Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: In Time

  1. #1
    Admin Avatar von Matt
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    In Time





    Der neue High-Concept-Science-Fiction von Andrew Niccol ist in Wirklichkeit keiner mehr, so ist der Film der beste Beweis dafür, wie schnell Wirklichkeit die Fiktion einholen kann. Natürlich kommt kein Zuschauer umhin, In Time nicht als überdeutliche Allegorie auf den modernen Raubtierkapitalismus zu lesen. Die Idee und das Konzept mit der Zeitwährung fand ich schon vorab hochinteressant, aber leider driftet Niccol viel zu schnell in allseits bekanntes Genreterritorium ab und verbleibt dort leider bis zum Schluss. Daher kann der Film höchstens visuell (Kamera Roger Deakins) mit Niccols hervorragendem Gattaca gleichziehen, bleibt aber inhaltlich um Welten hinter diesem zurück.
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  2. #2
    Regisseur
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    AW: In Time

    War gestern drin. Deutlicher kann ein Hollywood-Film wohl keine Kapitalismus-Kritik üben. Was in sich ja irgendwie schon wieder sehr ironisch ist. Leider ist der Film dramaturgisch und formal so unglaublich konventionell, dass es einen die meiste Zeit über ziemlich langweilt. Hätten andere wahrscheinlich mehr draus gemacht.

    PS: Worin unterscheidet sich der Kapitalismus vom Raubtierkapitalismus, Matt?

  3. #3
    laertes
    Gast

    AW: In Time

    ich meine ja, der film kritisiert den turbokapitalismus.

    matt?

  4. #4
    Regisseur
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    AW: In Time

    Kapitalkapitalismus?
    Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

  5. #5
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: In Time

    In Time lebt hauptsächlich von seiner überaus interessanten Idee, dass die einzige Währung des Menschens Lebenszeit ist. Visuell ist das durchaus ansprechend umgesetzt und auch sonst funktioniert die Kapitalismuskritik über weite Strecken sehr gut. Das Darstellerensemble macht einen guten Job, doch ab und an gibt es einige holprige und überinszenierte Momente zu viel. Sei es die letzte Szene zwischen Olivia Wilde und Justin Timberlake oder das nicht immer ganz logische Verhalten von Cilian Murphys Figur. Einige kleine Längen im Mittelteil mögen dem Film zudem die Spannung rauben, aber dennoch hält die durchaus innovative Idee den Zuschauer bei der Stange und entlässt ihn mit dem Gefühl aus dem Saal einen ordentlichen Film gesehen zu haben; wenngleich auch einiges an Potential ungenutzt blieb.

  6. #6
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    AW: In Time

    Ein Science-Fiction-Film mit sozialkritischer Aussage, der in seiner Zukunftsvision weniger auf große Schauwerte wie außergewöhnliche Fortbewegungsmittel oder großartige technische Errungenschaften setzt, sondern den Schwerpunkt mehr auf die soziale bzw. gesellschaftliche Komponente legt. Natürlich auf Grundlage der fantastischen Prämisse, dass man offensichtlich den Gencode des Menschen geknackt hat und so seinen Alterungsprozess beeinflussen genauer gesagt stoppen kann, gleichzeitig fungiert der Mensch als lebende Kreditkarte.

    Das sich aus dieser Ausgangslage ergebende Gesellschaftsbild gleicht im Prinzip dem unseren auffallend, auch hier und heute müssen sich Menschen mit geringen oder gar keinen Vermögenswerten von Tag zu Tag kämpfen, während die Schicht der Superreichen gar nicht weiß was sie genau mit ihrem Reichtum anstellen soll und der ein oder andere im wahrsten Sinne des Wortes irgendwann lebensmüde wird. Der größte Unterschied ist lediglich, dass die gezeigte Form viel direkter und unmissverständlicher daherkommt, wo der Umstand, sich die Busfahrt nach Hause nicht mehr leisten zu können, schnell lebensbedrohlich wird. Insgesamt befindet man sich in Sachen sozialer Kälte in der tiefsten Eiszeit, bzw. tritt diese viel direkter auf.

    Dabei wird mit der Grundidee in vielerlei Form gespielt und diese auch in verschiedene Richtungen weitergedacht, so dass keine Langeweile aufkommt. Denn letztlich ist es neben der Kritik die durchscheint auch ein Unterhaltungsfilm, quasi der Versuch aktuelle Sozial- und Systemkritik in das Gewand eines massenkompatiblen Blockbuster zu stecken, was über größere Teile auch gelingt, wobei fraglich bleibt ob das Ansprechen mehrerer Zuschauergruppen diese auch jeweils komplett befriedigt.


    Dass das letzte Drittel stark an eine Bonnie & Clyde-Variante erinnert ist nicht unbedingt ein großer Verdienst. Insgesamt fand‘ ich die Geschehnisse zum Ende hin auch nicht mehr so besonders gut, wobei das Ausbleiben eines eindeutigen Happy-Ends wiederum eine gute und wohl richtige Entwicklung ist.

    Herausstechend sicherlich Cillian Murphy der eine Figur verkörpert, die dermaßen regimetreu und pflichtbewusst ist, dass es weh tut. Dass sein Ableben, welches klar absehbar war, den Hauptprotagonisten gerade richtig zu passe kommt mag eine zu einfache Hilfestellung sein, obschon diese Szene eben eine klare Aussage trifft und somit wichtig für den Film bzw. die Figur ist.


    Insgesamt ein solider Unterhaltungsfilm mit Sozial- und Wirtschaftskritik und größerem tagesaktuellen Bezug, der bis auf zwei drei emotionalere Momente wenig große herausstechende Highlights bietet, aber dafür auf fast durchgängig gutem Niveau bleibt. 7/10


    Ich ahne übrigens wie die Macher ihre Idee bereits mit einem Satz an die kritischen Geldgeber in Hollywood gebracht haben: „Also die Grundprämisse ist, dass keine der Figuren älter als 25 ist…“
    The bad news is, we did an X-ray, and your body is full of a spooky skeleton man.

    Last watched movies [letzte Änderung: 22. September 2017]

  7. #7
    Regisseur
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    AW: In Time

    Ich wollte was sagen, aber es ist schon alles gesagt.
    Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

  8. #8
    laertes
    Gast

    AW: In Time

    ja. der film ist belanglos und unnötig, seine plakative gesellschaftskritik in allen ehren. aber aus der grundidee hätte man viel (!) mehr machen können - und müssen.

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  1. 28.12.2011, 22:03
  2. 04.12.2011, 21:26

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