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Thema: Noruwei no mori (Naokos Lächeln)

  1. #1
    laertes
    Gast

    Noruwei no mori (Naokos Lächeln)



    Um es gleich zu klarzustellen: Naokos Lächeln, die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Haruki Murakami, hat mir überhaupt nicht gefallen.

    Keine Frage, die ruhigen und fließenden Bilder sind grandios, sowohl die Kamerarbeit als auch die liebevolle und detailreiche Ausstattung sind bewundernswert, die schauspielerischen Leistungen sind durchweg stark, und die stellenweise betörend schöne Musik trägt den Film, ohne ihn den Vordergrund zu treten. Also eigentlich alles gut.

    Wenn nur nicht die Story wäre und diese viel zu oft fast schon blödsinnigen Dialoge – reden Menschen so? Man möchte den Sprechton ausstellen und den Bildern die Aufmerksamkeit geben, die ihnen der Text verwehrt, weil er zu sehr ablenkt, weil er nervt.

    Und dabei ist die dem Zuschauer ganz ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit erdrückender Wucht nicht erst mit Ende des Films bewusst werdende Moral doch eine durchaus überzeugende, wichtige: dass die Selbsttötung, der Freitod, dieser ultimative Ausdruck menschlicher Willens- und Handlungsfreiheit, niemals folgenlos bleibt, womöglich Auslöser einer Welle der Suizidalität nahestehender Menschen sein kann, aus der sich diese bestenfalls unter unerträglichem Schmerz und nur mit letzter Kraft zu retten vermögen – oder schlimmstenfalls darin selbst ertrinken.

    Dieses Bewusstsein schafft der Film, er könnte eine Warnung sein für jeden potentiellen Selbstmörder, wäre da nicht der bittere Bei- und Nachgeschmack des Faden inmitten des Tiefen, des Oberflächlichen inmitten des Substantiellen, der alles überlagert: dieses ständige Gelabere und Geseiere über sexuelle Wünsche, das letztlich aber viel zu oft folgenlos bleibt, so dass man sich zunehmend verzweifelt wünscht, diese verklemmten und spröden Figuren würden endlich aufhören zu reden und endlich anfangen, sich zu ficken!

    Aber ach, es geschieht kaum, und so zieht sich der Dialogbrei über gefühlte zehn Stunden, und man ersehnt das Ende dieses langatmigen Schinkens herbei, zum Besten aller Beteiligten: der Figuren und nicht zuletzt des Publikums.

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: Naokos Lächeln (Noruwei no Mori, 2010)

    Trotz vieler positiver Momente hat der Film insgesamt nicht funktioniert. Kommen wir erst einmal zum Positiven des Filmes, nämlich der Regie von Anh Hung Tran. Jedes Bild wirkt perfekt durchkomponiert, die Kamerafahrten begeistern förmlich und auch die Musikuntermalung gibt keinen Grund zur Klage. Vermutlich müsste man auch die Leistung von Rinko Kikuchi dazu zählen, doch ihre nervtötende Synchronisation lässt ihre Emotionen, besonders bei den ergreifenden Momenten, in der deutschen Fassung leider absolut lächerlich erscheinen. Die Geschichte selbst weiß über weite Strecken zu gefallen, vermeidet jedoch jegliche Überraschungen und bleibt gerade im Bezug auf einige Nebenfiguren zu sehr an der Oberfläche. Die Überlänge macht das nicht besser, auch weil der Film gefühlte 10 Enden besitzt und damit dem Herrn der Ringe mühelos Konkurrenz machen kann. Optisch gibt es im Grunde nichts auszusetzen; die inhaltliche Verarbeitung des Romans von Haruki Murakami ist jedoch nicht immer gelungen.

  3. #3
    Regisseur
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    AW: Noruwei no mori (Naokos Lächeln)

    Hab irgendwann vor ner Ewigkeit den Roman gelesen. Den fand ich ziemlich gut.

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