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Thema: Act Of Valor

  1. #1
    laertes
    Gast

    Act Of Valor

    das amerikanische militär engagiert sich traditionell gern im unterhaltssektor. außer bei computer- und konsolenspielen wird militarismus vor allem in filmen als hoher wert angepriesen und der zuschauer an den anblick und die sichtweise hochtrainierter uniformierter mörder gewöhnt - wodurch man ganz nebenbei schon im voraus die nächsten kriege legitimiert. das ist natürlich propaganda und ganz offensichtlich verwerflich, wird vom unreflektierten publikum aber gern mit verweis auf - wahlweise - das tolle gameplay oder die geile action relativiert.
    auch der film act of valor, ein "hollywood-actionreißer" mit "explosionen, verfolgungsjagden, heldentum und jeder menge platter dialoge" (spiegel online), scheint in diese kerbe zu hauen, wobei er noch einen draufsetzt - indem als schauspieler richtige soldaten antreten lässt:



    Kasse machen mit echten Kriegern
    Hollywood dreht, Washington zahlt: "Act of Valor", der jüngste Actionreißer aus Amerika, wurde vom Pentagon nicht nur initiiert. Die Hauptrollen in der Ballerorgie spielen echte Elitesoldaten der Navy Seals. Selten zuvor hatte das US-Militär so viel Einfluss auf die US-Filmindustrie.

    Von Marc Pitzke, New York

    Die riskante Rettungsaktion geht beinahe schief. Als sich die Elitesoldaten dem Lager der Drogenschmuggler im Urwald von Costa Rica nähern, hören sie, wie eine gefangene CIA-Agentin gefoltert wird. Sie schlagen schnell zu, um sie zu befreien. "Miss Morales", keucht einer der Männer melodramatisch, "ich bringe Sie nach Hause."

    Übliche Ware also. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Die Protagonisten in "Act of Valor" sind echte US-Soldaten - Mitglieder der geheimnisumwitterten Navy Seals und der Navy-Kampfboot-Sondereinheit "Special Warfare Combatant-craft Crewmen".

    Dass das Pentagon mit Hollywood gemeinsame Sache macht, um Propaganda fürs US-Militär zu betreiben, ist nicht neu. "Top Gun"-Effekt heißt die für beide Seiten lukrative Kooperation in der Branche - benannt nach der Kampffliegerschnulze von 1986, die Tom Cruise zum Weltstar machte, Bomberjacken zum Modehit und Ray-Ban-Sonnenbrillen zum Statussymbol.

    Doch "Act of Valor" geht einen Schritt weiter. Die Produktion könnte eine neue Ära begründen. Denn erstmals agieren tatsächlich im Dienst stehende Soldaten als Stars eines regulären Actionreißers. Der Einfluss des Pentagons auf die Filmbranche wird hier so offensichtlich wie selten zuvor. Die 18-Millionen-Dollar-Produktion wurde von der Marine in Auftrag gegeben, von den Seals mitverfasst - und ist nichts anderes als ein abendfüllendes Rekrutiervideo.

    Das Projekt begann 2008: Da lud die Marine Hollywood-Produktionsfirmen ein, einen Film über die Navy Seals zu drehen - jene legendäre Elitekampftruppe, die zuletzt Schlagzeilen machte, als ihr "Team 6" den Qaida-Führer Osama Bin Laden tötete. Ziel des Projektes: das Heldenimage der Truppe zu fördern.

    Den Auftrag sicherte sich die kleine Firma Bandito Brothers. Deren Gründer Mike McCoy und Scott Waugh, zwei Ex-Stuntmen, hatten zuvor Rekrutiervideos gedreht. Zwei Jahre lang begleiteten sie Teams der Seals beim Training, flochten das Material in eine fiktive Handlung ein und stellten den Soldaten "echte" Schauspieler zur Seite, die in erster Linie die Schurken mimen.

    Das Drehbuch stammt von Kurt Johnstad, Co-Autor des Comic-Spektakels "300", doch die Seals schrieben an Kampfszenen mit. Die Story ist eher unwichtig, es geht um Terroristen, Drogenschmuggler, Spione und natürlich die heroischen Seals. Die Kritiker zerrissen den Film bei seinem US-Start im Februar. Die Zuschauer waren weniger wählerisch: "Act of Valor" spielte in den USA fast 70 Millionen Dollar ein und liegt damit bisher auf Platz elf des Jahres.

    "Top Gun" - Husarenstück des neuen Propagandakinos

    Die Produktion von "Act of Valor" folgt einer zweifelhaften Tradition. Hinter den Kulissen arbeitet das Militär mit Hollywood schon seit Jahrzehnten zusammen. Bereits 1927 stellte das Verteidigungsministerium dem Paramount-Studio militärische Ausrüstung für das Melodrama "Wings" über Kampfpiloten im Ersten Weltkrieg zur Verfügung. "Wings" wurde bei der allerersten Oscar-Verleihung als bester Film prämiert. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Hollywood auf Seiten der USA mit. 1948 gründete das Pentagon das Film Liaison Office, das fortan genehmigte, welcher Film offizielle Waffen, Panzer und Munition geliehen bekam.

    Während des Vietnamkriegs geriet die Beziehung in die Krise. Filme wie "Die durch die Hölle gehen" (1978), "Apocalypse Now" (1979) und "Platoon" (1986), aber auch die TV-Kultserie "M*A*S*H" (1972-83) porträtierten die Gräuel des Krieges und die Folgen für die Soldaten.

    Klar, dass das Pentagon dabei nicht mitmischte. Die Antwort folgte in den achtziger Jahren. Husarenstück des neuen Propagandakinos war "Top Gun", den Produzent Jerry Bruckheimer in enger Absprache mit dem Militär drehte. Und der Film wurde zu einem solchen Kassenhit, dass Hollywood plötzlich wieder auf ähnliche Sujets heiß war. Der Ausbruch des Golfkriegs und die "Operation Desert Storm" taten 1990 das Ihre.

    Kritische Filme scheiterten an der Kasse

    Heute haben alle vier US-Waffengattungen - Armee, Luftwaffe, Marine und Marineinfanteristen - eigene Filmbüros in einer gemeinsamen Büroflucht in Los Angeles. Koordiniert werden sie immer noch von der Film Liaison Unit im Pentagon, dessen Chef Philip Strub "eine der mächtigsten Federn im Show-Business schwingt" ("Huffington Post") - und damit an vielen Drehbüchern mitschreibt. Nur Filme und Manuskripte, die seinen Zuspruch finden, bekommen Unterstützung vom Militär.

    Die Beweggründe werden nicht verheimlicht: Durch den direkten Zugang zu "Menschen, Flugzeugen und Material", schreibt das Air Force Entertainment Liaison Office auf seiner Website, stelle man sicher, dass das "Image der U.S. Air Force im globalen Entertainment-Umfeld gefördert und geschützt" wird. Das gilt auch für Filme, die auf den ersten Blick nichts mit dem Militär zu tun haben. Etwa das Superheld-Epos "Iron Man 2" (2010) oder die "Transformers"-Reihe, für die das Pentagon alle Hebel in Bewegung setzte.

    Während der jüngsten US-Kriege in Afghanistan und im Irak zeigte sich Hollywood zwar auch betont kritisch, etwa mit Thrillern wie "Im Tal von Elah" (2007), "Stop-Loss" (2008) und "Green Zone" (2010). Doch diese Filme hatten an den Kinokassen keinen Erfolg.

    Stattdessen geht der Trend wieder zum Hurra-Patriotismus, besonders die Seals sind en vogue. Jerry Bruckheimer arbeitet derzeit an einer neuen TV-Serie über die Elitetruppe. Die Universal-Studios haben "Lone Survivor" im Programm, einen Film über einen Kriegshelden, der auf den Memoiren eines echten Seals beruht. Regisseur Peter Berg begleitete dafür zeitweise - sozusagen als "embedded director"- ein Seals-Team im Irak. Erst stellte er aber "Battleship" fertig, den auf dem Spiel "Schiffe versenken" basierenden Actiondampfer.

    Das Pentagon ist durchaus wählerisch. "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" (2008), das Oscar-gekrönte Porträt eines Bombenräumkommandos der US-Armee, bewarb sich um Unterstützung des Militärs, blitzte aber ab - das "Ethos" stimmte nicht.

    Und auch Regisseurin Kathryn Bigelow stößt derzeit mit ihrem Projekt auf Widerstand - im US-Kongress. "Code Name: Geronimo" über Bin Ladens Tötung durch die Seals bekommt zwar Rückendeckung vom Weißen Haus, der CIA und dem Pentagon. Doch der Republikaner Peter King, der Vorsitzende des Heimatschutzkomitees im Repräsentantenhaus, wittert Geheimnisverrat und will jetzt Ermittlungen einleiten. Ihm passt aber wohl auch der Termin des Kinostarts nicht - kurz vor der US-Wahl. Denn der erfolgreichen Jagd auf den Top-Terroristen kann sich schließlich Kings politischer Gegner rühmen: Präsident Obama.

    (Quelle: Spiegel Online)

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: Act Of Valor

    Also unter rein ideologischen und humanistischen Gesichtspunkten krieg ich bei solchen Filmen ja das Kotzen, sowas macht mich richtig aggressiv. Propagandistische Mordrechtfertigungs-Scheiße allererster Sahne.

    Mich würde allerdings doch mal interessieren, wie der Film jetzt genau umgesetzt wurde bzw. mit welchen perversen Heros-Phantasmen und Augenwischer-Effekten der Good Cause der Navy Seals rübergebracht werden soll. Ein Publikum, das einfach auf Action-Unterhaltung aus ist, springt auf diesen Film vermutlich leicht an und kriegt dann gleich ein trojanisches Atom U-Boot ins Hirn geschmuggelt, das dort die Areale für moralisches Empfinden zerstört. Aber man muss den ideologischen Feind ja auch kennen, um ihn bekämpfen zu können - sonst hat er am Ende noch Erfolg. Um mal zu einer Kriegsmetapher zu greifen.

    Ich würde mir diesen Film ansehen, aus rein wissenschaftlichem Interesse sozusagen. Selbstverständlich nur als Netz-Kopie, so einen Scheißdreck auch noch finanziell zu unterstützen, finde ich richtiggehend unmoralisch. Man sollte eigentlich breitflächig dazu aufrufen, die Kinokarte durch einen illegalen Download zu ersetzen.

  3. #3
    Bob
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    AW: Act Of Valor

    Zitat Zitat von laertes Beitrag anzeigen
    das ist natürlich propaganda und ganz offensichtlich verwerflich, wird vom unreflektierten publikum aber gern mit verweis auf - wahlweise - das tolle gameplay oder die geile action relativiert.
    du musst mir mal bei gelegenheit erklären, wie du den einzigen unterscheidungsfaktor zwischen interaktiven und nicht-interaktiven medien mit elementen aus den nicht-interaktiven gleichsetzen kannst. ich glaube das gelingt dir nicht, aber falls doch, bin ich baff und du wahrscheinlich anwärter auf irgendeinen nobel-preis.
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  4. #4
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    AW: Act Of Valor

    Also das ist ja eine Diskussion mit Tradition zwischen Dir Bob und Laertes. Da will ich mich gar nicht groß einmischen. Aber in diesem Fall hat Laertes die beiden Dinge ja gar nicht gleichgesetzt.

  5. #5
    Bob
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    AW: Act Of Valor

    misch dich ruhig ein. so out-of-context war das diesmal von laertes meinetwegen keine direkte gleichsetzung. aber streng genommen doch schon wieder. mir fehlt leider die fähigkeit oder die muße meine position gescheit erklären zu können. und ohne bei Hitler zu landen. eine spielmechanik funktioniert eben auf einer ganz anderen ebene, als dinge wie 'action'. sie spricht das reaktions-/denkvermögen an und man selbst bestimmt die dynamik. . dieser prozess funktioniert nahezu losgelöst vom inhalt des jeweiligen spiels. man kann hier meiner meinung nach einfach nichts vergleichbares nennen. ob ich nun ein buch lese, musik höre, einen film betrachte oder gemälde anstarre. denen fehlt etwas wie gameplay.
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  6. #6
    Hauptdarsteller Avatar von Zonk
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    AW: Act Of Valor

    Zitat Zitat von Daniel Beitrag anzeigen
    [...] Mordrechtfertigungs-Scheiße allererster Sahne.[...]
    Mordrechtfertigend darüber, Deine bzw. all die Lebensqualität von uns allen zu bewahren und die Qualität auch unbedingt nutzen zu wollen?
    Geändert von Zonk (26.05.2012 um 01:49 Uhr)

  7. #7
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: Act Of Valor

    Zitat Zitat von Zonk Beitrag anzeigen
    Mordrechtfertigend darüber, Deine bzw. all die Lebensqualität von uns allen zu bewahren und die Qualität auch unbedingt nutzen zu wollen?
    Worauf willst du hinaus? Dass (para-)militärische Aktionen wie die in diesem Film dargestellten meine Lebensqualität und die einer Gesellschaft verbessern, indem Kriminalität und Drogenhandel bekämpft werden? Ist dein Kommentar Ausdruck deiner Meinung oder eine Einschätzung der Ideologie, die Act of Valor transportiert? Vermutlich will der Film genau diese Botschaft suggerieren: Die Navy SEALs machen die Welt zu einem lebenswerteren Ort und retten die Guten.

    Prinzipiell will dieser Film wohl das Image des heroischen und aufopfernden Soldaten festigen:

    Realizing his team cannot escape the room in time, he [Lieutenant Rorke] dives on the grenade and it detonates, mortally wounding him.

    Quelle: Wikipedia: Act of Valor
    Offensichtlich soll der Zuschauer nicht dazu angehalten werden, die komplexen politisch-ökonomischen Zusammenhänge der Themen Terror und Drogenhandel zu hinterfragen und sich eigene Gedanken zu machen, sondern ein vereinfachtes und stark normatives Weltbild verabreicht bekommen, in dem Weiß und Schwarz, wünschens- und ablehnenswert klar definiert und voneinander abgegrenzt sind. Der Film interessiert sich vermutlich nicht sehr für Menschen und Individualität, sondern für die möglichst positive Darstellung einer konkreten militärischen Einheit, für das Eindampfen von realen Ambivalenzen auf fiktionalisierte Eindeutigkeiten, zu deren Akzeptanz der Zuschauer mit Hilfe der Action-geladenen Ästhetik überrumpelt werden soll. Starke Emotionalisierung, Legitimation von Gewaltakten durch moralische Schein-Präzision und Ausblendung von Kontexten. Und zwar nicht im Dienst eines künstlerischen Ausdrucks, sondern um die tatsächliche politische Position des Zuschauers im real life zu beeinflussen. Das ist pure Propaganda.

    Weiterhin bedenklich:

    Zitat Zitat von Wiki
    The film is nominated as Choice Action Movie for the upcoming Teen Choice Awards.

  8. #8
    laertes
    Gast

    AW: Act Of Valor

    ich hoffe, dass es auf dem teen choice award dann so läuft wie hier:



    besser kann man dieses scheiß soldatenkriegstum nicht demaskieren.

  9. #9
    Hauptdarsteller Avatar von Zonk
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    AW: Act Of Valor

    @Daniel
    Nein ich verfolge ganz sicher nicht eine Ideologie des Filmes bzw. überhaupt irgendeine Ideologie. Ich gehe auch stark davon aus dass Deine Meinung zu diesen Film es exakt auf den Punkt bringt. Da der Film von mir nicht gesehen wurde, kann ich es aber schlecht beurteilen. Die Anmutung hingegen liegt natürlich sehr nahe, dass es Deiner Beschreibung nach richtig gedeutet ist. Was diesen Film oder Filme dieser Art und Propaganda-Kram im allgemeinen betrifft stimme ich Dir vollkommen zu. Ich möchte mich aber ein wenig von dem Film und irgendwelche bestimmten Streitkräften oder Truppengattungen entfernen.

    Es ist so, dass ich sehr oft sowas höre wie; "Ah die Weltpolizei mal wieder". Klar, kann und sollte es ruhig mit einen spöttischen Lächeln gesagt werden. Ich treffe aber auch auf Situationen, da werden dann typische Floskeln abgelassen, dass sich anscheinend mal wieder Öl oder andere Ressourcen beschafft werden müsste. Und im gleichen Augenblick wird in seine Karre gestiegen, sich bequem irgenwdo hin manövriert, und nach möglichkeit wird sich noch über zu hohe Spritpreise beklagt. Nicht zu vergessen, wird natürlich all das was Du konsumierst in den meisten Fällen mit Hilfe von Öl transportiert. Und allgemein, benötigt all das und eben eine bestimmte Lebensqualität eine bestimmte Menge an Ressourcen. Und der Ressourcen-Verbrauch des 'Westens' ist nun nicht gerade gering.

    Dass auf militärische Weise Muskelspielchen getrieben werden und getrieben werden müssen halte ich meines Erachtens für ein ganz normales Prozedere. Schön ist es nicht, vielleicht ist die Entwicklung der Menschheit einfach noch zu jung. Ein bestimmtes Land könnte mit millitärischen Mitteln vermutlich in kürze eine Schiffahrtsstraße blockieren, durch der täglich weit über die Hälfte an Öl-Exporte an die 'westliche' Welt gepresst wird. Die Auswirkung für uns wäre verheerend. Ich meine mal gelesen zu haben dass Deutschland im Falle einer Notsituationen der Öl-Versorung gerade einmal mit Reserven für zwei bis drei Wochen aufkommen kann. Dann ist schluss, auch schluss mit gewissen Lebensqualitäten. Glücklicherweise besteht auf der Erde eine beidseitige Abhängigkeit voneinander. Es geht mit mir dabei keinesfalls darum, dass irgendetwas tolleriert werden sollte, inbesondere dann nicht wenn ein Land ein anderes Land Leid zufügt. Der Sinn unserer Demokratie eben. Ich denke aber dass an manchen Stellen etwas auch aus anderen Blickwinkeln betrachtet werden sollte.

    Was Deine Meinung betrifft dass eine Bekämpfung von Kriminalität nicht in Zusammenhang mit das einer Lebensqualität steht halte ich nicht für richtig, wobei es natürlich auch eine Sache der Definition ist, und ob man z.B eine eher gefährlichere Lebensqualität bevorzugt. Ich mein klar, Drogenhandel würde sich eh nur verlagern, aber sicherlich ist die Beschaffungskriminalität was dieses leider inne hat kein geringer Faktor für eine bestimmte Lebensqualität. Das leisten von humanitären Einsätzen des Militätrs wie die bei Katastrophen sind durchaus existent. Sollte man jetzt denken, dass es doch von allen weltweit beim Militär ledeglich auf humanitäre Hilfe beschränkt werden könnte, dann ist es doch eigentlich selbsterklärend dass dieses nicht möglich ist. Und wenn man mal über die Entwicklung der Menschheit nachdenkt, dann ist das doch eher ein zukunfts-Wunschdenken. Aber Wünsche sind nicht verkehrt, die soll man auch haben und sich hier und da erfüllen.

  10. #10
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: Act Of Valor

    @Zonk: Danke für die Antwort, guter Beitrag. Denke mal, dass wir im Großen und Ganzen ungefähr auf einem Blatt sind.

    Grundsätzlich stimme ich dir zu, dass man sich als Einwohner und Profiteur einer Wohlstandsgesellschaft natürlich immer in einer gewissen bigotten Kritik-Position befindet, solange man selbst konsumiert und die Güter und Dienstleistungen nutzt, die überhaupt erst aufgrund der Ausbeutung und wirtschaftlichen Benachteiligung anderer Länder und Kontinente angeboten werden können. Da würde ich mich auch gar nicht frei davon sprechen, bin sicher auch irgendwo eine Kosumnutte und pflege nicht den alternativsten Lebensstil. Lebe aber auch nicht auf dem größten aller Füße. Will mich aber auch nicht von einer "White Guilt" knechten lassen und zum Schweigen verdammt sein. Irgendwas konsumiert ja jeder, sonst stirbt man.

    Was die militärischen "Muskelspiele" angeht ist es sicher so, das man das realpolitisch oder idealistisch-humanistisch sehen kann. Das Perverse ist ja gerade der Eindruck von "Normalität" von Drohgebärden oder tatsächlichen militärischen Handlungen, der aus einem bestimmten intellektuellen Klima und dem Fehlen einer Kultur der Empörung entsteht. Hier können ganze Völker erschreckend leicht geblendet oder sprachlos gemacht werden, weil Regierungen gerne die Deutungshoheit oder die alleinige Kompetenz hinsichtlich weitreichender Entscheidungen für sich beanspruchen. Zum Glück gibt es Kontrollorgane wie die freie Presse oder auch das Internet - aber das auch nicht in allen Ländern. Da sind wir schonmal sehr privilegiert. Regierungen sehe ich in unserer Gegenwart vor allem als Strukturierungs- und Machterhaltungsapparate, nach außen und nach innen. Das erste wäre vielleicht noch OK, wenn der zweite Faktor nicht so groß wäre. Aufgabe einer idealistischen Perspektive wäre es, die Deutungshoheit und die Kompetenz außerparlamentarisch zu verlagern und etwa der Empörung über z.B. die Verletzung von Menschenrechten öffentlich und am besten in einem organisierten Rahmen Ausdruck zu verleihen, so dass eine Regierung unter moralischen Druck gerät und auf wirtschaftliche Vorteile dann auch mal verzichtet. Die Nachteile, die dadurch evtl. entstehen, muss eine Bevölkerung natürlich zu tragen bereit sein. Das kriegt man schlecht in die Köpfe reingeprügelt, das ist ein Prozess. Aber dieses "Zukunfts-Wunschdenken", wie du es nennst, ist dennoch unerlässlich und wichtig. Es muss ein Überschuss an positiven Werten produziert werden. Die sind dann vielleicht nicht alle ad hoc umsetzbar, aber sie haben dennoch Einfluss auf das politische Klima. Alleine weil sie im Raum stehen.

    Was den Zusammenhang von Lebensqualität und Kriminalitätsbekämpfung angeht, hast du wahrscheinlich Recht. Wobei es ja immer auch Alternativen gibt, im Kontext von Drogen z.B. deren Legalisierung. Da wird ein Großteil der Bevölkerung natürlich aufschreien, weil Drogen "böse" sind und erfolgreich dämonisiert werden. Wobei ich da auch nicht für einseitige und einfache Lösungen plädiere. Drogenmissbrauch wid weiter stattfinden, wenn Menschen unzufrieden und der Überzeugung sind, ihr Leben nur noch so ertragen zu können oder nur noch unter Drogeneinfluss eine Leistung erbringen zu können. Wahrscheinlich herrscht aber sowieso nicht die Meinung vor, dass Menschen dazu fähig sind, verantwortungsvollen Drogenkonsum zu betreiben. Dafür eignen sich natürlich auch nicht alle Drogen gleichermaßen. Der legale Alkohol vielleicht aber auch nicht. Alles fängt an mit Aufklärung und Bildung, mit der Vermittlung von Werten (und damit meine ich nicht irgendwelche beknackten "Soft-Skills" im Umgang mit anderen Menschen, die auch nur für ihre ökonomische Verwertbarkeit hochgehalten werden, sondern echte humanistische Werte) mit einem friedlichen Klima, das es jedem Menschen ermöglicht, nicht den eigenen (finanziellen) Überlebenskampf in den Vordergrund zu stellen, sondern lernen zu können, respektvoll mit Umgebung und Mitmenschen umzugehen.

    Humanitäre Einsätze des Militärs können gut und richtig sein. Es ist halt traurig, dass sie überhaupt nötig sind. Und welche nötig sind und wie und in welchem Zeitrahmen positive Effekte erzielen, ist auch immer streitbar. Ein Film wie Act of Valor ist jedoch so eine unsäglich undifferenzierte und militärisch ideologisierte Diskursverwurschtelung (davon gehe ich aus; ich habe ihn ja selbst auch noch nicht gesehen), dass ich brechen möchte.
    Geändert von Daniel (28.05.2012 um 02:34 Uhr)

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