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Thema: We Need to Talk About Kevin

  1. #1
    Regisseur Avatar von Pitt
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    We Need to Talk About Kevin



    We Need to Talk About Kevin ist ohne zu übertreiben der verstörendste Film, den ich jemals gesehen habe. Wie es der Regisseurin Lynne Ramsay gelingt, jede noch so unscheinbare Alltäglichkeit in ein Folterinstrument für den Zuschauer umzufunktionieren und ihm dabei nicht eine Sekunde Auszeit von dieser filmischen Tortur vergönnt, ist an purem Grauen kaum mehr zu überbieten.

    Ein Film, den ich wahrscheinlich nie ein zweites Mal sehen möchte.

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: We Need to Talk About Kevin (2011)

    Schon lang auf dem Plan ... jetzt noch in der Priorität nach oben gerückt ...

  3. #3
    Admin Avatar von Matt
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    AW: We Need to Talk About Kevin

    @Pitt

    Als nächstes kannst du dir dann Morvern Callar von Ramsay ansehen, welchen ich ebenfalls nur empfehlen kann.
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  4. #4
    Regisseur Avatar von Pitt
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    AW: We Need to Talk About Kevin

    Werd ich mir anschauen, danke!

  5. #5
    Nebendarsteller Avatar von MesCalinum
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    AW: We Need to Talk About Kevin

    Das Buch ist noch wesentlich verstörender als der Film. Von daher fand ich den Film gar nicht so extrem. Was vielleicht auch ganz gut ist. Muss aber zugeben, dass ich jetzt weder beim Film noch beim Buch ein Problem hätte, danz ganze noch mal zu schauen/lesen. Gerade das Buch liegt schon so lange zurück, dass ich durchaus neugierig wäre, ob diese grausame Faszination immer noch entsteht, wenn man es liest. Das war schon ziemlich krass.
    Als Film hatte mich Dancer in the Dark damals mehr geschockt - den werd ich sicher nie mehr schauen.

  6. #6
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: We Need to Talk About Kevin

    In den Tiefen des Internet gab es Anfang des Jahres einen kleinen Aufruhr bzgl. der Nichtnominierung als beste Hauptdarstellerin von Tilda Swinton für die Oscarverleihung. Dieser Aufruhr ist verständlich, liefert sie in We Need to Talk About Kevin eine eindringliche und absolut überzeugende Performance ab. Aber auch außerhalb von Swintons Leistung kann Lynne Ramsays Film überzeugen. Die Geschichte eines Kindes, das bei der Mutter rebellisch ist und beim Vater ein ganz anderes Gesicht zeigt, ist verstörend, kompromisslos und versteht es den Zuschauer zu schocken. Das Ganze wurde von Ramsay in eindringlichen, teils verstörenden Bildern eingefangen und setzt den Zuschauer in nicht gerade wenigen Momenten zu. Einzig das Stilelement der Zeitsprünge wollte nicht so recht funktionieren, weiß man somit doch schon recht früh worauf der Film hinaus möchte und raubt ihm damit einem Großteil der Spannung. Dennoch ein empfehlenswertes Werk bei dem alleine Swintons Performance jedes Eintrittsgeld wert ist.

  7. #7
    Regisseur Avatar von Jackie Flannery
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    AW: We Need to Talk About Kevin

    Finde die Zeitsprünge haben viel dazubeigetragen, dass man sich als Zuschauer in einem Sog/Strudel wiedergefunden hat, aus dem es keinen Ausweg gibt. So hat man regelrecht die Fingernägel in den Sessel versunken, um das ganze irgend wie ertragen zu können. Den ein Spannungsfilm, Thriller sollte und wollte der Film zu keiner Zeit sein. Ansonsten volle Zustimmung besonders was Swinton anbelangt, auch wenn Ezra Miller ihr in nichts nachsteht und ich gespannt bin, was er aus seinen zukünftigen Rollen macht. (Irgend wie erinnert er mich an den King of Pop, natürlich spätere Phase)

    Kritisch ist mir nur Reillys Figur aufgefallen, die ein paar Grauschattierungen auch verdient gehabt hätte, so wirkte sie z.T. schon fast wie eine Karikatur. Gewaltig auch was Ramsay mit dem Rotmotiv gemacht hat.
    - What you think he'd do if he found us?
    - Shoot us, probably. He's always glad to have an excuse to use his deer rifle

  8. #8
    Regisseur Avatar von TheUsualSuspect
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    AW: We Need to Talk About Kevin

    Also gut, reden wir über Kevin. Bevor wir aber zu Kevin kommen, drängt es sich aber geradezu auf zuerst über Kevins Mutter zu reden, die noch wesentlich präsenter in der Hauptrolle des Filmes steht. Auch zu Anfang sieht man erst einmal sie und fragt sich, was ist da passiert, dass diese Frau so ein Wrack ist. Offenbar war einiges mal anders, was vorher war und wie sich vieles entwickelt hat sieht der Zuschauer in einer Mischung aus Rückblenden und aktueller Zeit. Diese Zusammenstellung überzeugt, irgendwann bewegt man sich in einer Masse von Gedanken und Eindrücken gut passend zur Gedankenwelt einer Person, die sich aus den Ergebnissen vergangener Geschehnisse nicht mehr lösen kann und gleichzeitig in ihrem hier und heute klar kommen muss.

    Worum geht es eigentlich? Es geht um die beruflich mal recht erfolgreiche Eva Khatchadourian (Tilda Swinton), für die sich durch die Geburt des gemeinsamen Kind mit ihrem Partner (John C. Reilly) praktisch alles ändert. Sich in der unbekannten plötzlichen Mutterrolle wiederfindend, sieht sie sich von Anfang an konfrontiert mit einem Nachwuchs, der scheinbar auf gar keine der bekannten Verhaltens- und Erziehungsstrategien anspricht. Damit soll sich ein Grundstein für alles Folgende festlegen. Es entwickelt sich eine verwachsene tiefgestörte Beziehung, zwischen einer Mutter, die ihren Sohn als eine Art Enigma betrachten muss, während sie ihre innere Abgestoßenheit zu überwinden versucht und gleichzeitig versucht ihn zu lieben, und ihrem Sohn, der zwanghaft die Aufmerksamkeit seiner Mutter auf sich lenkt und mit den äußersten Mitteln alles dran setzt sie zu verletzen. Von Anfang an ahnt man und wird auch darauf hingewiesen dass sich diese Beziehung in einem schicksalhaften verheerenden Moment niederschlagen wird. Daraus hätte man genauso einen Horrorfilm machen können, ist aber eine ernste Betrachtung einer kindlichen aber in erster Linie der mütterlichen Erlebniswelt, die Schwangerschaftsdepressionen, Bindungsängste und -schwierigkeiten und ernsthafte Erziehungsproblematiken einbindet. Auf seine Art ist das extrem gruselig.

    Thematisch kommt der Film sehr eindringlich rüber, hielt mich als Zuschauer noch eine geraume Zeit mit seinen Gedanken gefangen. In dem guten Eindruck ist We Need to Talk About Kevin gerade zum Finale etwas zu "stark" aufgezogen. Einige Überzeichnungen trüben das ansonsten gut umgesetzte herausfordernde Thema. Als Nebendarsteller wirkt John C. Reilly in seiner Vaterrolle manchmal ein wenig zu beliebig leichtfertig in seiner Art mit den Familienschwierigkeiten umzugehen, dafür legt Tilda Swinton hier eine mächtige Performance hin. Gefühlt ist das ein unhandlicher Film, befindet sich mit seinem Thema aber in Einklang. Ich würde eine Empfehlung aussprechen.
    "Sometimes, when you bring the thunder, you get lost in the storm."

  9. #9
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    AW: We Need to Talk About Kevin

    Aus der Reihe “Filme die Adrian Monk nach 25 Sekunden abbrechen würde...“. Schon das Opening zeigt einen kleinen visuellen Rausch, lässt den Zuschauer optisch teilhaben an dem Treiben rund um das spanische Tomatenfestival, das einmal im Jahr die örtlichen Reinigungskräfte in Atem hält. Dabei zeigt es unsere Protagonistin das einzige Mal im Film so richtig unbeschwert und glücklich. Außerdem begegnet uns hier erstmals die Farbe rot, die insgesamt eine sehr große Rolle spielt und sehr viel eingesetzt wird, für meine Begriffe etwas zu viel, aber das ist wohl auch schon der größte von ganz wenigen minimalen Makeln.

    Was dafür sehr gefallen hat ist die Bildsprache, die Kleinigkeiten die oft so viel mehr aussagen als viele Worte, sei es die Ventilator-Urlaubszielposter-Szene, das ’auf-du-und-du-mit-dem-Vollzugsbeamten' etc. Ebenso der häufige Kontrast zwischen Musik und Bild, z.B. in der Halloween-Szene. Interessant ist der nicht lineare Erzählstil, ein Stilmittel welches hier zum Gelingen wesentlich beiträgt.

    Ein Film der stark ist weil er einen bewegt und der auf positive Weise sehr unangenehm anzuschauen ist. Das nahezu komplette Verzichten darauf explizite Szenen zu zeigen ist zweifellos ein großer Gewinn und erzielt dennoch seine Wirkung. Ein Musterbeispiel eines guten Filmemachens und das Erreichen gewollter Effekte auch mit subtileren Mitteln. Dass der Film nicht nur keinen wirklichen Grund oder Lösungsansatz für das Geschehene liefert sondern noch nicht mal wirklich danach sucht spricht für ihn und ist mehr Vor- als Nachteil, wenngleich man als Zuschauer dies auch abkönnen muss.

    Herauszuheben zweifellos das Spiel der Swinton, welches mitreißender und großartiger kaum sein könnte und die die herrschende Sprachlosigkeit, im übrigen ein schöner Kontrast zum Titel, sehr gefällig darstellt. Aber auch die beiden Kevin-Darsteller fügen sich in das Gesamtbild sehr gut ein. Zu den beiden Hauptfiguren ließen sich sicherlich noch vielerlei Gedanken und laienhafte psychologische Interpretationen niederschreiben, aber das ist so kurz nach dem Film zu viel was dazu in meinem Kopf rumgeistert um es halbwegs sortiert und sinnvoll darzubringen, zumal nicht nur die Personen sondern auch die Gegebenheiten, das Umfeld und das Leben an sich als bedeutende Eckpunkte angedeutet werden.

    We Need to Talk About Kevin sollte im Übrigen Pflichtprogramm für Teenager werden, als geeignetes Mittel zur Verhinderung ungewollter Schwangerschaften. 8/10
    The bad news is, we did an X-ray, and your body is full of a spooky skeleton man.

    Last watched movies [letzte Änderung: 04. November 2017]

  10. #10
    Moderator Moderator Avatar von TheCrow
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    AW: We Need to Talk About Kevin

    Okay, nachdem ich den schon ein paar Mal in den Fingern hatte, wird er beim nächsten Mal gekauft.
    Danke euch allen für die Bestätigung, dass es sich um einen sehenswerten Film handelt (auf meiner Liste war er schon, wegen John C. Reilly - so wie ich auch "Gott des Gemetzels" endlich mal sehen muss!).
    "Stop breathing!" - The Man in Black
    MovieCops - Filme im Kreuzverhör #80 ist online! (12.11.2017)

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