schutzengel

  1. #1
    laertes
    Gast

    Schutzengel

    "nicht wir werben für herrn schweiger,
    herr schweiger macht werbung für die bundeswehr."
    (thomas de maizière)



    (bilderrätsel: wer findet die beiden fehler?)

    da hat der herr bundesverteidigungsminister eine klare ansage gemacht. wir leben in zeiten, da die deutsche wehrm... äh... bundeswehr wieder überall auf dem erdball schwarz-rot-goldene flagge zeigt - selbstverständlich nie aus geopolitischen oder gar wirtschaftlichen interessen, sondern nur aus liebe zum humanismus. doch bleibt es nicht aus, dass der eine oder andere berufswaffenträger nicht nur tanklastzüge bombardiert und dadurch jede menge zivilpersonen ausradiert, sondern durchaus auch in das eine oder andere gefecht verwickelt wird oder in den einen oder anderen hinterhalt gerät und darob gar nicht mehr oder nur noch höchst unvollständig nach hause kommt.

    um zu vermeiden, dass das deutsche volk zu lange trauer trägt ("oh nein! soldaten, die andere länder besetzen, können ja STERBEN! hätte ich NIE gedacht!"), anstatt sich der heldenverehrung zu widmen, beginnt nun mit til schweigers schutzengel (ja, der heisst tatsächlich so, in blanker verkennung von ursache und symptom) die ära der kriegspropagandafilme neu, mit denen dem deutschen volk verständnis für die ach so armen, ach so bedauernswerten tötungsexperten in uniform eingeprügelt werden soll.

    wer meine konsequent antimilitaristische haltung und meine meinung über schweigers schauspiel-fähigkeiten kennt, kann daher ermessen, welchen grad der brechreiz hatte, der in mir aufstieg, als ich mich, in freudiger erwartung des jüngsten woody-allen-films, zunächst durch diesen endlosen trailer hier quälen musste:



    wer traut sich zu, sich den neuen schweiger in voller länge im kino anzutun? er möge bericht erstatten.

    jetzt aber erstmal rechts um.

    und wegtreten.

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
    Registriert seit
    20.07.2001
    Ort
    Würzburg
    Beiträge
    22.450

    AW: Schutzengel

    Schon gesehen, guter Film, siehe meine Besprechung hier auf der Seite ...

  3. #3
    Tet
    Tet ist offline
    Regisseur Avatar von Tet
    Registriert seit
    31.07.2004
    Ort
    Anor Londo
    Beiträge
    8.935

    AW: Schutzengel

    Mein Name ist Schweiger, Wehrdienstverweigerer.

    KNOCK KNOCK KNOCK - Mugon no kuukan o daite
    Kabe o tataite wa mogaku yo - Daiji na serifu nani mo ienai mama

  4. #4
    laertes
    Gast

    AW: Schutzengel

    @Keyzer:
    "siehe meine besprechung etc"... bitte im zugehörigen topic - also hier! - posten oder zumindest verlinken...?!

  5. #5
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
    Registriert seit
    20.07.2001
    Ort
    Würzburg
    Beiträge
    22.450

  6. #6
    laertes
    Gast

    AW: Schutzengel

    große kritik an deiner kritik, keyzer: du blendest die politische ebene völlig aus. so erfährt man nichts über die tendenz des films und seinen ideologischen background.

  7. #7
    Regisseur
    Registriert seit
    25.12.2000
    Beiträge
    4.985

  8. #8
    laertes
    Gast

    AW: Schutzengel

    danke, thomas. weil sie so schön ist, hier die kritik im volltext:

    *

    Til-Schweiger-Film
    "Schutzengel" Balla-balla in Brandenburg
    Auch ohne Beine kann man ein cooler Typ sein, Frauen stehen auf harte Krieger - das sind die Botschaften von Til Schweigers neuem Action-Film "Schutzengel". Bei dem Heldenepos über einen ehemaligen KSK-Soldaten hat unser Autor Tränen gelacht: eine erstklassige Klamotte.

    Von Arno Frank


    Lieber Til Schweiger,

    Ich weiß schon, was Sie jetzt denken: Ah, eine Besprechung von "Schutzengel", meinem neuen Film. Na warte, da versteht wieder so ein übergewichtiger Sesselfurzer vom Föhlitongg meine Arbeit nicht. Weil er sie nicht verstehen will. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, dass nämlich auch Deutschland seine Helden hat, Leute, die sich was trauen, ob am Hindukusch oder im Cineplex. Helden aber werden hierzulande mit Häme und Humorlosigkeit bulldozergleich eingeebnet. Auf solche Kritiker pfeifen Sie völlig zurecht: "Deshalb habe ich auch vor Jahren schon gesagt: Ich zeige euch meine Filme nicht mehr vorab. Wenn ihr den Film niedermachen wollt, dann geht ins Kino und blendet aus, dass um euch herum 700 Leute sitzen, die sich totlachen".

    Und deshalb haben Sie sich und zwei Tonnen Nutella von der Bundeswehr nach Afghanistan fliegen lassen, "Schutzengel" zuerst einmal "unseren" Soldaten gezeigt - und damit den Kritikern in der Heimat, was eine Harke ist und auf wessen Urteil Sie wirklich wert legen. Schließlich handelt der Film von einem KSK-Veteranen (Til Schweiger), der eine minderjährige Kronzeugin (Luna Schweiger) vor den immer aufs Neue ausschwärmenden Killerkommandos des Bösen (Heiner Lauterbach) beschützt. Im neuen Trailer sagen denn auch die Soldaten nach der Premiere posttraumatische Sätze wie: "Hier musste ich mich echt zusammenreißen, nicht vor meinen Kameraden zu weinen" oder: "Ich werde auch in Deutschland ins Kino gehen".

    Ich also nichts wie rein ins Kino, gleich am ersten Tag. Nicht als Kritiker, sondern als bezahlender Zuschauer Ihres international konkurrenzfähigen Action-Thrillers mit ernstem Hintergrund darf ich es daher offen aussprechen: Ich habe Tränen gelacht. "Schutzengel" ist eine erstklassige Klamotte, Ihre bisher mit Abstand beste Komödie. Respekt. Meine Lieblingsszenen waren die, wo das Fahndungsfoto auf dem Polizeicomputer spannungsbedingt so langsam lädt, als wär's ein Fax aus den achtziger Jahren. Und die, in der beim Showdown ein Trupp vermummter Killer in gerader Linie über freies Feld auf eine Hütte zuschreitet - eine Angriffsmethode, die spätestens seit dem Paläolithikum aus der Mode gekommen sein dürfte, hier aber den Frauen die Gelegenheit gibt, durch die Hintertür zu türmen und es dem Held ermöglicht, die Tontauben einzeln abzuschießen.

    Gedreht wurde der Film in Berlin und Umland, aber die Tonspur kommt komplett aus Hollywood. Anders ist nicht zu erklären, warum leere Patronenhülsen klirrend in den märkischen Sand fallen, hochdramatischen Schießereien in Zeitlupe von lautem Herzklopfen begleitet werden oder die Streifenpolizei apokalyptische Heulsirenen wie in New York verwendet - statt des hierzulande üblichen, allzu betulichen "Tatütata". Es knistert wie ein Osterfeuer, wenn jemand nur an einer Zigarette zieht, und selbst das Gefluche der Halunken ("What the fuck!") ist international konkurrenzfähig. Moritz Bleibtreu spielt den treuen Kameraden, der den Verlust beider Beine mit erfrischendem Krüppelhumor nimmt und eine wenig behindertengerechte Hütte in der Uckermark bewohnt, die hier mit bräunlichen Kamerafiltern und exquisiter Requisite (Das Rad einer Kutsche! Ein amerikanisches Auto!) wie der Mittlere Westen wirkt.

    Leider täuscht Ihre Liebe zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht über Ihre eigenen begrenzten Möglichkeiten hinweg. Die Löcher im Plot sind so groß, dass selbst ein Fuchs-Spürpanzer darin mühelos in Deckung gehen könnte, und die Charaktere sind so fein geschnitzt wie ein naturbelassener Baumstumpf. Der Held ist "einfach gut" und sah früher "in der Uniform einfach toll aus", seine große Liebe ist "einfach witzig", der Böse "ein echter Widerling" und der beste Freund aufopferungsvoll bis in den Tod.

    Dabei haben Sie die Nebenfiguren mit allem besetzt, was man für fettes Filmförderungsgeld kaufen kann. Rainer Bock gibt den korrupten Politiker, Herbert Knaup den lustig-trotteligen Polizeichef und Hannah Herzsprung die verliebte Kollegin. In einer Gastrolle glänzt sogar Mathias Döpfner, im Nebenberuf Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, obwohl er nur für exakt eine Sekunde zu sehen ist. Trotzdem interpretiert er seine Rolle als Chirurg, dessen Operationssaal gerade von Killern gestürmt und von Maschinenpistolen durchlöchert wird, mit eher verdutztem als erschrockenem Gesicht sehr sensibel und eigenwillig.

    Entsprechend nachdenklich ging's durch den Nieselregen nach Hause, denn Ihr Film stellte auch die richtigen Fragen: Warum spielten Sie den Helden nicht so, wie wir das aus ihren anderen Komödien gewohnt sind - also anfänglich als Arschloch, das im Laufe der Geschichte geläutert wird? Wäre es nicht opportun gewesen, Ihre Figur als tatsächlich traumatisierten Kriegsheimkehrer anzulegen, statt als von vorne bis hinten erzengelsgleiche Verkörperung des Guten? Wozu das ganze PR-Gebimmel mit Afghanistan und so, wenn das alles nur austauschbare Kulisse war und wir im Grunde die Blaupause für den neuen "Tatort"-Kommissar Til Schweiger gesehen haben? Und was wäre die Botschaft an Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz? Ihr könnt auch ohne Beine total coole Typen sein? Die Tugenden des Rumballerns sind auch in Brandenburg gefragt? Frauen stehen auf Narben und harte "Krieger", die in weichen Momenten mit verschattetem Blick von schlimmen "Dingen" schwadronieren? Und was hat Sie geritten, die zweite tragende Hauptrolle ihrer Tochter Luna zuzuschanzen? Vaterliebe kann es nicht gewesen sein, denn dem schläfrig nuschelnden Mädchen mit der mimischen Ausdrucksfähigkeit des Vollmonds war die Überforderung in jeder Szene schmerzhaft deutlich anzumerken.

    Ich weiß, was Sie jetzt denken. Aber es stimmt nicht. Gerne hätte ich mich von "Schutzengel" beeindrucken, belehren oder wenigstens unterhalten lassen. Ich wollte Ihren Film nicht im voraus niedermachen und musste, wie gesagt, oft herzhaft lachen. Aber meine Meinung ist nicht maßgeblich. Und ich kann nicht ausblenden, dass im Kino außer mir und um mich herum 17 andere Leute saßen, die sich offenbar zu Tode gelangweilt haben.

    Ihr Arno Frank

    *

    und an keyzer die freundliche frage, wie du solche massiven negativen gesichtspunkte außer acht lassen konntest - ganz abgesehen davon, dass die fragwürdige politische aussage des films in deiner review, wie schon oben gesagt, keinerlei beachtung findet.

  9. #9
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
    Registriert seit
    20.07.2001
    Ort
    Würzburg
    Beiträge
    22.450

    AW: Schutzengel

    Das liegt daran, dass das 0 im Fokus des Filmes ist. Einfach nur eine kurze Hintergrundgeschichte weshalb der Til kann was er kann ... mehr ist da nicht drin diesbezüglich und alles andere ist einfach übertrieben hineininterpretiert. Ein simpler aber guter Actioner ...

    Bzgl der Kritik von Frank. Man merkt doch da in jedem Satz dass der wirklich nur in den Film ist um über Schweiger herzuziehen. Finde die Kritik ehrlich gesagt ziemlich peinlich. Amüsant vielleicht, aber ansonsten hat das mit einer ernsthaften Rezension ja wohl mal überhaupt nichts zu tun. Dass du als Schweigerhater die natürlich gut findest wundert mich wenig
    Geändert von KeyzerSoze (28.09.2012 um 19:03 Uhr)

  10. #10
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
    Registriert seit
    28.12.2000
    Ort
    Six Feet Under
    Beiträge
    4.880

    AW: Schutzengel

    Der Typ machts einem aber auch leicht, ihn zu verachten. Bei Tilmans Pressepolitik, öffentlichen gedanklichen Absonderungen, Marketingstrategie und der anzunehmenden politischen Ausrichtung des Films ist die Herangehensweise auch kein Wunder. Normalerweise würde ich einen Film auch mit neutraler Grundhaltung ansehen, aber in diesem Fall liegt die Beweislast, dass er keinen riesigen Scheißhaufen gedreht hat, sozusagen zunächst bei Til. Ich habe deine Kritik gelesen bis zu dieser Stelle:

    "Furzparade von Axel Stein"

    Das hat mir gereicht. Ich würde mir den ansehen, um zu wissen, wie schlecht er ist. Aber Eintritt bezahl ich dafür sicher nicht.

Seite 1 von 3 123 Letzte

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36