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Regie: Reis Çelik
Cast: Ilyas Salman, Dilan Aksüt




Zitat Zitat von Berlinale Programmheft
Eine Autokolonne, geschmückte Reiter, der Klang von Trommeln und Schalmeien. Männer tanzen im Schein von Fackeln. Getrennt davon feiern die Frauen. Eine traditionelle Hochzeit in einer abgelegenen Gegend der Türkei. Eine arrangierte Hochzeit. Weder die Braut noch der Bräutigam hatte eine Wahl. Das ist schlimm für die Braut. Aber wie ergeht dabei es dem Bräutigam? Was ist, wenn ein viel älterer Mann mit einem jungen Mädchen verbunden wird? Als ruhiges Kammerspiel und unter völligem Verzicht auf Filmmusik erzählt Regisseur Reis Çelik die tragische Geschichte einer ungewöhnlichen Hochzeitsnacht. Der Bräutigam ist gerade aus dem Gefängnis entlassen. Wegen zweier Ehrenmorde hat er dort den größten Teil seines Lebens verbracht. Die Heirat soll eine lange Blutfehde beenden. Nach der Zeremonie mit der Braut allein, hebt er erstmals ihren Schleier und schaut in das verängstigte Gesicht einer Vierzehnjährigen. Er ist nett zu ihr und sanft, aber auch verzweifelt. Sie zögert und versucht die Zeit mit Nebensächlichem zu überbrücken. Darüber vergeht die Nacht. Mit dem Morgengrauen erwartet die Verwandtschaft das befleckte Laken als Beweis dafür, dass alles seine Ordnung hat.
Ich liebe Filme die in Echtzeit ablaufen und ich mag ebenso Filme die nur an einem Ort spielen. Der türkische Film Lal Gece erfüllt beide Bedingungen und ist zudem noch ein ganz großes Stück Kino. Reis Celik zeigt in seinem Kammerspiel ein frischvermähltes Ehepaar (Er, ca. 50 und ehemaliger Sträfling; Sie, ca. 14 und zwangsverheiratet) in ihrer Hochzeitsnacht und was sich dort hinter verschlossenen Toren abspielt. Celik zeichnet ein unglaublich real wirkendes Bild von Tradition und wie zwei Pesonen, die den Bund der Ehe geschlossen haben ohne sich vorher gesehen zu haben, versuchen in ihrem Sinne zu interagieren. Dabei ist Celik schonungslos und gönnt seinen Figuren zu keinem Zeitpunkt eine Verschnaufpause. Der Zuschauer verfolgt dabei angespannt dem Treiben der Figuren auf der Leinwand. Die beiden Hauptdarsteller Dilan Aksüt und Ilyas Salman harmonieren zudem prächtig und geben ihre Figuren hervorragend wieder. Lal Gece wird sicher keinen kalt lassen, so echt und niederschmetternd wirkt das Gesehene auf der Leinwand; besonders wenn man bedenkt dass ein solches Szenario (lt. des Regisseurs) immer noch in weiten Teilen der Türkei verbreitet ist. Ein ergreifender Film, ein echter Geheimtipp den man sich unter keinen Umständen entgehen lassen sollte.

Das sah auch die Jury der Generationsektion der diesjährigen Berlinale, sowie das Publikum der internationalen Filmwochenendes in Würzburg so und zeichneten den Film als besten Beitrag des jeweiligen Wettbewerbs aus.