Seite 1 von 2 12 Letzte
Ergebnis 1 bis 10 von 14

Thema: Hiroshima, mon amour

  1. #1
    Regisseur
    Registriert seit
    25.12.2000
    Beiträge
    4.985

    Hiroshima, mon amour



    Alain Resnais wechselte mit seinem Spielfilmdebut "Hiroshima mon amour" vom Dokumentarfilm zum fiktionalen Film. Ursprünglich als dokumentarische Aufarbeitung der schrecklichen Ereignisse in Zusammenhang mit dem Fall der Atombombe in Hiroshima gedacht, entschied sich Resnais während der Dreharbeiten dafür, den Film um eine fiktionale Komponente zu ergänzen. Der Ansatz ist der Erkenntnis geschuldet, dass manche Dinge so grausam, so unmenschlich, ja so unfassbar sind, dass man sie aus der Distanz gar nicht richtig begreifen kann. Der Film erzählt von einer kurzen Liebesaffäre zwischen einem japanischen Architekten und einer französischen Schauspielerin, die in Hiroshima einen Friedens-Film dreht. Diese löst bei der namenlos bleibenden Frau die Erinnerung an ihre einstige große Liebe aus, einem jungen deutschen Soldaten den sie während des Zweiten Weltkriegs kennenlernte und kurz vor Kriegsende verlor. Geschickt verbindet Resnais hier Vergangenheit und filmische Gegenwart und thematisiert auf mehreren Ebenen die Mechanismen von Erinnerung, Vergessen und Verdrängen. In lupenreinen Schwarz-Weiß-Bildern, unterlegt von einer wundervollen Filmmusik und mit Hilfe der geschickten Montagen von Bildern verschiedener Zeitebenen entwickelt "Hiroshima mon amour" einen sehr einnehmenden, fast schon hypnotischen Sog, dessen Wirkung man sich als Zuschauer nicht entziehen kann, unabhängig davon, ob man gewillt ist, die vielen metaphorischen Elemente des Films - und davon gibt es viele - entschlüsseln zu wollen oder nicht.

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
    Registriert seit
    28.12.2000
    Ort
    Six Feet Under
    Beiträge
    4.880

    AW: Hiroshima, mon amour (1959)

    Ich zitiere mal aus meinem Filmtagebuch:

    [...] Alain Resnais' Inszenierung, die die französische Nouvelle Vague mitbegründete, spiegelt sich in meiner Seherfahrung wider. Alles ist fragmentarisch; ein Eindruck, kaum realisiert, wird im nächsten Augenblick von einem anderen überlagert. In Hiroshima mon amour geht es irgendwie um den Krieg, den man während der verstörenden Anfangssequenz schon als Hauptmotiv zu erkennen glaubt, dann aber auch wieder nicht. Im Zentrum steht meist die Beziehung der beiden namenlosen Hauptcharaktere, deren Begegnung für ihre privaten Lebenslinien das Äquivalent der historischen Tragweite des Atombombenabwurfs auf Hiroshima darstellt. Eine gewaltige Erschütterung, deren unmittelbare Wirkung sich nur für einen zeitgeschichtlichen Wimpernschlag entfaltet, die dafür aber umso heftiger ausfällt.

    Es gibt Parallelen zwischen den Demütigungen, die die Französin während ihrer Zeit der Einkerkerung ertragen musste und denen der Überlebenden der A-Bombe. Der jungen Frau werden die Haare geschoren, während in Hiroshima die Strahlenbelastung einen ähnlichen Effekt hat. In beiden Fällen sind Krieg und nationale Identität die Hintergründe für eine willkürlichen Gewaltakt, deren Opfer keine schuldigen Täter im eigentlichen Sinne sind. Den Feind zu lieben wird ebenso bestraft wie der Feind zu sein. Beide "Vergehen" sind Teil der Identität, unabänderlich.

    Intensive zwischenmenschliche Begegnungen werden später ähnlich in Before Sunset und Lost in Translation geschildert, und auch dort spielt die Stadt, in der die Begegnung stattfindet, eine große Rolle. Und immer ist die Atmosphäre dieser Filme eine ganz besondere, schwer zu fassende. Man kann eigentlich nicht sagen, dass es in Hiroshima mon amour um dieses oder jenes geht. Es geht um viele Dinge, viele schöne und viele hässliche Dinge. Leider kann man mit Worten kaum transportieren, was den Film ausmacht. Vielleicht ist das auch gut so.


  3. #3
    Regisseur
    Registriert seit
    28.09.2004
    Ort
    Seattle, Washington, USA
    Beiträge
    5.060

    AW: Hiroshima, mon amour (1959)

    Fand den Film schrecklich. Konnte nicht das geringste in mir ausloesen und fand ihn einfach nur langweilig. Nein, das ist nicht genug. Es war geistige Masturbation von Resnais. Einfach nur schrecklich.
    You can't be wise and in love at the same time - Bob Dylan

    http://www.humanspotlight.de.vu/

  4. #4
    Regisseur
    Registriert seit
    25.12.2000
    Beiträge
    4.985

    AW: Hiroshima, mon amour (1959)

    Auch wenn der Film vollkommen anders auf mich gewirkt hat und ich ihn mir am liebsten gleich danach noch einmal angesehen hätte, weil ich ihn so toll fand, kann ich Deine Reaktion, Danwalker, gut verstehen. Ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Resnais' zweiter Film "Letztes Jahr in Marienbad" ist sogar noch kryptischer. Gefiel mir persönlich auch noch besser, als "Hiroshima, mon amour". Kann aber verstehen, wenn jemand mit Resnais' Werken nichts anfangen kann.

  5. #5
    Regisseur Avatar von Jackie Flannery
    Registriert seit
    08.09.2010
    Ort
    Eyholz
    Beiträge
    1.428

    AW: Hiroshima, mon amour

    Uuuuh, geistige Masturbation, so ging's mir bei den meisten Antonioni Filmen, ausgeschlossen La Notte, gehe heute ins Stadtkino Basel und habe mich eigentlich auf einen recht spirituellen, amourösen Film gefreut. Ist sich Resnais im Stil ähnlich zu Antonioni? Na ja, so oder so ist der Film für einen Cineasten ein Must-See.
    - What you think he'd do if he found us?
    - Shoot us, probably. He's always glad to have an excuse to use his deer rifle

  6. #6
    Regisseur
    Registriert seit
    25.12.2000
    Beiträge
    4.985
    Die Stile sind sich nicht so ähnlich, aber beide Regisseure bringen die Hirnwindungen der Zuschauer immer wieder durcheinander. Von daher passt der Vergleich ganz gut...

  7. #7
    Regisseur Avatar von Jackie Flannery
    Registriert seit
    08.09.2010
    Ort
    Eyholz
    Beiträge
    1.428

    AW: Hiroshima, mon amour

    Ja, Resnais behagt mir eindeutlich mehr, sehr eigen, hat mich höchstens ein wenig an Malick erinnert - Poesie eingefangen/befreit in filmischer Form.

    Sicher nicht das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe, Liebe auf den ersten Blick ist es zwar nicht, aber sicherlich Faszination. Die Stimme der Hauptdarstellerin ist traumhaft schön, z.T. sogar ablenkend, ich könnte mir die ganze Tonspur alleine immer wieder anhören.
    - What you think he'd do if he found us?
    - Shoot us, probably. He's always glad to have an excuse to use his deer rifle

  8. #8
    Regisseur
    Registriert seit
    25.12.2000
    Beiträge
    4.985

    AW: Hiroshima, mon amour

    Schau Dir als nächstes "Letztes Jahr in Marienbad an"!

  9. #9
    Admin Avatar von Matt
    Registriert seit
    19.05.2001
    Beiträge
    21.679

    AW: Hiroshima, mon amour

    Unbedingt. Und dann wieder und wieder. Das habe ich eine Weile sogar wöchentlich getan. Meisterwerk. Lieblingsfilm. Lebensfilm.
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  10. #10
    Regisseur Avatar von Jackie Flannery
    Registriert seit
    08.09.2010
    Ort
    Eyholz
    Beiträge
    1.428

    AW: Hiroshima, mon amour

    Nächste Woche selbes Kino hatte ich auf jeden Fall vor.
    - What you think he'd do if he found us?
    - Shoot us, probably. He's always glad to have an excuse to use his deer rifle

Seite 1 von 2 12 Letzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 10.03.2003, 17:01

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36