Gainsbourg (Vie héroïque)Joann Sfar, 2010

Die großartige, animierte Titelsequenz lässt noch den Ursprung des Films erkennen, die Graphic Novel von Joann Sfar. Der Film startet gar nicht erst den Versuch einer positivistischen Biografiedatensammlung, um das Leben von Serge Gainsbourg (née Lucien Ginsburg) in einen kohärenten Zusammenhang zu bringen, der alles kausal miteinander verknüpft. Ich mag das. Der öffentliche Raum bleibt vollständig außen vor, man wird zum Peeping Tom einer Psyche. Fantastische Elemente mischen sich in den Film, wenn immer wieder Gainsbourgs Alter Ego mit riesenhaften Gesichtsmerkmalen auftaucht und ihm in schwachen Momenten nachstellt. Zeitweise kann man Vorstellungs- und Realwelt nicht mehr auseinanderhalten. Gainsbourg wird vom verunsichterten Kind zum galanten Verführer, vom dümpelnden Barpianisten zum gefeierten Star, vom linkischen Männlein zum sorglosen Lebemann zum Bardot-Verführer mit Selbstzerstörungstrieb und am Ende wieder zum Kind. Der expressionistische Stil des Films saugt den Gainsbourg-Mindstate fühlbar in sich auf.

Ich persönlich habe kein Verhältnis zu Serge Gainsbourg und seiner Musik, daher wusste ich die meiste Zeit nicht, auf welche Realität hier überhaupt Bezug genommen wird. Der Film erklärt sich wenig, die meisten Faktenverweise habe ich im Nachhinein recherchiert. Man sieht dem Mann gerne beim Kettenrauchen und seinem Spiel mit den Frauen zu, staunt angesichts der Metamorphose des Darstellers Eric Elmosnino. Seine Verpuppung hat etwas fragiles, scharadenhaftes. Fast scheint es, als spiele Serge als gefeierter Künstler-Gainsbourg immer eine Rolle, er blüht auf und verwelkt gleichzeitig, man weiß nicht genau, ob sein wahres Ich eher enthüllt oder verschüttet wird. Vielleicht geschieht beides. Ursprünglich sollte Gainsbourgs Tochter Charlotte die Rolle spielen. Sie konnte es nicht, die psychische Belastung war zu groß. Gainsbourg war ganz sicher keine in sich ruhende Persönlichkeit, eher eine psychologischer Twister, der sich und seine Mitmenschen gehörig durcheinandergewirbelt hat. Das macht der Film sehr gut spürbar.

Der Film ist episodisch, assoziativ, fragmentarisch. Man kann schwer darüber schreiben. Ich fand ihn bisweilen etwas schleppend. Man merkt, dass dies ein persönlicher Film mit persönlichem Zugang ist. Ich bin mir stellenweise etwas ausgeschlossen vorgekommen, was sicherlich mit der Unkenntnis hinsichtlich der Person und des Werkes zusammenhängt, aber ich denke, es ist auch im Film so angelegt. Vollständigen Zugang findet hier vermutlich nur der Regisseur selbst und der Gainsbourg-Kenner. Der Film ist gut, aber der Funke ist, glaube ich, nicht ganz übergesprungen.

Schönste Frau übrigens ganz klar Mylène Jampanoï.

P.S.:



Geht es noch offensichtlicher?