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Thema: Little Big Man

  1. #1
    Regisseur Moderator Avatar von John McCane
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    Little Big Man


    Ein ziemlich mächtiges Werk das ich da empfohlen bekommen habe. Sehr ambionierter Film und er schafft es auch alle diese Ambitionen zu erfüllen. Die Grundidee mit ständigen Wechsel der Kulturen erzählt durch die Augen eines Zeitzeugen ist auch sehr gut gewählt um die Inhalte zu vermitteln die der Film vermitteln will.
    Die Darsteller, allen voran der Häuptling der Human Being's zeichnen ein buntes und doch sehr glaubwürdiges und rundes Bild des "Wilden Westens". Ich hatte das Glück den Film 1080p zu bestaunen was einige Aufnahmen nochmal um einiges imposanter machten. Der Film sieht wirklich extrem gut aus.
    Ein wenig sauer aufgestoßen hat mir jedoch der Kniff mit der Off-Erzählung durch den alten Crabb. Das mag man vielleicht als parodisch rechtfertigen, aber genervt hats trotzdem und ich fand die Geschichte wäre besser erzählt gewesen ohne ihn.
    Aber das ist nur ein kleiner Wehmutstropfen bei einem sonst extrem guten Werk, das mich daran erinnert mal wieder öfter alten Klassikern eine Chance zu geben. Die meisten belohnen einen dafür, so wie dieser.

    8/10 Punkte
    Forget about Freeman

  2. #2
    Regisseur Avatar von TheUsualSuspect
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    AW: Little Big Man

    Wenn ich bisher irgend etwas über Little Big Man gehört oder gelesen habe, stand mir immer das Bild von einem bis zur Unkenntlichkeit alt geschminkten Dustin Hoffman vor Augen. Die Handlung beginnt nämlich mit der Ausgangslage, dass Dustin Hoffman einen 121 Jahre (!) alten Mann spielt, der einem Reporter seine Lebensgeschichte erzählt. Und was für eine Geschichte das ist!

    Little Big Man schweift an dieser Stelle in ruhigem Erzähltempo zurück und erzählt Geschichten des amerikanischen Westens. Man könnte auch sagen, der Film behandelt einen Teil der Geschichte des Westens. Das tut er aber nicht als ein typischer historischer Westernfilm, sondern geht den Tatsachen mit einiger Kontroversität und einem gehörigen Maß an satirischer Federzeichnung auf den Grund.

    Der Hauptcharakter Jack Crabb allein ist schon kein alltäglicher Protagonist. Nicht nur dass er in dieser Geschichte ein methusalemsches Alter erreicht, seine Erlebnisse in diesem Jahrhundert sind auch so vielfältig, dass sie eigentlich für mehrere Leben reichen. Man könnte diesen Typ auf gewisse Weise mit dem Forrest Gump Charakter vergleichen. So wirkt er gemessen an dem Rest der Welt scheinbar immer auf eine Art deplaziert. Bereits als Kind wird er von Indianern verschleppt und aufgezogen. Er ist nicht nur weiß sondern auch sehr klein. Aber er hat auch Glück und findet unter diesem Volk eine Familie. Im kommenden Lebenslauf macht er dann zahlreiche Perioden durch. Da gibt es die religiöse Phase als Heranwachsender im Haus eines weißen Predigers, danach zieht er mit einem Scharlatan durch die Gegend. Es folgt seine Gunfighter-Periode, die so lange anhält bis er feststellt, dass ihm das Töten von Menschen zuwider ist. Er heiratet und wird Geschäftsmann (unerfolgreich) und weitere Lebensabschnitte als Trapper oder Soldat warten auf ihn. Dustin Hoffman spielt diese Rolle unverwechselbar gut. Während man als Zuschauer an seinen Irrungen und Wirrungen teilhat, entdeckt man auch den Wahnsinn und die Absurditäten, die in der Welt in der er lebt stattfinden. Es bleibt nicht aus, dass man irgendwann mit ihm mitfühlt und ich fühlte mich wirklich etwas traurig, weil er in keinem dieser Leben richtig ankommt. Sein einziges Heim scheint der Indianerstamm zu sein, bei dem er seine Kindheit verbrachte und mit dem sich seine Wege immer wieder auf wunderbare Weise kreuzen. Darunter befindet sich auch der Chief Old Lodge Skins, sein immerzu väterlicher und weiser Freund. Der Film versteht es gut mich als Zuschauer emotional mitzunehmen, so dass man die Entfremdung des Protagonisten gegenüber den unverständlichen Zusammenspielen der Welt genauso wahrnimmt. Am tiefsten Punkt seines Lebens lässt Jack Crabb verlauten: "The world is too ridiculous, even to bother living in it." Wir verstehen ihn an diesem Punkt.

    Der Hintergrund der Filmaussagen wird noch klarer, wenn man auf das Produktionsjahr des Films sieht und sich erinnert in welchen unterschiedlichen Strömungen die amerikanischen Staaten um 1970 gefangen waren. Die Hippie-Ära hatte allmählich ihre Stärke verloren und die ursprüngliche Unschuld (sofern es sie in reiner Form je gegeben hatte) verlor sich schon in Selbstgefälligkeiten und war für niemanden mehr richtig ernst zu nehmen. Amerika führte Kriege, die für den Durchschnittsbürger immer schwerer zu vertreten waren und eigentlich anderen Interessen dienten. Die Produktion von Little Big Man tritt unschwer zu erkennen deutlich für die Stimme der Gegenkultur ein. Der Film ist in seinem satirischen Ton durchweg unterhaltsam, lässt aber auch eine schwere Stimmung zu und wirkt an einigen Stellen sogar richtig ärgerlich. Es spricht für den Film, dass man sich hier keine einfachen Wege sucht, sondern keinen Hehl aus seiner Position macht und dies zusätzlich auf eine kecke und herausfordernde Art vollbringt.

    Little Big Man bietet noch vielzählige weitere Facetten und Momente, über die sich schreiben und diskutieren lassen würde (mit General Custer bin ich in meinem Kommentar ja noch nicht mal angefangen), aber ich werde es an dieser Stelle dabei belassen. Ich würde damit jedem Filmliebhaber eine Sichtung ans Herz legen. Es lohnt schon wegen der Dustin Hoffman Show, hat einen guten unterschwelligen Humor und ist vollgepackt mit Bedeutung und Aussage.
    "Sometimes, when you bring the thunder, you get lost in the storm."

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