Ergebnis 1 bis 2 von 2

Thema: Tombstone

  1. #1
    laertes
    Gast

    Tombstone

    [Aus meinem FTB.]

    Tombstone
    1993, Regie: George P. Cosmatos und Kevin Jarre



    Schon mal einen feministischen Western gesehen? Ich auch nicht. Bis mir Wolfe Tombstone aufs Auge drückte.

    Darin spielen die üblichen Verdächtigen des von mir so genannten 'Promi-Western' - Wyatt Earp und Brüder, Doc Holliday - nur vordergründig die Hauptrolle. Der eigentliche Konflikt wird indes nicht im Saloon oder auf der verstaubten Hauptstraße oder im notorischen O.K-Corral ausgetragen - dem „Symbol für den ständigen Kampf zwischen Recht und Gesetz auf der einen sowie offenem Banditentum auf der anderen Seite in den Grenzstädten des Wilden Westens, wo die Spannungen des Sezessionskrieges nachwirkten und Strafverfolgung oftmals nur spärlich stattfand“ (Wikipedia). Sondern in den Dialogen, Disputen, Blicken, Gesten, kurz: den Schlachtfeldern von Mann und Frau.

    Da begehren Frauen auf und verlangen, als eigenstände Subjekte behandelt zu werden. Oder es fährt ein Planwagen durchs Bild, auf dem Frauen stehen und mit Schildern für gleiche Rechte am Arbeitsplatz werben. Ein High-Noon der Emanzipation, ausgetragen zwischen dem Manne untergeordneten Frauenfiguren der alten Zeit und freiheitlich denkenden Feministinnen der neuen Zeit, personifiziert vor allem durch Wyatts opiumabhängige Ehefrau einerseits und seine abwechslungssüchtige Geliebte andererseits - zwei Frauen, die in ihrer Art zu leben und sich zu geben unterschiedlicher nicht sein könnten. Und die nicht zuletzt auch Wyatts eigenen inneren Disput symbolisieren, seine schwere Wahl zwischen der vermeintlich angestrebten - vielleicht aus Not zur Tugend gemachten? - Rolle als niedergelassener Ehemann und Familienvater auf der einen und der – seinem Herzen entsprechenden? - Rolle als lonesome in den Sonnenuntergang ziehendem Peacemaker auf der anderen Seite.

    Im übrigen ist Tombstone ein von der Bildsprache her gesehen 'klassischer' Hollywood-Western, der insbesondere durch allenthalben herausragende Darstellerleistungen zu überzeugen vermag. Allen voran Michael Biehn, der seinen Johnny Ringo mit einer solchen Intensität und zurückgenommenen Wucht als Soziopathen verkörpert, dass man gar nicht daran denkt, die mangelnde historische Authentizität dieser Charakterisierung anzuzweifeln, so sehr vermag Biehns Spiel zu fesseln. Und auch Val Kilmer als Doc Holliday hat mich über alle Maßen beeindruckt – und überrascht, war ich mir bislang keineswegs im klaren darüber, was für ein wunderbarer Schauspieler Kilmer ist (oder jedenfalls sein kann, wenn er will und die richtige Rolle – diese hier – bekommt). Die übrigen Darsteller will ich nicht im einzelnen aufzählen, alle haben mir aber – und ich wiederhole mich gern – überdurchschnittlich gut gefallen.

    Da auch der von knackigsten Dialogen getragene Plot stimmig ist und die Kulisse authentisch wirkt, die Musik so klingt, wie sie eben klingen soll in einem Western und auch im übrigen alles passt, konnte ich über die etwas einseitige Figurenzeichnung hinwegsehen. Denn nach aktueller Auffassung waren Wyatt, Holliday und Co. nicht die reinen Guten, und die bösen, bösen 'Cowboys' waren in Tombstone besser gelitten, als es der Film suggeriert, aber geschenkt! Der mündige Kucker (mit K!) weiß das, Spaß haben kann er trotzdem.

    Und den hatte ich.

    Abstriche gibt’s in erster Linie für die etwas müde und unecht - altbacken! - wirkenden Schießereien und Schlägereien. Ansonsten aber ein trotz allen Vergnügens ernstzunehmender Spaß-Western, den ich gern wieder einmal ansehen werde – und nicht nur wegen des großartigen 'Trinkbecher-Duells'!

    Meine Bewertung: 7/10

  2. #2
    laertes
    Gast

    AW: Tombstone

    hier noch ein schöner screenshot vom anfang des films:


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