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Thema: The Amazing Spider-Man

  1. #1
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    The Amazing Spider-Man



    Director:


    Marc Webb

    Cast

    (in credits order)


    Zitat Zitat von Wikipedia
    Peter Parker, ein Außenseiter an der High School, wird als kleiner Junge von seinen Eltern verlassen. Seither lebt er bei seinem Onkel Ben und seiner Tante May. Peter versucht herauszufinden, wer er ist und wie er zu der Person wurde, die er nun ist. Parker erlebt mit Gwen Stacy die erste junge Liebe. An einem Tag entdeckt Peter eine mysteriöse Aktentasche, die seinem Vater gehörte und Hinweise auf das einstige Verschwinden seiner Eltern liefert. Seine Recherche führt ihn direkt zu Oscorp ins Labor von Dr. Curt Connors, dem früheren Partner seines Vaters. Nachdem Parker das Alter-Ego Spider-Man erschafft und Conners zu Lizard mutiert, geraten beide aneinander und Peter trifft lebensverändernde Entscheidungen, die ihn auf seinem Weg zum Helden, der er sein wird, prägen
    Ungeachtet der Frage ob ein Reboot der Reihe notwendig war: The Amazing Spider-Man entpuppt sich als die bislang wohl beste Verfilmung der netten Spinne aus der Nachbarschaft. Vieles davon kann man Regisseur Marc Webb zuschreiben, der es nach (500)Days of Summer erneut versteht seine Charaktere wunderbar miteinander agieren zu lassen und die Emotionalität der Figuren auf den Zuschauer zu übertragen. Die Geschichte ist dabei deutlich näher an der Vorlage als Raimis Werke, optisch sieht das Ganze absolut perfekt aus und auch die Geschichte kann über weite Strecken mitreißen; wirkt sie doch ein ganzes Stück ehrlicher und realistischer als bei den vorangegangenen Verfilmungen. In Sachen Darstellerleistungen sei besonders Emma Stone hervorgehoben, die eine tolle Gwen Stacy abgibt und zudem mit dem gut aufgelegten Spider-Man-Darsteller Andrew Garfield hervorragend harmoniert. Dazu kommt noch das wohl amüsanteste Stan Lee Cameo ever und ein wunderbarer Schlusssatz. Was will man mehr?

  2. #2
    Regisseur Avatar von TheUsualSuspect
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    AW: The Amazing Spider-Man

    Danke für die Neueröffnung in einem separaten Topic, Keyzer. Interessant, dein Eindruck. Zum Vergleich mal meiner:

    Ich hatte mir vor der Sichtung vorgenommen, den nicht als Reboot und möglichst unvoreingenommen zu betrachten. Das Ergebnis? Am Ende laufen viele Eindrücke dann doch über Vergleiche ab. Man kommt als Zuschauer tatsächlich gar nicht darum herum so einen Film nicht mit anderen Vorlagen - sei es aus Comic oder Film - abzugleichen. Dafür wird man seit einigen Jahren mit dieser Art von Filmen und speziell mit Publikationen des Marveluniversums regelrecht überflutet. Mit dem Ergebnis dass sich aber mittlerweile sehr deutlich ganz vieles wiederholt und sich zu beliebigem Einerlei entwickelt. Kurzum, mir hat The Amazing Spider-Man nicht gefallen und gerade gestern hatte ich irgendwann so keinen Bock mehr, dass ich nach 90 Minuten den Kinosaal verlassen habe. Das tue ich extrem selten und an einem anderen Tag hätte ich den Rest des Films wahrscheinlich auch noch durchgestanden aber gestern hatte ich das dringende Gefühl dass ich noch besseres mit meiner Zeit anfangen könnte.

    Vom ersten Eindruck an, hatte ich zu Beginn erst mal nichts auszusetzen. Optisch wirkte es erwartungsgemäß gut und auch die Besetzungen fand ich insgesamt gut gelungen. Andrew Garfield geht als Peter Parker völlig in Ordnung (obwohl ich Tobey Maguires Darstellung da schon sehr gut finde) und Emma Stone kann ich gar nicht schlecht finden. Überraschung: ich dachte im Vorfeld immer sie würde MJ spielen, tatsächlich schlüpfte sie aber in die Rolle von Gwen Stacey. Wo sie mMn auch besser reinpasst. (Ich wunderte mich schon über die blonden Haare.) Auch der restliche Cast kann voll überzeugen, lediglich Sally Field sehe ich als Aunt May nicht ganz passend besetzt.

    Das man an Spider-Mans Entstehungsgeschichte ein wenig herumschraubte fand ich auch noch nicht ganz so schlimm. Man verquickte dieses Geschehen noch mit der Vergangenheit seines Vaters, was ich aber alles ganz okay fand. Ich kenne mich da in den Hintergrundinfos aus den Comics noch nicht so gut aus, ob sich dazu tatsächlich auch comichistorische Grundlagen finden lassen. Für mich kam der erste deutliche Downer in der U-Bahn-Szene, nachdem Peter Parker von der Spinne gebissen wurde und plötzlich zum ersten Mal neue Kräfte in sich bemerkt. Die Art wie sich diese Situation aufbaut und er dann mit überraschenden Moves die Gruppe vermöbelt und dabei die Bahn demoliert wirkte... einfach nur überzogen. Dazu passte auch seine dahingestammelte Entschuldigung nicht. Diese überzogene Zurschaustellung zog sich dann weiter fort, indem Peter Park auch in der Schule gegenüber Flash Thompson sehr ungeniert seine Kräfte zur Schau stellt. Sam Raimi hat das gewitzter gemacht und meiner Ansicht nach bricht man hier mit einigen Grundlagen aus der Spider-Man-Historie.

    Diese Momente trübten den Eindruck allmählich aber sicher in meinen Augen, dazu gesellt sich dann einfach sehr viel des Üblichen. Bösewichter und Actioneinlagen, zwar gut gemacht aber ohne größeren eindrücklichen Hintergrund. Ich komme zu dem Schluß daß ich mittlerweile von dieser Art Film übersättigt bin. Vielleicht habe ich noch einige gut gemachte Actionszenen verpasst, aber auch der Gedanke reizte mich gestern nicht mehr genug. Ich kuck mir das Ende einfach mal bei Gelegenheit im Internet an. Aus Komplettierungsgründen. Meiner Meinung nach kann man sich The Amazing Spider-Man im Kino auch sparen.
    "Sometimes, when you bring the thunder, you get lost in the storm."

  3. #3
    Regisseur
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    AW: The Amazing Spider-Man

    Na gut, aus meinem Filmtagebuch: Vorausschicken möchte ich noch, wie üblich bei Comic-Verfilmungen, daß ich nur und ausschließlich über den Film werte und niemals über eine mehr oder weniger korrekte Umsetzung der Comic-Vorlage! - schlicht und ergreifend, weil ich keine dieser Comics kenne und außer den Ehapa-Micky Maus-Heften und den deutschen Asterix-Heften niemals irgendwelche anderen Comics gelesen habe, geschweige denn überhaupt gewußt hätte, daß es auch sowas wie Superman, Spiderman, Batman oder was auch immer auch noch gegeben hätte.

    THE AMAZING SPIDER-MAN
    Beweggrund der Sichtung: Trailer, Denis Leary, Martin Sheen

    Boah, was für eine bockfette Granate! Absolut granatenstarkes, großartiges, glaubhaft gespieltes und inszeniertes Stück Popcornkino/Comic-Action/Schauspiel-Kino/Action-Kino/Effekt-Kino!!! I am overwhelmed. Der Film rockt die Leinwand sowas von!
    Klasse Score von James Horner, klasse Effekte, klasse Schauspielerleistungen von vor allem Denis Leary (fast schon in "The Job-Manier"), Rhys Ifans, Emma Stone (die ich jetzt das zweite Mal sehe neben "The Help" und sie auch hier wieder großartig ist), und letztlich noch diesem Andrew Garfield, den ich zum ersten Mal sehe.
    Ich möchte keine Vergleiche anstellen zu den hervorragenden Sam Raimi-Spidermännern, zumal ich mich an den ersten auch kaum noch detailliert erinnern kann, den dritten mit dem Sandmann und dieser schwarzen klebrigen "Böse"-Masse und diese tolle Tanzszene mit Tobey hab ich noch gut in Erinnerung und finde diesen Teil richtig Klasse. Tobey Maguire und seine damalige Flamme haben ihre Sache richtig gut gemacht, ebenso die diversen Bösewichter.

    Gleiches kann ich nun voll und ganz auch über den Relaunch sagen (so unnötig er letztlich auch ist, aber ich habe gelesen, daß Sony 2016 die Rechte an Spiderman-Verfilmungen wieder abgeben müsse und deswegen jetzt noch das Franchise zu Geld machen wolle durch neue Kinoverfilmungen) denn die Spiderman-Welt hier und die Figuren, insbesondere die von Garfield und Stone und Sheen und Field kommen absolut glaubwürdig und "geerdet" daher, ja man kann diesen Film fast als "Schauspieler-Kino" bezeichnen.
    Im Grunde genommen fast genauso ein "richtige Leute"-Comicfilm, wie Batman-Schiene von Chris Nolan. Kommt für mich genauso glaubhaft und lebendig und gut rüber. Parallelen finden sich hier auch in der gleichen Art wohldosiertem Humor und Wortwitz und stellenweiser Situationskomik (etwa wenn Parker das erste Mal von seinen Kräften überrascht ist und für reichlich Kollateralschäden sorgt). Unbedingt positiv zu erwähnen sind noch die grandiosen "Flug"-Szenen durch die Häuserschluchten von Manhatten und das zuweilen in EGO-Perspektive gezeigte Schwingen, Hochklettern, Hochschwingen an Hochhäusern durch Spiderman. Das sieht schon in 2D super aus und sähe bestimmt in 3D noch besser aus (allein die zuätzlichen 4 Euro 3D-Aufschlag sind es mir nicht wert, zumal unser Kino ab heute erneut die Preise erhöht hat und zusätzlich noch wieder einen Top-Filmzuschlag neu eingeführt hat )

    Matt, mein nerdiger Freund .. Du wirst diesen Film LIEBEN! Für mich war dies nicht die letzte Sichtung!

    Auch ich bin absolut hin und weg von diesem Hammer und gebe absolute verdiente

    10/10

  4. #4
    Admin Avatar von Matt
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    AW: The Amazing Spider-Man

    Zitat Zitat von KeyzerSoze Beitrag anzeigen
    Ungeachtet der Frage ob ein Reboot der Reihe notwendig war: The Amazing Spider-Man entpuppt sich als die bislang wohl beste Verfilmung der netten Spinne aus der Nachbarschaft. Vieles davon kann man Regisseur Marc Webb zuschreiben, der es nach (500)Days of Summer erneut versteht seine Charaktere wunderbar miteinander agieren zu lassen und die Emotionalität der Figuren auf den Zuschauer zu übertragen. Die Geschichte ist dabei deutlich näher an der Vorlage als Raimis Werke, optisch sieht das Ganze absolut perfekt aus und auch die Geschichte kann über weite Strecken mitreißen; wirkt sie doch ein ganzes Stück ehrlicher und realistischer als bei den vorangegangenen Verfilmungen. In Sachen Darstellerleistungen sei besonders Emma Stone hervorgehoben, die eine tolle Gwen Stacy abgibt und zudem mit dem gut aufgelegten Spider-Man-Darsteller Andrew Garfield hervorragend harmoniert. Dazu kommt noch das wohl amüsanteste Stan Lee Cameo ever und ein wunderbarer Schlusssatz. Was will man mehr?
    *signed

    Zitat Zitat von Wolfe Beitrag anzeigen
    Matt, mein nerdiger Freund .. Du wirst diesen Film LIEBEN! Für mich war dies nicht die letzte Sichtung!
    *signed
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  5. #5
    laertes
    Gast

    AW: The Amazing Spider-Man

    Warum noch ein Spider-Man nötig ist
    Der letzte Film der großen "Spider-Man"-Trilogie ist gerade mal fünf Jahre her. Was hat das Kino der Geschichte vom nerdigen Peter Parker noch hinzuzufügen? "Twilight"!

    Von Sophie Albers

    Man fragt sich ja schon, wozu die Welt fünf Jahre nach Ende der gefeierten "Spider-Man"-Trilogie von Sam Raimi eine Neuauflage braucht. Hat Tobey Maguire in seinem blau-roten Spandexanzug nicht schon alles gegeben? Sogar getanzt hat er! Was muss er denn noch tun?

    Das fragwürdige Reboot "The Amazing Spider-Man" gibt die Antwort gleich in seinen ersten Sekunden: Der neue Peter Parker, gespielt von "The Social Network"-Schluffi Andrew Garfield, spiegelt sich in einer Scheibe und überrascht mit einem formvollendeten Justin-Bieber-Schwupp, mit dem er seine "Twilight"-verwuschelte Mähne in perfekte Unform bringt. Justin Bieber? "Twilight"? Ja, Sie haben richtig gelesen. Genau um deren Publikum scheint es "The Amazing Spider-Man" nämlich zu gehen.

    Liebe, Zweifel, Familie

    Nicht nur die Haare dieses Spinnen-affinen Edward-Verschnitts bieten den beliebten Comic-Superhelden erstmals laut und deutlich dem weiblichen Publikum an. Die gramvolle Augenbraue und den zärtlich-drohenden Blick von unten kann er auch. Und auch Emma Stone als Gwen Stacy ist eine Bella im Marvel-Universum geworden: schlau, eigensinnig, verletzlich mit starker Vaterbindung. Da wirkt das Highschool-Blond fast wie eine schlechte Tarnung. Die altklugen Dialoge, die handzahme Ironie, der Weltschmerz, die sich selbst verzehrende Vernunft - plötzlich kreuzen sich die Fantasiewelten nicht nur, sie werden deckungsgleich. Denn passenderweise ist "Twilight" ja auch gerade "männlicher" geworden Hat man erst einmal begriffen, um wen es in diesem Film wirklich geht, macht er richtig Spaß. Aus der eigenen Ästhetik hat "Twilight" schließlich alles rausgeholt.

    Mike Webb (er heißt wirklich so), der bisher das Indie-Liebesdrama "(500) Days with Summer" vorzuweisen hat, zaubert einen "anderen" Spider-Man auf die Leinwand, der Tobey Maguire tatsächlich alt aussehen lässt. Denn ob es dem Kinozuschauer gefällt oder nicht, die Alleinherrschaft der werberelevanten Zielruppe "14 bis 25 und männlich" als Maßstab jeder großen Produktion ist offenbar gebrochen. "The Amazing Spider-Man" ist eine große Packung Gefühle: Liebe, Familie, Selbstfindung.

    Perfekter Bösewicht

    Vergessen werden die alten Herrscher aber natürlich nicht: Die 200-Millionen-Dollar-Produktion (geschätzt) wartet mit bisher ungesehener Technik auf. Es gibt Szenen vom fliegenden Wandkrabbler, die man so noch nicht zu Gesicht bekommen hat. Und das liegt nicht einmal am 3D, in dem der Film natürlich in die Kinos kommt. Noch entspannter ist das CGI, noch mehr gewöhnt an die Computerspiel-Grafik ist das Zuschauerauge. Auch der Bösewicht verkörpert die Schizophrenie vollkommen: Rhys Ifans brilliert als Bestie, die so menschlich geblieben ist, dass man nie das Mitleid verliert. Die Zuschauerzahlen werden zeigen, ob von "Twilight" lernen tatsächlich siegen lernen heißt.

    Offen bleibt immer noch die Frage, warum die beliebte Spinne, die in diesem Jahr ihren 50. feiert, denn nun schon wieder auf die Bühne muss. Die Antwort ist einfach und noch weniger sexy als "Twilight": Weil Sony sonst die Rechte am Filmfranchise verliert.

    (Quelle: Stern.de)

  6. #6
    laertes
    Gast

    AW: The Amazing Spider-Man

    Mach's noch einmal, Spinne
    Drehen, so lange die Lizenz noch hält: Das frühe "Spider-Man"-Remake aus dem Hause Sony ist angesichts des Zeitdrucks und der geschassten Filmcrew gar nicht so schlecht.

    Von Martin Schwickert

    Gerade einmal zehn Jahre ist es her, dass Sam Raimi mit Spider-Man einen der populärsten Helden aus dem Marvel-Comic-Universum auf der Leinwand zum Leben erweckt hat.

    Zusammen mit zwei weiteren Sequels spülte das Unternehmen weltweit insgesamt fast 2,5 Milliarden Dollar in die Kinokassen. Kurz nach der Jahrtausendwende gehörte Spider-Man zu den wenigen Filmen, die die kreativen Möglichkeiten der digitalen Bildproduktion voll ausschöpften, ohne jedoch Figuren und Story mit dem High-Tech-Muskelspiel die Luft zum Atmen zu nehmen. Künstlerischer Anspruch, cineastische Attraktion und auf den breiten Massengeschmack ausgerichtetes Mainstream-Kino gingen in der Spinnenmann-Trilogie eine ungewöhnlich harmonische Koalition ein.

    Nun konnten die Finanzstrategen im Hause Sony der Versuchung nicht widerstehen, die Gelddruckmaschine noch einmal anzuwerfen. Schließlich sind in harten Zeiten wie diesen sichere Investmentmodelle schwer zu finden und Sony steht unter Druck – die Produktionsfirma muss weitere Spider-Man-Filme drehen, sonst geht die Lizenz zurück an Marvel. Aber manchmal liegt gerade im vermeintlich Sicheren das größere Risiko und das, was man nun mit The Amazing Spider-Man versucht, ist ein durchaus gewagtes Unternehmen.

    Statt die Geschichte weiterzuspinnen, spult man sie wieder zurück auf Anfang und erzählt einfach noch einmal neu, wie sich der scheue High-School-Schüler Peter Parker durch einen Spinnenbiss in einen Superhelden verwandelt. Zehn Jahre sind auch in der Ära des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms eine kurze Zeitspanne für ein Remake.

    Im Falle von The Amazing Spider-Man lohnt sich jedoch die Neubesichtigung des bekannten Stoffes. Das liegt zum einen an der Regie von Marc Webb, bekannt durch (500) Days of Summer, der die Geschichte des Helden wider Willen in einem sehr viel realistischeren Setting erzählt, die Psychologisierung der Figur vorantreibt und die fast schon melodramatischen Qualitäten der Story deutlich herausarbeitet. Zum anderen setzt die Wahl von Andrew Garfield (Alles was wir geben mussten) als Hauptdarsteller neue, interessante Akzente in der Figur des Spinnenmannes, der hier immer wieder aus der Superheldenecke herausgelockt wird und ein ungewöhnlich hohes Maß an Verletzlichkeit an den Tag legen darf.

    Peter Parker ist nicht nur der nette, schüchterne Junge von nebenan, wie ihn Tobey Maguire gespielt hat, sondern eine sichtbar geplagte Seele, die unter dem traumatischen Verlust der Eltern auch als Heranwachsender noch schwer zu leiden hat. Der familiären Hintergrundgeschichte wird in Webbs Variation deutlich mehr Raum gegeben. Sogar der Bösewicht Dr. Curt Conners/Lizard (Rhys Ifans) wird als enger Freund des Vaters mit in die Familienaufstellung einbezogen und ist bis zum biotechnischen Selbstversuch ein Wissenschaftler mit klaren moralischen Prinzipien.

    Das Wechselverhältnis zwischen Macht und Verantwortung wird hier noch klarer konturiert. Die adoleszenten Allmachtsfantasien, die Jugendliche heute vorwiegend an der Spielkonsole ausleben, werden hier mit der Realität in Reibung gebracht und in einen moralischen Reifungsprozess des Helden kanalisiert, der entscheiden muss, wofür und wogegen er seine übernatürlichen Kräfte einsetzt.

    Deutlich heruntergekürzt wurden hingegen die romantischen Verwicklungen zwischen dem schüchternen Peter und der smarten Mitschülerin Gwen (Emma Stone). Da hatten Tobey Maguire und Kirsten Dunst deutlich mehr Raum zum Ausglühen. Die visuelle Textur von The Amazing Spider-Man fällt sichtbar düsterer als die farbenprächtigen, surreal anmutenden Bilderwelten Sam Raimis aus.

    War der erste Teil der Trilogie noch vor dem 11. September 2001 fertiggestellt worden, trägt die Neuinszenierung deutlich die atmosphärischen Spuren der Post-Nine-Eleven-Ära in sich. Manhattan ist hier nicht bloß eine atemberaubende Kulisse, durch deren Häuserschluchten sich der Spinnenmann schwingen kann, sondern ein verletzlicher urbaner Körper, dessen Herz – der weithin sichtbare gläserne Häuserkoloss der Gen-Tech-Firma "Os-Corp" – im Kampf zwischen Gut und Böse schwer in Mitleidenschaft gezogen wird.

    Insgesamt ist Marc Webb mit The Amazing Spider-Man eine sehr zeitgemäße Version des Comic-Klassikers gelungen, die mit einem stringenten ästhetischen Konzept und in ihrer differenzierten Figurengestaltung selbstbewusst auf eigenen Beinen steht. In den anvisierten Sequels sollten sich die Franchise-Betreiber allerdings für die Weiterführung der Story etwas grundlegend Neues einfallen lassen.

    (Quelle: Zeit.de)

  7. #7
    laertes
    Gast

    AW: The Amazing Spider-Man

    Spinne auf Sinnsuche
    Hier hängt die Spinne auch mal in den Seilen: Mit "The Amazing Spider-Man" beginnt die Karriere des Superhelden mit neuer Besetzung von vorn. Der Film pflegt das Erbe des Comic-Epos. Die überraschende emotionale Tiefe macht ihn absolut sehenswert - genau wie die großartige Emma Stone.

    Von David Kleingers

    Die beinahe Fünfzig sieht man ihm nicht an: Im August 1962 hatte Spider-Man seinen ersten Auftritt in den "Amazing Stories" des Marvel-Verlags, im darauffolgenden Jahr widmeten ihm seine Schöpfer Stan Lee und Steve Ditko mit "The Amazing Spider-Man" die erste eigene Heftreihe. Unter diesem Titel kehrt der Jubilar nun ins Kino zurück. Und während andere in diesem Alter längst die Midlife-Krise schieben, muss der immerjunge Peter Parker zum x-ten Mal seine Teenagerleiden auf dem Weg zum genmanipulierten Helden durchleben.

    Das zyklische Dasein teilt er mit vielen großen Comicfiguren, die in schöner Regelmäßigkeit neu- und wiedererfunden werden. Dennoch findet der reboot des Fassadenkletterers unter besonderen Vorzeichen statt, denn schließlich haben die drei vorherigen Spider-Man-Filme unter der Regie von Sam Raimi ein dominantes und immens populäres Bild der Figur geschaffen. Nach dem kommerziell erfolgreichen, dramaturgisch aber eher durchwachsenen dritten Teil scheiterten indes die Planungen für eine weitere Fortsetzung, und sowohl Raimi als auch die Hauptdarsteller Tobey Maguire und Kirsten Dunst nahmen ihren Abschied.

    Dass Marvel und Lizenznehmer Sony Pictures daraufhin ihre lukrative Franchise nicht stilllegten, war keine Überraschung. Bemerkenswert dagegen die Entscheidung, Marc Webb als Regisseur für den Neustart zu verpflichten. Webb reüssierte 2009 mit seinem Debüt "(500) Days of Summer", einer verspielten und Hipster-affinen Beziehungsballade. Obschon ein Arthouse-Hit, war der Film nicht unbedingt die offensichtlichste Bewerbung für eine multimillionenschwere Studioproduktion in 3D, inklusive aller sonstigen logistischen und technischen Fallstricke, die ein Projekt dieser Größenordnung mit sich bringt.

    Düstere Rückkehr

    Zweifellos haben Bryan Singer ("X-Men", "X2"), Christopher Nolan ("Batman Begins", "The Dark Knight Rises"), Joss Whedon ("Avengers") und eben Sam Raimi in den vergangenen Jahren das Feld der Comic-Adaptionen für innovative Filmemacher mit Independent-Hintergrund erobert. Sie wiederum profitierten von der Pionierarbeit Tim Burtons, der einst im Vorfeld seines paradigmatischen "Batman" (1989) allerlei Skepsis ertragen musste.

    Eingedenk dieser erfolgreichen Tradition erscheint die Wahl Webbs zwar nicht mehr ganz so mutig. Aber richtig. Denn sein Film, nach einem Drehbuch von James Vanderbilt, Alvin Sargent und Steve Kloves, bringt den Sturm und Drang zurück in die Selbstwerdung des juvenilen Weltenretters. Und er präsentiert mit Andrew Garfield ("Never Let Me Go") einen ungleich wütenderen und zerrisseneren Peter Parker, dessen Ungestüm sich nicht allein in einer Vogelnestfrisur manifestiert. Die düster gewendete Rückkehr zu den Wurzeln setzt bei aller Vertrautheit etliche neue Akzente, etwa in der Familiengeschichte des Waisenjungen Peter, der trotz der liebevollen Fürsorge von Onkel Ben (Martin Sheen) und Tante May (Sally Field) das mysteriöse Schicksal seiner Eltern ergründen möchte.

    Spinne auf Sinnsuche

    Ebenfalls abgewandelt wurden der Ort und der Umstand jenes folgenschweren Spinnenbisses, der dem schmächtigen Skatepunk und Eckensteher seine übernatürlichen Fähigkeiten verleiht. Und nicht zuletzt verzehrt sich Peter Parker diesmal nicht nach der rothaarigen Nachbarin Mary Jane Watson, sondern nach seiner hochbegabten Mitschülerin - und publikationshistorisch ersten großen Liebe - Gwen Stacy.

    Emma Stone ("The Help"), deren wunderschön tiefergelegte Stimme erneut ein klangvolles Argument für die Originalsprachversion ist, spielt die selbstbewusste Tochter des grantigen Police Captain George Stacy (Denis Leary) als zupackenden Gegenentwurf zur romantischen, chronisch passiven damsel in distress Mary Jane, die Kirsten Dunst in Raimis Trilogie gab. Das bringt frische Dynamik in den doch recht vorhersehbaren Konflikt, den der sinnsuchende Spider-Man mit dem Schurken des Tages austragen muss.

    Diesmal kommt The Lizard alias Dr. Curt Connors (Rhys Ifans) diese Rolle zu, und wie zumeist in den Abenteuern von Spider-Man gewinnt auch der große Lurchi keinen Preis für Originalität, wenn es um seine bösen Masterpläne geht. Aber, und das ist weit wichtiger, er steht mit seiner tragischen Getriebenheit treffend für die Ambivalenz, die Peter Parker in seinen Gegnern immer einen Teil seiner Selbst entdecken lässt.

    Tobey Maguire stand als Spider-Man glaubwürdig für großäugiges Staunen und ansteckende Begeisterung, ebenso wie Sam Raimis New York eine prächtige, farbsatte Spielwiese für die Spinne war. Auch Andrew Garfield wirbelt bisweilen euphorisch in die Höhe, doch wenn er sich durch die Straßenschluchten schwingt, erscheint die Welt unter ihm als drohender Abgrund.

    In der schroff und grau gezeichneten Stadt bezieht der flüggegewordene Held zudem reichlich Prügel, und in seiner schicksalhaften Körperlichkeit muss dieser Spider-Man mehr als zuvor metaphorische und tatsächliche Abstürze bestehen. Wo Sam Raimi in aller cartoonesken Konsequenz die Möglichkeiten eines Film gewordenen Comics zelebrierten, betont "The Amazing Spider-Man" schmerzvolle Grenzen - der Fähigkeiten, des Körpers und des persönlichen Glücks.

    Auch deshalb wirkt der Film trotz ausladender Actionsequenzen gedrungener, beengter und kleiner als seine Vorläufer. Er bringt damit aber auch eine emotionale Dichte und Dringlichkeit zurück, die Spider-Man als Kinofigur zuletzt abhanden zu kommen drohte.

    Jetzt hängt die Spinne nicht mehr in den Seilen, sondern zeigt sich bereit für eine weitere Runde.

    (Quelle: Spiegel.de)

  8. #8
    laertes
    Gast

    AW: The Amazing Spider-Man

    die allgemeine presse scheint ja wirklich ganz angetan zu sein.

  9. #9
    Regisseur Avatar von Fenrisulfr
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    AW: The Amazing Spider-Man

    Ich bin durchweg zufrieden mit der Neuverfilmung, da die aktuelle Spidermanversion für mich wesentlich näher an der Comicvorlage ist, als die Version, die Toby Maguire zum Besten gab.
    Besonders schön fand ich die Spielfreude der Charaktere und insbesondere Andrew Garfield, der für mich recht authentisch rüber.
    Einzig und alleine Curt Connors war ein wenig blass im Vergleich zu seiner Vorlage.
    Blackadder: Baldrick, your brain is like the four-headed, man-eating haddock fish-beast of Aberdeen - It doesn't exist.

  10. #10
    Regisseur
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    Netter Film. Gleich wieder vergessen...

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