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Thema: La piel que habito (Die Haut, in der ich wohne)

  1. #1
    Admin Avatar von Matt
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    La piel que habito (Die Haut, in der ich wohne)





    Direkt gestern gesehen und es immer noch nicht geschafft meinen Verstand neu zu sortieren. Außerdem bezweifle ich, in diesem Jahr einen noch absurderen und verstörenderen Film sehen zu können. Almodóvar schafft einen grandiosen überdrehten Pulp-Psycho-Thriller, der vielleicht nur auf den ersten Blick hochstilisiert und oberflächlich ist. Unbedingt sehenswert.
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  2. #2
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    AW: La piel que habito (Die Haut, in der ich wohne)

    Sehr obskurer, intelligenter, grausamer, widerwärtiger und beklemmender Film. Und das trifft es auch nicht wirklich.
    Der Film ist echt auf eine sehr psychomäßig-subtile Weise übel. Banderas ist unheimlich (!) gut.
    Dieser Film schmerzt wahrlich fast physisch. Aber bitte: Ansehen.
    - I can take you anywhere you want. Where do you want to go?
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    (My Own Private Idaho)

  3. #3
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    AW: La piel que habito (Die Haut, in der ich wohne)

    Hey Leute?!
    Keiner sonst gesehen?
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    (My Own Private Idaho)

  4. #4
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    AW: La piel que habito (Die Haut, in der ich wohne)



    Gestern habe ich Matts OMFE Empfehlung "Die Haut in der ich wohne" gesehen. Im Grunde eine hervorragende Empfehlung, an der man merkt, dass Matt meine persönlichen Filmpräferenzen ganz gut kennt. Bisher habe ich drei oder vier Filme von Pedro Almodovar gesehen und alle rangieren in meiner Wahrnehmung irgendwo zwischen "sehr gut" und "hervorragend". Darüber hinaus hat der Film auch noch ein - zumindest vordergründig - medizinisches Thema und düsteren Psychothrillern bin ich generell nicht abgeneigt. Letztendlich die perfekte OMFE-Empfehlung. Nachdem ich den Film gestern Nacht gesehen hatte, wollte ich ursprünglich gleich etwas dazu schreiben. Der Streifen hat mich jedoch ganz schön verstört und so musste ich erst noch einmal eine Nacht drüber schlafen.

    Wenn mich jemand fragen würde, welchen Film ich gestern gesehen habe und um was es da ging, ich also gezwungen wäre, die Handlung bzw. das Thema des Films chronologisch geodnet und strukturiert aufgebaut in zwei Minuten zusammenzufassen, dann würde sich diese Inhaltsbeschreibung wahrscheinlich so dermaßen unvorstellbar anhören, dass es mir keiner abnehmen würde. Ich selbst habe nach dem Film selbst kurz gezweifelt, ob ich das eben wirklich gesehen habe oder vielleicht gerade aus einem Albtraum aufgewacht bin. In "Die Haut in der ich wohne" verliert also ein Schönheitschirurg seine Frau durch eine Verkettung von Fremdgehen, Unfall, Beinaheverbrennung und schließlich Suizid. Wenige Jahre später verliert er auch noch seine Teenager-Tochter, die bereits durch den Tod der Mutter schwer traumatisiert nach einer Vergewaltigung vollkommen die Fassung verliert und sich schließlich ebenfalls das Leben nimmt. In einem perversen emotionalen Zustand, einer Mischung aus Trauer, Rache und Verlangen, entführt der Mediziner den Vergewaltiger seiner Tochter und operiert ihn im Laufe vieler Jahre zu einer perfekten Nachbildung seiner geliebten Frau um. What. The. Fuck. Das glaubt man nicht, wenn mans nicht selbst gesehen hat. Manchmal frage ich mich schon, was in Almodovars Kindheit schief gelaufen ist, dass er solch perverse Geschichten entwickeln und auf die Leinwand zaubern kann.

    Ich hatte zugegebenermaßen anfangs extreme Schwierigkeiten mit dem Film. Zunächst einmal erschien mir die Figur des Robert Ledgard zwei Spuren zu unglaubwürdig. Der sitzt tatsächlich in seinem kleinen Privatlabor zu Hause und entwickelt alleine(!) eine gentechnisch veränderte Superhaut mit der zahlreiche Krankheiten der Vergangenheit angehören würden. Alles klar. Wie albern ist das denn? Darüber hinaus habe ich den Seelenzustand, die Motivation und die Intentionen dieser Figur absolut nicht begriffen. Was das mit der wunderschönen, suizidalen Privatpatientin, die offenkundig gegen ihren Willen im Zimmer nebenan festgehalten wird und unter ständiger Beobachtung durch den Herrn Doktor steht, eigentlich soll, warf mir auch erst einmal Rätsel auf. "Rätsel" jedoch nicht in dem Sinne, dass ich unbedingt rausfinden wollte, was es damit auf ich hat, sondern eher in dem Sinne, dass Ichs total an den Haaren herbeigezogen fand. Und als dann plötzlich der "Tiger" auftaucht und eine monströse Vergewaltigungsszene aufs Parkett legt, da hatte ich schon Angst, dass mich der Film jetzt gleich vollkommen verliert. Mit dieser absonderliche Mischung aus karnevalesker Komik und abscheulichem Verbrechen, insbesondere dann auch in Kombination mit dem anschließenden, vollkommen unpassenden Verhalten der beteiligten Personen, kam ich echt überhaupt nicht klar.

    In dem Moment als der Film dann jedoch zur ersten großen Rückblende ansetzt, also so etwa nach einem Drittel des Films, hat mich die Geschichte dann jedoch zunehmend in ihren Bann geschlagen. Worauf die Entführung des Vergewaltigers rauslaufen wird, habe ich erst ziemlich spät geschnallt, obwohl man es hätte kommen sehen können. War dann jedoch umso schockierter. Überhaupt hatte der ganze Film eine sonderbar bedrohliche Atmosphäre. Und die Handlung wird, wie man es von Almodovars Filmen kennt, kontinuierlich um weitere Facetten erweitert. Dass sich die einzelnen Puzzlestücke am Ende dann so schön in einander fügen hätte ich gar nicht erwartet, war aber schön, da zum Schluss dann auch die Szenen zu Beginn des Films rückwirkend gesehen deutlich mehr Sinn ergaben, als sie es ohne den entsprechenden Kontext taten.

    Der Film ist wie von Almodovar nicht anders gewohnt wunderschönen fotografiert. Allerdings wirkte die Fülle an sowohl optischen, als auch inhaltlichen Anspielungen aus Musik, Kunst und Film in Bezug auf die allgegenwärtigen Themen des Films auf mich streckenweise ein wenig erdrückend. Almodovars Filme sind immer sehr reichhaltig. So auch dieser hier. Bei diesem Film hätte ich mir jedoch hin und wieder ein bisschen weniger gewünscht. Mein größter Kritikpunkt an diesem Film ist der, dass mir das Seelenleben der einzelnen Figuren durchwegs zu wenig ausgeleuchtet wurde. Die Protagonisten wirkten irgendwie nicht wirklich "lebendig". Was Vera im Verlauf des Films durchmachen muss, dass kann man zwar sehen, aber man erlebt es nicht mit ihr gemeinsam. Der erste und einzige Moment, in dem man einen kleinen Blick auf ihren emotionalen Zustand erhascht ist die - zugegebenermaßen ergreifende - Schlusszene. Vielleicht ist es aber auch ganz gut so, dass Almodovar hier nicht zu sehr in die Vollen gegangen ist. Hätte man Veras Erlebnisse wirklich noch mehr "miterlebt" wäre der Film vielleicht nicht mehr erträglich gewesen.

    Alles in allem kein schöner Film. Aber ein interessanter. Ein verstörender Streifen mit einigen Makeln. Nicht Almodovars bester. Aber sicher auch nicht sein schlechtester. Zumindest habe ich das, was in "Die Haut in der ich wohne" erzählt wird, so noch nie vorher gesehen. Und das ist doch auch schon mal was wert. Aus diesem Grunde fällt meine Bewertung auch ein Stück weit höher aus, als ich es mir gestern direkt nach dem Film vorgenommen hatte.

    8/10
    Geändert von Thomas (16.10.2012 um 16:38 Uhr)

  5. #5
    Admin Avatar von Matt
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    AW: La piel que habito (Die Haut, in der ich wohne)

    Vielen Dank für die Bewertung und deine klasse Besprechung, die ich jetzt erst geschafft habe mir komplett durchzulesen. Ich glaube auch, dass diese Unwirklichkeit oder Ungreifbarkeit seiner Figuren von Almodovar gewollt ist, und das diese Distanz für La piel que habito, ansonsten wäre der Zuschauer vielleicht noch verstörter als ohnehin schon. Mich hat der damals nach der Kinosichtung einige Tage lang nicht mehr losgelassen.
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  6. #6
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: La piel que habito (Die Haut, in der ich wohne)

    kann ich alles so unterschreiben ... wusste gar nix darüber und war vor allen Dingen neugierig was Almodovar so im "Horrorgenre" auf die Leinwand bringen kann ... und joa ... als würden Sion Sono und Park Chan Wook nen Film gemeinsam drehen ... bin schwer begeistert.

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