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Thema: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

  1. #1
    Admin Avatar von Matt
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    The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)





    Doch, kann man sich gut ansehen, auch wenn man vielleicht bereits die schwedische Buchvorlage, den Film oder beides kennt. Besonders beeindruckt hat mich, wie so oft bei Fincher, seine geschliffene düstere Bilderwelt und wie diese perfekt durchkomponiert wurde. Die Geschichte war und ist für mich hierbei vollkommen zweitrangig, aber vor allem das Sounddesign involiert den Zuschauer/Zuhörer intensiver denn je. Hierzu gibt es von Jim Emerson einen sehr lesenswerten Beitrag, in dem er neben Ren Klyces Tonarbeit vor allem auch Bezug auf den Umgang mit digitalen Bildern und deren Schnittrythmus in Finchers Remake nimmt.
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  2. #2
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    AW: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

    Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe eine gewisse innere Verweigerungshaltung diesem Film gegenüber, weil ich es einfach nicht wahrhaben will, dass die Amis die Qualität eines guten europäischen Films einfach nicht wertschätzen und ins Kino bringen können, sondern ihn stattdessen 1:1 mit amerikanischen Darstellern nachdrehen müssen. Ging mir schon bei "Let me in" so. Auch wenn ich mir sicher bin, dass Fincher den Film hervorragend inszeniert hat und gerade Musik und Tonschnitt überzeugen werden.

  3. #3
    Regisseur Avatar von Pitt
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    AW: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

    Uh, warum erst so wenige Beiträge? Hab ihn mir gestern auch angesehen. Kannte weder Buchvorlage noch Erstverfilmung vorher. Muss sagen, äusserst spannender Thriller. Hervorragend gespielt. Nur am Ende kam der vorher perfekt ausbalancierte Film imo etwas aus dem Rhythmus: Dem Zuschauer nach der Auflösung noch einen weiteren Twist an den Kopf zu werfen, war mir doch etwas zu viel des Guten. Vor allem da das Gezeigte in einer derart irrsinnigen Geschwindigkeit von statten geht - im Gegensatz zu dem stets ausführlich erzählten Rest des Films -, dass man sich als Zuschauer plötzlich absolut überfordert fühlt. Das eigentliche Ende des Films kam mir dann wiederum fast schon beiläufig vor.

    Die Inszenierung von Fincher fand ich eigentlich nur in der Hinsicht gelungen, als dass er seiner Adaption mal wieder einen durchgehend konsequenten Look verpasst hat. Insgesamt war mir das aber stilistisch alles ein wenig zu konventionell und einfallslos. Sowieso beschlich mir das Gefühl, als wolle Fincher unbedingt alle Informationen und noch so unwichtige Handlungsdetails in seine Verfilmung reinpacken, ganz zu Lasten einer kreativeren und persönlich anmutenderen Interpretation. Bereits bei Social Network kam es mir so vor, dass Fincher seine individuelle Handschrift zurück geschraubt hat und von nun an seinen Fokus ganz und gar auf die Erzählung einer Geschichte legen will, wobei es hier zumindest immer noch einige inszenatorisch gelungene Kniffe zu Bestaunen gab. Bei The Girl with the Dragon Tattoo blieb mir eigentlich nur die POV-Einstellung mit dem Plastiksack in Erinnerung.

    Nichtsdestotrotz hat mich der Film sehr mitgerissen, was vor allem an den erstklassig gespielten Charakteren und den teils doch sehr heftigen Gewaltexzessen lag. Wie hier den oberflächlich unscheinbaren Menschen plötzlich ihr verstörendes Ich entgegen gehalten wird, ist mal wieder wahrlich schauderhaft gut von Fincher gelungen.



    Mit am verstörendsten fand ich die Szene im versteckten Folterraum, der Erinnerungen an so manche Keller eines gewissen Nachbarstaates bei mir geweckt hat. Allein beim Gedanken, was sich in diesem Raum wohl in den letzten Jahren alles zugetragen hat, bekam ich Gänsehaut. Wie Martin Mikael dann an diesem Haken aufzieht, ihm einen Plastiksack über den Kopf stülpt und sein Geständnis über seiner kranken Machenschaften abliefert und als Höhepunkt dann noch die Enya-Platte auflegt... abartig!

  4. #4
    Regisseur Avatar von Pitt
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    AW: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

    Hier noch eine hörenswerte Besprechung von der Filmanalyse:


  5. #5
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    AW: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

    Zitat Zitat von Thomas Beitrag anzeigen
    Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe eine gewisse innere Verweigerungshaltung diesem Film gegenüber, weil ich es einfach nicht wahrhaben will, dass die Amis die Qualität eines guten europäischen Films einfach nicht wertschätzen und ins Kino bringen können, sondern ihn stattdessen 1:1 mit amerikanischen Darstellern nachdrehen müssen.
    Mit dieser Haltung verweigerst du dich potentiell guten Seherlebnissen. Und außerdem liefen die schwedischen Filme in den USA, weil man da wie hier keinen Buchladen betreten konnte, an dem die Bücher nicht meterhoch gestapelt zum Verkauf angeboten waren und auch verkauft wurde. In Alabama ist das Buch sogar Schullektüre, kein Witz. Einzig, die Filme haben nur weniger Leute gesehen. Deine Verweigerung, weil die Amis etwas tun, was dir nicht gefällt, ist schade.
    You can't be wise and in love at the same time - Bob Dylan

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  6. #6
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    AW: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

    Ich verweigere mich nicht, weil die Amis etwas tun, was ich nicht mag, sondern ich stelle die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit in Frage einen (guten) Film zwei Jahre später für 150 Millionen Dollar 1:1 nochmal zu drehen. Ich hätte die gleiche Meinung, wenn die Schweden einen amerikanischen Film sofort remaken würden (wobei man hier ja gar nicht von Remake sprechen kann, sondern eher von nachdrehen sprechen muss), oder die Ukrainer einen Neuseeländischen Film. Und natürlich tun die Amis das aus dem Grund, weil sich ein schwedischer Film mit schwedischen Gesichtern in den USA einfach nicht vermarkten lässt. Beim Buch ist das sicher anders. Ich sehe nicht, warum ich das unterstützen soll. Und ich habe auch nicht das Gefühl, ein besonderes Seherlebnis zu verpassen. Ich hab den Film ja bereits gesehen. Vor zwei Jahren. Laut vielen Berichten und meinem bisherigen Eindruck ist der Film ja nicht großartig anders als die schwedische Version. Und nicht falsch verstehen: Ich hab auch nichts prinzipielles gegen Remakes. Kann durchaus interessant sein, vor allem wenn man einen Stoff neuinterpretiert. Aber das ist ja in diesem Fall oder auch bei "Let me in" nicht gegeben.

  7. #7
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    AW: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

    Zitat Zitat von Pitt Beitrag anzeigen


    Mit am verstörendsten fand ich die Szene im versteckten Folterraum, der Erinnerungen an so manche Keller eines gewissen Nachbarstaates bei mir geweckt hat. Allein beim Gedanken, was sich in diesem Raum wohl in den letzten Jahren alles zugetragen hat, bekam ich Gänsehaut. Wie Martin Mikael dann an diesem Haken aufzieht, ihm einen Plastiksack über den Kopf stülpt und sein Geständnis über seiner kranken Machenschaften abliefert und als Höhepunkt dann noch die Enya-Platte auflegt... abartig!
    Abartig und nicht ganz ohne perfiden Humor, gerade auch wegen der Auswahl der Musik. Dann hat dir aber auch bestimmt vorab das Sounddesign in und um Martins Haus herum gefallen? Gerade das fand ich durchaus einzigartig, wenn auch vielleicht ein wenig zu überdeutlich (Stichwort das Heulen des Windes), aber dennoch sehens/hörenswert.
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  8. #8
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    AW: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

    Zitat Zitat von Thomas Beitrag anzeigen
    Ich verweigere mich nicht, weil die Amis etwas tun, was ich nicht mag, sondern ich stelle die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit in Frage einen (guten) Film zwei Jahre später für 150 Millionen Dollar 1:1 nochmal zu drehen. Ich hätte die gleiche Meinung, wenn die Schweden einen amerikanischen Film sofort remaken würden (wobei man hier ja gar nicht von Remake sprechen kann, sondern eher von nachdrehen sprechen muss), oder die Ukrainer einen Neuseeländischen Film. Und natürlich tun die Amis das aus dem Grund, weil sich ein schwedischer Film mit schwedischen Gesichtern in den USA einfach nicht vermarkten lässt. Beim Buch ist das sicher anders. Ich sehe nicht, warum ich das unterstützen soll. Und ich habe auch nicht das Gefühl, ein besonderes Seherlebnis zu verpassen. Ich hab den Film ja bereits gesehen. Vor zwei Jahren. Laut vielen Berichten und meinem bisherigen Eindruck ist der Film ja nicht großartig anders als die schwedische Version. Und nicht falsch verstehen: Ich hab auch nichts prinzipielles gegen Remakes. Kann durchaus interessant sein, vor allem wenn man einen Stoff neuinterpretiert. Aber das ist ja in diesem Fall oder auch bei "Let me in" nicht gegeben.
    Nun, es ist wenn man es genau nimmt ja kein Remake, sondern eine Neuverfilmung, Keyzer kann dir da viel zu erzaehlen. In der Tat ist es so, dass einige Einstellungen denen im schwedischen Film gleichen. Dafuer aber eine ganze Reihe von Einstellungen und Szenen aber auch nicht. Grundsaetzlich bin ich dagegen ueber Filme zu urteilen, die man nicht gesehen hat. Und den Sinn, den du nicht verstehst, erklaerst du doch selbst. Niemand wollte das in den USA ansehen. Und wenn du fragst, warum du das unterstuetzen sollst: Was haben denn die an dem amerikanischen Film beteiligten Kuenstler getan, dass du ihr Werk nicht sehen willst, nur weil es einen aehnlichen schwedischen Film gibt?
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  9. #9
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    AW: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

    Reboot Remake Reimagining
    Ich find das ist letzten endes dasselbe. Schließlich zählt nur ob der Film an sich was taugt. Wenn er dann ähnlich zur Vorlage ist kann man über seinen nutzen streiten, muss es aber nicht.
    Forget about Freeman

  10. #10
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    AW: The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

    Zitat Zitat von Danwalker Beitrag anzeigen
    Und wenn du fragst, warum du das unterstuetzen sollst: Was haben denn die an dem amerikanischen Film beteiligten Kuenstler getan, dass du ihr Werk nicht sehen willst, nur weil es einen aehnlichen schwedischen Film gibt?
    Was ist denn das für eine absurde Frage?

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