Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Chained

  1. #1
    laertes
    Gast

    Chained

    weiß gar nicht, weshalb ich aufgeregter bin: weil heute abend um 21.30 uhr jennifer lynchs chained beim fff in berlin läuft oder weil sie höchstselbigst anwesend sein wird... ich schwinge mich gerade mental auf den shit ein und lasse nochmal surveillance revue passieren, der ja insbesondere wegen der überbordenden gewaltdarstellungen gemischt kritisiert wurde, mich aber damals durchaus mitgenommen und begeistert hat. die frau hat einfach style, das muss man ihr lassen.

    kritiken habe ich noch nicht gelesen und auch etwaige trailer nicht gesehen, um möglichst unbefangen an das werk herangehen zu können. hier die - von mir ebenfalls nicht vollständig gelesene - kurzzusammenfassung aus dem programmheft des fff:

    "Nach einem Kinobesuch verschleppt ein Taxifahrer den kleinen Tim und seine Mutter in sein abgelegenes Haus. Dort muss Tim mit ansehen, wie seine Mutter kaltblütig abgeschlachtet wird. Den Jungen verschont der Killer und kürt ihn zum Komplizen bei der Verwirklichung seiner perversen Rachephantasien. Für Tim folgen dunkle Jahre voller Angst und Gewalt an der Seite seines "Mentors". Angekettet in dem trostlosen Haus erlebt er, dass der Psychopath dann und wann eine neue Besucherin mitbringt, und jedes Mal muss er kurz darauf deren blutige Überreste im Keller vergraben.

    Impulse für ihr eigenes Filmschaffen bekam Jennifer Lynch schon in ihrer Kindheit von ihrem visionären Vater, David Lynch, vor allem am Set von THE ELEPHANT MAN, wo sie auch den von ihr verehrten Kameramann Freddie Francis kennenlernte. Ihr skandalumwittertes Debüt BOXING HELENA sicherte Lynch sehr früh einen Ruf als umstrittene Künstlerin. Tatsächlich führte der Aufschrei um ihr erstes Werk, der die Mittzwanzigerin völlig überraschte, zu einer fünfzehnjährigen Leinwandpause. 2008 feierte Lynch jedoch mit dem doppelbödigen Roadthriller SURVEILLANCE ein triumphales Comeback.

    Auch ihr neuester Streich CHAINED geizt nicht mit Provokation; die Begeisterung der Regisseurin für psychologischen Horror ist deutlich zu spüren. In düsteren Bildern (unterstützt von einem exzellent spielenden Vincent D'Onofrio) erzählt sie von einem Wahnsinn, dessen monströse Ungeheuerlichkeit die lakonische Routine nur noch klarer herausstellt. In den USA wurde ihre filmisch explizite Schauermär deswegen mit dem gefürchteten NC-17-Rating bedacht."
    und hier noch ein paar plakate:







    ich freue mich und werde heute nacht gleich nach meiner rückkehr berichten... gut dass der weg kurz ist und ich kein taxi brauche!
    Geändert von laertes (25.08.2012 um 21:13 Uhr)

  2. #2
    laertes
    Gast

    AW: Chained

    jennifer ist sehr relaxt! das vorweg entspannte frau. hier ein foto vom q&a im cinemaxx in berlin:



    den film habe ich sehr genossen, auch wenn er leider einige schwächen hatte. aber ich versuche immer, wohlwollend an einen film ranzugehen und die stärken in den vordergrund zu stellen - und von denen hat chained einige! ganz im vordergrund steht dabei ganz klar hauptdarsteller vincent d'onofrio - der mann ist (ein verschwenderisch gebrauchtes, hier aber mehr als angebrachtes wort) ein naturereignis, eine körperliche, raumausfüllende wucht eines darstellers mit einer unheimlichen bandbreite und vielseitigkeit in seinem spiel. auch die beiden jungendarsteller waren nicht schlecht, wenngleich insbesondere der kleinere junge nicht immer durch lebensnahes spiel überzeugt hat.

    inszenatorisch ist das ding ganz große klasse, insbesondere die hauptlocation - das haus -, aber auch bild und ton tragen das ihre zu einem sehr atmosphärischen film bei. ganz wichtig: die gewalt ist am unerträglichsten, wenn sie nicht gezeigt wird. und das geschieht wesentlich öfter als es explizite darstellungen zu sehen gibt. kein vergleich mit dem insoweit überbordenden surveillance also (das als hinweis für diejenigen, denen surveillance zu blutig war). chained ist im gegensatz dazu eher psychologischer horror.

    freilich kann man sich fragen: braucht die welt noch einen weiteren serienmörder-film? die antwort lautet natürlich: nein! aber chained ist nur vordergründig ein serienmörder-film, tatsächlich ist er ein vater-sohn-film in ungewöhnlichem gewand und bringt daher frischen wind in beide genres. der fokus liegt weniger auf den morden als vielmehr auf der beziehung zwischen papa bob (dem serienmörder) und seinem zieh-sohn rabbit, den er mitsamt mutter entführt hat und zunächst als seinen putzsklaven hält. das birgt einige skurrile momente, etwa als bob dem sohnemann ein aus dem aktuellen collegejahrbuch gewähltes mädchen nach hause bringt, damit der endlich sein erstes mal haben kann, was papa bob sehr am herzen liegt, wenngleich mit dem ersten mal nicht nur sex gemeint ist...

    jennifers anliegen, der film wolle erklären, wie ein monster gemacht wird, habe ich im film nicht wirklich wiedergefunden. zwar erfüllt bobs verhalten sehr akkurat alle voraussetzungen einer heftigen dissozialen persönlichkeitsstörung wie sie im psychiatrielehrbuch stehen. es wird aber gleichwohl nicht klar, wie bob zu dem wurde, was er ist, insbesondere die flashbacks in seine kindheit sind wenig aufschlussreich, denn ob gewalt zu gewalt führt, lässt sich ja am gegenbeispiel rabbits bezweifeln. einen kleinen einblick in bobs vorstellungen liefert das gespräch zwischen den beiden, als rabbit bob fragt, warum er tut, was er tut, und bob zunächst zurückfragt, wieso rabbit tut, was er tut (kurzer ausflug ins themengebiet willensfreiheit), um schließlich auszuführen, dass sie (die frauen) ihn darum gebeten hätten, sie zu töten, seit sie geboren wurden, die schlampen. dieser frauenhass bleibt jedenfalls mir unerklärlich, weil es bobs vater war, der ihn misshandelt hat, aber immerhin bekommt man so eine idee von der wahnwelt, in der bob lebt.

    über das zweite ende des films breite ich den mantel des schweigens. das ist hanebüchener unsinn. der film hätte mit dem ersten ende auch zu ende sein müssen. jennifer lynch hat beim q&a auf die diesbezügliche frage zugestimmt, dass sich das ende "angeklebt" anfühle, was aber sie durch einen zukünftigen director's cut ändern wolle. das ist indes schwer vorstellbar, wenn sie nicht das zweite ende komplett wegschneidet.

    abgesehen davon aber alles in allem ein empfehlenswerter film, mehr eine charakterstudie und wie schon geschrieben ein vater-sohn-film als ein klassischer serienmörder-film. gleichwohl sei vor ihm aber gewarnt, denn gerade auch in seinen weniger plakativ gewalttätigen momenten kann er sehr unter die haut gehen.

    hier noch der trailer:


  3. #3
    laertes
    Gast

    AW: Chained

    übrigens meinte jennifer lynch, dass das drehbuch auf einer wahren begebenheit beruhe. wenn irgendwer näheres liest, wäre ein verweis schön!

  4. #4
    laertes
    Gast

    AW: Chained

    hat den mittlerweile noch irgendwer gesehen?

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