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Thema: A Serbian Film

  1. #1
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    A Serbian Film

    A Serbian Film (Srpski film) - Srdjan Spasojevic, 2010.

    Seh ich mir jetzt an. Ich bin gespannt...

  2. #2
    Ali
    Ali ist offline
    Regisseur Avatar von Ali
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    AW: A Serbian Film (Srdjan Spasojevic 2010)

    hab gehört, dass der film totaler müll ist. bin nicht einmal neugierig. will das, was ich gehört habe, nicht wirklich sehen. hättest du dir lieber einen anderen kackfilm angesehen, der nicht so extrem ist, wie z.b. interstate 60, der auch recht leer, doof und behindert skurril ist.

  3. #3
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: A Serbian Film (Srdjan Spasojevic 2010)

    Jo, war heftig.

    Filmtagebuch-Eintrag von Kalervo

    Dem kann ich mich in den meisten Punkten anschließen. Auch bei mir irgendwann automatischer emotionaler Energiesparmodus. Geht auch gar nicht anders, sonst wäre man am Ende selbst traumatisiert wie die Protagonisten. Würde ihn Niemandem ernsthaft weiterempfehlen wollen, dafür ist er zu extrem, aber er ist nicht katastrophal schlecht. Steht offensichtlich in der Tradition von Salò, geht in der expliziten Darstellung noch um einiges weiter (wohl unnötig weit), hat aber das gleiche Problem: Die Parabel über Gewalt, Machtmissbrauch und Vergewaltigung wird vom Sexuellen einfach zu krass dominiert. Wahrscheinlich wird das Sexuelle und der Akt der Vergewaltigung gleichgesetzt mit zerstörender Dominanz und Selbstzerfleischung einer Nation, aber das geht in der filmischen Umsetzung so nicht auf. Die Bilder sind zu mächtig und das rein Visuelle erdrückt den Großteil des allegorischen Gehalts. Wirkt irgendwann fast lächerlich.

    Was im Vergleich zu Salò noch hinzu kommt, ist die Reflexion auf die mediale Darstellung von Gewalt und die Erinnerung an das eigene Trauma mit Hilfe der Medien. Das fand ich dann wieder - eingeschränkt - interessant, auch wenn es letztlich zu banal und krude ausgearbeitet ist.

    Letztlich kein guter Film.

  4. #4
    laertes
    Gast

    AW: A Serbian Film (Srdjan Spasojevic 2010)

    klingt interessant...

    "[...] ist das Wort 'Schockerszenen' was A Serbian Film angeht, weitaus untertrieben. Man schafft es hier vielleicht sogar, wirklich die letzten Tabus zu brechen, die man innerhalb einr fiktiven, filmisch erzählten Geschichte, so überhaupt brechen kann. Nach der französischen Splatterdreifaltigkeit Frontier(s) (2007), Inside (2007) und gerade Martyrs (2008) muss man sich in diesem Fall aber auch die Frage stellen, ob Spasojevic einfach nur so 'Just For Fun' sondern aus bewußtem Kalkül provozieren möchte oder dies eben seine ganz eigene, äußerst radikale Form von Unterhaltungskino (wobei man sich wirklich fragen muss, inwieweit das ganze noch Unterhaltung ist) in Kombination mit kritischen Elementen ist. Vergleicht man ganz lapidar die drei genannten Werke mit dieser ganz frischen 'Skandalnudel', so ist man doch versucht, mit dem doch ebenfalls etwas reißerischen Vergleich anzukommen, dass die trotzdem schon sehr harten französischen Horrorwerke im Vergleich zu A Serbian Film locker als fluffige Nachmittagsunterhaltung für die ganze Familie durchgehen kann. Sie sehen im Gegensatz zu ihm irgendwie echt alt aus, auch wenn er nicht mal den Blutgehalt von Inside erreicht. [...]" (Allesglotzer)
    "[...] Ja, der Serbian Film dürfte sich den Titel des 'ärgsten Films aller Zeiten' tatsächlich verdient haben. Gut, das hat es zuletzt bei MARTYRS, ANTICHRIST und IRREVERSIBEL auch schon geheißen. Oder seinerzeit bei MEN BEHIND THE SUN und CANNIBAL HOLOCAUST. Noch früher bei DIE 120 TAGE VON SODOM oder VIVA LA MUERTE. Ganz zu schweigen von grindigen Pseudo-Snuff-Movies wie dem ominösen AUGUST UNDERGROUND oder der berüchtigten GUINEA PIGS-Serie, die ich bis heute verweigert hab. Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen oder gar etwas zu spoilern: Aber was der SERBIAN FILM im letzten Drittel an Folter und Vergewaltigungen auf die Zuseher loslässt, geht wahrlich hart an die Grenze des Darstellbaren und Erträglichen. [...]" (filmtipps.at)
    "[...] Der Schnittbericht selber ist teilweise nicht bebildert oder es wurden betont "harmlosere" Einstellungen verwendet. Ganz davon ab, dass ich hier auch kein Daumenkino zum Selberbasteln liefere, habe ich bei einigen Darstellungen durchaus strafrechtliche Bedenken hinsichtlich der §184a & §184b StGB. [...]" (Schnittberichte.com)
    Geändert von laertes (07.05.2011 um 16:38 Uhr)

  5. #5
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: A Serbian Film (Srdjan Spasojevic 2010)

    Vermutlich lässt sich das Dargestellte mit dem Zauberwort "Transgression" künstlich aufwerten. Grenzen werden hier in der Tat überschritten. Wirklich interessant ist der Film aber nicht - alles, was wirklich bemerkenswert ist, ergibt sich aus den zügellosen Tabubrüchen, die aber zu selbstzweckhaft bleiben. Wieder mal ein Film, der einen Schritt weiter geht als andere. Gut, zugegebenermaßen war ich auch neugierig. Ich weiß jetzt, was sich dahinter verbirgt und bin auf dem neuesten Stand der fiktionalen Gewaltdarstellung. Abgesehen von Bildern, bei denen ich mich im Nachhinein frage, ob ich sie vielleicht doch lieber nicht gesehen haben will, habe ich aber nichts aus dem Film mitgenommen. Aber was soll's, so brutal wie die Realität ist sowieso kein Film, auch dieser nicht.

    Geht das eigentlich nur mir so, oder lässt sich weder der Filmtitel noch der Regisseur über die normale IMDb-Suche dort finden?

  6. #6
    laertes
    Gast

    AW: A Serbian Film (Srdjan Spasojevic 2010)

    du hast wie so oft recht. ich finde den hype um die scheiße auch interessanter als die scheiße selbst.

    aber der soundtrack ist sehr geil, zumindest das dubsteppige ding hier, das ich gern mal auf der tanzfläche hören würde:


  7. #7
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    AW: A Serbian Film (Srdjan Spasojevic 2010)

    Zitat Zitat von Daniel Beitrag anzeigen
    Geht das eigentlich nur mir so, oder lässt sich weder der Filmtitel noch der Regisseur über die normale IMDb-Suche dort finden?
    Eintrag existiert aber. Und danke für's Verlinken meines FTB-Eintrags, hab' ich mir schon wieder Arbeit gespart.
    The bad news is, we did an X-ray, and your body is full of a spooky skeleton man.

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  8. #8
    laertes
    Gast

    AW: A Serbian Film (Srdjan Spasojevic 2010)

    nach teilsichtung und intensiver lektüre der kritiken und forendiskussionen bin ich im zweifel, ob man dem film die politische message, die seine macher ihm unterstellen, ohne weiteres absprechen kann.

    auf den ersten blick handelt es sich fraglos um einen (man verzeihe mir die etwas verknappte schubladisierung) ganz extremen gewaltporno, der aber - das hat daniel bereits zu recht betont - an keiner stelle wirklich unrealistisch ist (abgesehen von den tod-durch-schwanz-sequenzen, aber die sind wiederum gewollt überzeichnet), ja, vielleicht in all seiner abartigkeit gleichwohl nicht in der lage ist, die realität in ihren abgründen auch nur annähernd abzubilden. auf diesen ersten blick enthält der film aber keine politische oder moralische oder sonstige über die bloße gewaltdarstellung hinausgehende message.

    nach dem zweiten blick möchte ich aber eine analogie ziehen zu kindern, die opfer von gewalt- oder sexualverbrechen geworden sind: uns allen sind die selbstgemalten bilder bekannt, die - von psychologen als klares warnsignal einer seelischen störung gedeutet - die erfahrene gewalt in der diesen kindern eigenen form abbilden, sei es durch den berühmten 'schwarzen mann' oder durch blutige gewaltdarstellungen.

    wenn man dieses wissen nun auf a serbian film bezieht, erscheint es zumindest als möglichkeit, dass diejenigen, die für ihn verantwortlich zeichnen, die extremen ideen und bilder dieses films überhaupt nur deshalb entwickeln konnten, weil sie ein jahrzehntelanges nationales und individuelles martyrium durchleiden mussten. der film würde insofern als persönlicher ausdruck des erlebten verinnerlichten fungieren. er hätte dadurch zwar nach wie vor keine klare politische aussage, würde aber durch die bezugnahme auf den politischen und geschichtlichen hintergrund erklärbar werden. und das ist etwas, was andere extreme filme wie zb die august underground-scheisse völlig vermissen lassen, weshalb sie - im gegensatz zu a serbian film - ein bloß leeres, hohles nachgefühl hinterlassen, aber nicht wirklich berühren.

    ich gebe zu, das ist küchenpsychologisierende spekulation, aber der gedanke drängte sich mir auf. bei weiterem nachdenken kann ich auch bezüge zur musik herstellen: man höre sich zb durch shostakovichs oder petterssons symphonien - auch diese sind, zum teil sogar extreme, konventionssprengende klangliche darstellungen individuell erfahrener erlebnisse, bei shostakovich auch und insbesondere auf einer über-individuellen, politischen ebene (stichwort: stalinistischer gesinnungsterror), die ohne den biographischen und geschichtlichen hintergrund nicht denkbar wären! beispiele: zweiter satz der 10ten symphonie, dritter satz der achten symphonie und insbesondere erster satz der vierten symphonie.
    Geändert von laertes (09.05.2011 um 21:24 Uhr)

  9. #9
    laertes
    Gast

    AW: A Serbian Film (Srdjan Spasojevic 2010)

    hier gibt es übrigens einen fünfeinhalb minuten dauernden trailer.

  10. #10
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: A Serbian Film (Srdjan Spasojevic 2010)

    Zitat Zitat von laertesdd Beitrag anzeigen
    nach dem zweiten blick möchte ich aber eine analogie ziehen zu kindern, die opfer von gewalt- oder sexualverbrechen geworden sind: uns allen sind die selbstgemalten bilder bekannt, die - von psychologen als klares warnsignal einer seelischen störung gedeutet - die erfahrene gewalt in der diesen kindern eigenen form abbilden, sei es durch den berühmten 'schwarzen mann' oder durch blutige gewaltdarstellungen.

    wenn man dieses wissen nun auf a serbian film bezieht, erscheint es zumindest als möglichkeit, dass diejenigen, die für ihn verantwortlich zeichnen, die extremen ideen und bilder dieses films überhaupt nur deshalb entwickeln konnten, weil sie ein jahrzehntelanges nationales und individuelles martyrium durchleiden mussten. der film würde insofern als persönlicher ausdruck des erlebten verinnerlichten fungieren.
    Ist das so? Kann man diese Bilder nur entwickeln, wenn man Gewalterfahrungen dieser Kategorie am eigenen Leib oder innerhalb der eigenen (nationalen) Identität erfahren hat? Irgendwie bezweifle ich das. Angesichts der medialen Bilderflut und der auch durch das Internet möglich gewordenen relativ leichten Zugänglichkeit von Aufzeichnungen extremer Gewaltakte in der Realität würde ich die "Inspiration" für das Dargestellte nicht exklusiv daran festmachen wollen. Würde es eher - etwas abgeschwächt - so sehen, dass durch die persönliche Erfahrung von Gewalt ein erhöhter Drang zur Verarbeitung existiert, der sich dann in einem teils auch politisch motivierten Ausdruck Geltung verschafft. Vielleicht wird durch die biografische Ebene auch nur ein größerer Legitimationsspielraum geschaffen, der das Gezeigte akzetabler erscheinen lässt, weil sich eine metaphorische Ebene direkt anbietet. Wäre dieser Film von einem westeuropäischen oder US-amerikanischen Regisseur aus der Mittelschicht gedreht worden, der keine persönlichen Traumata erlitten hat, wären die Reaktionen vielleicht nochmal ganz anders ausgefallen. Dann könnte man ihn aber meinetwegen immer noch als Anklage gegen den Kapitalismus lesen. Es gibt ziemlich viel anzuklagen in der Welt, deshalb finde ich die Wahl der Mittel im Endeffekt zu beliebig und zu sensationsheischend, da fehlt mir eine klarere Kontextualisierung.

    Der Vergleich mit Kinderzeichnungen ist vielleicht auch deshalb etwas schief, weil es sich dabei um eine recht spontane und auf Bewusstseinsebene vielleicht auch unreflektierte Verarbeitungen des seelischen Befindens handelt. Das kann man bei einem Film, der viel komplexeren Produktionsbedingungen unterliegt, nicht behaupten. Ich kann da nicht erkennen, wie Traumata aus dem Regisseur spontan herausbrechen, das hätte vermutlich eher zu einem surrealen Produkt geführt, das wesentlich abstrakter gewesen wäre als dieser Film, der mir auf der Inszenierungsebene (sowohl narrativ als auch in Bezug auf den Production-Value) doch ziemlich kontrolliert und fokussiert erscheint. Und das ist ja nichtmal schlecht gemacht. Die Charaktere werden tatsächlich relativ lange aufgebaut, bevor sie innerlich quasi zerstört werden. Das ist vielleicht auch noch eine Aussageebene, dass die Familie körperlich ja wundersamerweise tatsächlich überlebt. Aber das ist in der Tat ein rein körperliches Überleben. Am Ende stellt man sich dann schon die Frage, wo die Grenzen des überhaupt Verarbeitbaren liegen. Vielleicht kann man nach manchen Erfahrungen nicht mehr weiterleben.

    Was der Film zweifellos leistet, ist, dass er Aufmerksamkeit auf sich zieht und damit Diskurse auslöst. Die werden sich zwangsläufig auch um die Beweggründe des Regisseurs drehen und damit auch reale Missstände auf dem Radar auftauchen lassen. Dann wäre die Gewaltdarstellung aber wiederum nur Mittel zum Zweck.

    Und der Film macht die Wirkweise eines Traumas natürlich in abgeschwächter Form erfahrbar. Die Bilder haben eine Schockwirkung und lösen entweder starke Emotionen aus, oder eben, wie ja auch offensichtlich bei mir und Kalervo, eine Art Verdrängungseffekt, bei dem man sich kognitiv unwillkürlich ausklinkt und die eben noch willkommene Emotionalisierungswirkung des Films abgeschaltet wird. Man nimmt das Ganze dann bewusst als Fiktion wahr, um sich zu schützen. Das geht in der Realität natürlich so nicht. Kenne mich in der Traumaforschung nicht wirklich aus, aber es gibt da ja "Schutzprogramme" (Fachbegriff?), die vom Körper/Gehirn ausgelöst werden, um einen kompletten Zusammenbruch zu verhindern. Vielleicht ist das ja ein ähnlicher Distanzierungsmechanismus. Hier lautet die Frage dann, ob das in schwächerer Form nicht viele Filme tun (Horror/Thriller) und ob es heuzutage einer immer krasseren punktuellen Gewaltdarstellung bedarf, um überhaupt noch was im Zuschauer zu bewegen. Wobei es natürlich auch in der frühen Filmgeschichte schon heftige Affektbilder gab, das zerschnittene Auge aus dem andalusischen Hund ist nur eines davon.
    Geändert von Daniel (10.05.2011 um 01:57 Uhr)

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