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Thema: Happythankyoumoreplease

  1. #1
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    Happythankyoumoreplease

    Happythankyoumoreplease (Josh Radnor 2010)

    Eine Subway-Fahrt beschert Sam Wexler, seines Zeichens freischaffender Schriftsteller auf der Suche nach der großen Liebe, einen neuen besten Freund: Der kleine Rasheen wird versehentlich von seiner Foster-Care-Familie getrennt und benötigt einen vom Schicksal provisorisch eingesetzten Beschützer. Nach anfänglichem Hadern angesichts der neuen Verantwortung integriert Sam das Ad-hoc-Vater-Sohn-Verhältnis schnell in seinen Alltag, eigentlich will er sich nicht von Rasheen trennen – und umgekehrt. Zunächst macht Sam sich wenig Gedanken über den juristisch problematischen Zustand, muss sich bald aber zwangsweise damit auseinandersetzen. An einer anderen Baustelle gilt es, die persönliche Knockout-Frau Mississippi mit einer ungewöhnlichen Maßnahme zu ködern: Drei Tage soll Mississippi bei Sam einziehen, um eine Art Beziehungs-Betaversion zu simulieren. Wenn's klappt – wer weiß... Gleichzeitig ist auch Sams Freundin Annie auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Nicht so einfach, denn Annie hat aufgrund einer Autoimmunerkrankung keine Körperbehaarung und ein geringes Selbstwertgefühl. Ihr Mitarbeiter Sam (# 2) ist schon lange in sie verliebt, entspricht jedoch nicht ganz ihren Vorstellungen. Und auch bei Sams Freund Charlie und seiner Freundin Mary Catherine gibt es Beziehungsprobleme. Charlie will aus beruflichen Gründen nach Los Angeles ziehen, während Mary Catherine lieber in New York wohnen bleiben möchte. Und dann ist auch noch Nachwuchs unterwegs, wovon Charlie bisher nichts weiß...

    Drei Paare, das ist sechsmal Liebesfrust und -lust und die Suche nach Lebensglück. Ein bisschen wie Friends im Spielfilmformat (oder doch eher How I Met Your Mother?), mit weniger Situationskomik und mehr Drama. Der Film hat ein paar Stärken und einige Schwächen. Die Stärken bilden die Schauspieler, allen voran Pablo Schreiber (gerade erst realisiert, dass er den Nick Sobotka in The Wire gespielt hat) als Charlie und Zoe Kazan als Mary Catherine, die ihrer tendenziell untergeordneten Plotline den ein oder anderen emotional sehr intensiven Moment bescheren. Einige psychologische Nuancen sorgen für vereinzelten Tiefgang, wie etwa die Tatsache, dass für Annie, die ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrem Körper pflegt, ihr Arbeitskollege Sam zunächst nicht als potentieller Partner in Frage kommt, da wiederum er nicht ihren optischen Anforderungen genügt.

    Die Schwäche liegt andererseits gleichfalls bei den Schauspielern, genauer: einem, nämlich - wie auch im Fall How I Met Your Mother – bei Josh Radnor. Radnor schafft es manchmal, durch einzelne Bewegungen oder eine Deadpan-Reaktion lustig zu sein, aber seine darstellerische Bandbreite beim Ausformulieren von Emotionen hält sich in überschaubaren Grenzen. Vielleicht sollte er auf Slapstick umsatteln. Sein Handlungsstrang mit Rasheen und Mississippi ist der schwächste. Zum einen, weil der Charakter des Jungen über keinerlei Autonomie verfügt und nur als Katalysator für Sams sog. "Reifeprozess" gebraucht wird (der keiner ist, denn am Ende wird er gezwungen, das zu tun, was der gesunde Menschenverstand von Anfang an geboten hätte). Und zum anderen ist die Liebesgeschichte letztenendes doch ziemlich 08/15, auch wenn die Idee der Testbeziehung dies zu verschleiern versucht. Kate Mara kann durch ihre Interpretation der eigenständigen Mississippi ein bisschen was retten, aber das Drehbuch hat über weite Strecken nicht genug Substanz und nudelt Standardsituationen mit ein wenig komödiantischer Würze ab.

    Und dann ist da natürlich das Gesamtkonzept. Wie erwähnt: Sechsmal Liebesfrust und –lust und die ewig währende Suche nach Glück. Das ist gut genug vertraut und wird nicht nur in diesem Film als das unscharf-defizitäre Lebensgefühl einer Generation vermarktet, der der entscheidende Schritt von der Adoleszenz zum Erwachsensein nicht gelingen will. Die notorische Unreife der Endzwanziger ist ein im gesellschaftlichen Diskurs und auch im amerikanischen Independent-Film ein ausgetretener Gemeinplatz, der vielleicht sogar teilweise zutreffen mag, in der filmischen Umsetzung ästhetisch aber stagniert. Irgendwie kennt man diese Dialoge schon. Und auch das "Feeling" der Filme. Alles schon mal da gewesen. Nur die Soundtracks ändern sich. Und wo bleibt eine Analyse der Ursache dieses Befundes einer Generation jenseits von Fight Club? Dieser Film ist zu glatt und zu bieder, zu kalkuliert stromlinienförmig. Die Ansätze brüchiger und widersprüchlicher Charaktereigenschaften sind vorhanden, aber unvollkommen ausgeführt. Was er bietet, sind süßliche Wohlgefühle der Erlösung, wenn die Erzählung alle Stränge einem hoffnungsfrohen Ende zuführt. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, wenn es nicht so furchtbar vorhersehbar wäre. Happygehtsoreichtjetzt.

    5/10
    Geändert von Daniel (29.04.2011 um 22:28 Uhr)

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    RottenTomatoes

    Im Vergleich zu manch anderen Rezensenten bin ich wohl noch gnädig. Gerade bei Rotten Tomatoes gestöbert:

    Zitat Zitat von Michael C. Walsh
    Sam Wexler (Josh Radnor, who also wrote and directed) is an asshole. A self-important freelance writer, he's the kind of guy who makes half-hearted promises to girls so he can get them into bed. His friend Annie (Malin Akerman) bemoans the way 29-year-old men act as if they were 12 — yet she's too stubborn to look past the physical imperfections of the one guy who shows a legitimate interest in her. Their friends (Pablo Schreiber and Zoe Kazan) are actually a pleasant couple, but their contribution to this plodding plot is as clichéd as it gets. He has a job opportunity that would require them to leave New York. She finds out she's pregnant. What will they do? And, more important, why should we care about their trivial hipster quandaries? Rasheen (Michael Algieri) is a young child taken in by Sam after he gets lost on the subway. Acting as a heavy-handed metaphor, he's a saving grace both for the film and for these aimless twentysomethings.
    Quelle: Boston Phoenix

  3. #3
    Regisseur Moderator Avatar von John McCane
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    AW: Happythankyoumoreplease (Josh Radnor 2010)

    Auch Rottentomatoes:

    Radnor shows an assured hand with his cast, and rather than try to force a plot the actor-director defines his film by the characters.

    According to the rules of grown-up cinema, Happythankyoumoreplease should be irritating as hell. Well, Radnor's worked some magic.

    It's an observant and heartfelt film, with turns of dialogue that show that writer-director Josh Radnor really can write.

    There is a sweetness to Radnor's character and to his film. What there is not is a sense of urgency, of a desire to find out what happens next.

    Radnor offers an entertaining and not especially self-indulgent ensemble comedy about young love in the big city that spotlights an appealing cast of youthful fringe-of-Hollywood talent.
    Forget about Freeman

  4. #4
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: Happythankyoumoreplease (Josh Radnor 2010)



    Fixed.

    Manche dieser Amateurkritiker sehen einfach nicht klar.

  5. #5
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: Happythankyoumoreplease (Josh Radnor 2010)

    Irgendwie habe ich mir nach den euphorischen Sundancestimmen ja schon erhofft, dass How I Met Your Mother-Star Josh Radnor mit seinem Regiedebüt ein ähnliches Meisterstück wie seinem Scrubs-Kollegen Zach Braff gelingen könnte. Zwar geht auch er inhaltlich ähnliche Pfade und liefert eine durchaus charmanten Independentfilm ab, jedoch fehlt ihm ein frischer, kreativer Ansatz um wirklich zu begeistern. Ja, die Geschichte ist schön, wenngleich sie auch ein wenig zu sehr in Richtung heile Welt abdriftet, die Darsteller (Zoe Kazan ist eine kleine Entdeckung) machen weitestgehend einen guten Job (kleine Abstriche für Drehuchautor und Regisseur Josh Radnor in der Hauptrolle, da ich in ihm nur eine Variation seiner Serienfigur gesehen habe) und auch sonst hatte ich nie das Gefühl auch nur ansatzweise einen schwachen Film zu sehen. Er war gut, hatte seine emotionalen Momente, wird aber wohl dennoch nicht sehr lange in meinem Gedächtnis hängen bleiben.

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