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Thema: The Adjustment Bureau

  1. #1
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    The Adjustment Bureau

    Ein magischer Traum von einem Film, wunderschön, poetisch, philosophisch, melancholisch und hoffnungslos romantisch, der mir so gut gefallen hat, daß ich ihn gleich zwei mal hintereinander im Kino gesehen hab (und das werden nicht die letzten beiden Male gewesen sein) und einfach fasziniert war und noch bin. Himmelsthemen faszinieren mich ohnehin, wenns um Gott, Engel und dergleichen geht.

    Zunächst mal konnte ich mir schon beim Trailer zu diesem Film ein gewisses Grinsen nicht verkneifen, erinnern doch die (amtlichen) Herren mit Hut und Anzug in DER PLAN frappierend in Funktion und Outfit den "Beobachtern" aus der Serie FRINGE.

    DER PLAN beginnt ein wenig ungewöhnlich mit Montage-Szenen über den Werdegang der Hauptfigur (Matt Damon überraschenderweise nach TRUE GRIT erneut mit überzeugendem Schauspiel) bevor es nach einer kurzen Weile um den eigentlichen Kern der Handlung geht. Mehr drüber zu erzählen hieße allzuviel zu spoilern.

    DER PLAN geht ungemein zu Herzen und ist tiefgründig in seiner Machart. Die hemmungslose ungebremste und vor allem unbremsbare wahre Liebe, der Freie Wille, Das Schicksal, Gottes Fügung und des Menschen Bestimmung - all das wird hier auf sehr unterhaltsame Art abgehandelt. Aber nicht nur inhaltlich weiß der Film zu gefallen, sondern auch durch seine Inszenierung, seine sphärische Musik, seine tiefgründigen Dialoge, seine Machart und seine Gimmicks bzw. Tricks. Besonders gefallen hat mir die Umsetzung der

    # der Freeze-Frame-Nummer
    # der "Nummer" mit den Türen
    # die Veranschaulichung des Inhalts der Planbücher
    # das spannende und nicht unwitzige Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Hauptfigur und seinen Verfolgern
    # die Veranschaulichung der
     
    himmlischen
    Behörde und Struktur und Hierachie

    alles sehr sehr hübsch und liebevoll gemacht.

    Das Love-Interest von Matt Damon erinnerte mich sehr an Catherine Bell aus J.A.G. - dasselbe bezaubernde Funkeln in den Augen und bezaubernde Lächeln, nur daß mir diese Emily Blunt ansonsten unbekannt war.

    Und so wirft der Film von George Nolfi, der das Ganze inszeniert, produziert und auch geschrieben hat in Personalunion existentielle Fragen auf: inwieweit hat man einen freien Willen bzw. gibt es überhaupt so etwas wie freien Willen oder wandeln wir nicht Alle auf den (unsichtbaren) Pfaden der Vorbestimmung Gottes und sind unserer Bestimmung, unserem Schicksal ausgeliefert?

    Wer würde nicht auch gerne mal durch solch eine Türe durchgehen oder zumindest mal durch seine Türe einen Spaltbreit durchluken? Wer würde nicht auch gerne wissen, wie es einem in zwei, fünf, zehn, zwanzig Jahren so ergeht, ob man gesund ist oder ob man leidet? Wann das eigene Sterben vorbestimmt und dann wenn es noch lange genug weg ist das Leben in vollen Zügen genießen in der Gewißheit, daß einem bis zum vorbestimmten Tag X nichts passieren kann, egal was man auch macht. Tja, was würde man nicht alles drum geben. Ich persönlich würde beinah alles drumgeben, mal einen Blick auf Gottes Vorbestimmung für mein Schicksal werfen zu dürfen.

    9/10

  2. #2
    Admin Avatar von Matt
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    AW: Der Plan

    Da muss ich mich doch einmal mehr fragen, welchen Film du eigentlich gesehen hast?

    Das Kino liebt Geschichten von Menschen, die sich gegen ihr Schicksal stemmen. Kaum jemals gelingt ihnen freilich eine echte Palastrevolution. Die wäre in diesem Fall aber bitter nötig. Denn was ist schon ein Himmel wert, der sich über den freien Willen seiner Sterblichen hinwegsetzt und es dann nicht einmal besser weiß als sie? Anders als seine Vorgänger plädiert dieser unterhaltsame Nachzügler im schönen Genre des phantastischen Liebesfilms für den radikalen Atheismus.
    (Daniel Kothenschulte - Frankfurter Rundschau)
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  3. #3
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    AW: Der Plan

    Zitat Zitat von Matt Beitrag anzeigen
    Da muss ich mich doch einmal mehr fragen, welchen Film du eigentlich gesehen hast?
    Denselben, den ich so besprochen hab. Zu Deinem Link bzw. der dort zugrundegelegten These:

     
    Nur weil Dein Zitat von nem Jounalisten aus der Zeitung stammt, wird sein Eindruck ja nicht wahrer/richtiger als meiner. Ich sehe das nicht, wie der Journalist, als Plädoyer für Atheismus. Vielmehr bestätigt der Verlauf des Films lediglich, daß "Gottes Wege unergründlich" sind und der liebe Gott eben im Fall der beiden Hauptfiguren und ihrer hemmungslosen Liebe ein Herz zeigt und eine neue Version des Plans schreibt, vielleicht auch, weil sich der liebe Gott selbstkritisch stellt, nachdem er ja in früheren Versionen des Plans die Beiden füreinander bestimmt hatte. Nun hat er womöglich einen neuen Plan gefunden, der Beider Liebe zueinander mit einbaut UND ihn trotzdem letztlich zum ameikanischen Präsidenten macht UND sie trotzdem eine gefeierte Tänzerin und Choreografin werden läßt. Womöglich allerdings unter Einkalkulierung von "Kollateral"schäden"", daß evtl. Jemand anderer Schicksale nun anders verlaufen als vorher, denn Viele und Vieles hängt ja miteinander zusammen und ändert sich eines, ändert sich womöglich auch was anderes.
    Aber das ist jetzt reine Spekulation von mir, denn: wir wissen es nicht. Glauben heißt "nicht wissen". Ich glaube halt dran an die göttliche Fügung und des Menschen Bestimmung (Schicksal) und daß "Gottes Wege unergründlich" sind (sieht man ja aktuell an Japan). Aber IMHO steht es dem Menschen nicht zu, seinen Schöpfer, den lieben Gott und dessen Masterplan zu kritisieren/hinterfragen.

    Im Übrigen gibt er der Film ja eine sehr hübsche, mögliche, Erklärung für Greuel und dergleichen, indem eben einer der wichtigeren Engel unserer Hauptfigur erklärt, daß man seitens der "Planer" eben mehrfach gemeint habe, daß der Mensch nun auf eigenen Beinen stehen könne und man den Planeten dem Menschen und seinem freien Willen anvertrauen könne, dies aber während der düsteren 500 Jahre Mittelalter erstmals revidiert werden mußt und man wieder zurückkommen und die Geschicke des Menschen neu lenken mußte und ihm Aufklärung und Fortschritt und Wissenschaft und Technik gab und sich 1910 erneut zurückzog und nun glaubte, daß der Mensch nun tatsächlich verantwortungsvoll mit sich und seinem Planeten umgehen könne, habe dann aber nach zwei Weltkriegen und Holocaust und atomarer Zerstörungskraft erneut zurückkehren müssen und erneut die Lenkung der Geschicke des Menschen und der ihm anvertrauten Planet/Natur/Tiere usw. lenken müssen bevor der Mensch seine Existenz, seine ganze Umgebung und mithin den ganzen Planeten in die Luft jagen würde.
    Somit könnte man Handlung/Film auch eine sachliche Analyse unterstellen, daß Gott eben erkannt habe, daß der Mensch willens und/oder in der Lage sei verantwortungsvoll mit sich und den ihn anvertrauten Planeten mit allem Leben darauf umzugehen in der Lage ist und DESWEGEN eben der freie Wille dem Menschen und seiner Umgebung eher schade als nutze und DESWEGEN eben Gottes Fügung und Lenkung des Menschen notwendig ist in den großen Dingen (nicht darin, welche Zahnpastasorte man nimmt und andere Kleinigkeiten).

  4. #4
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: The Adjustment Bureau

    Basierend auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick lebt The Adjustment Bureau zu Beginn von seiner tollen Idee, die von der ersten Minute an Hochspannung erzeugen kann. Der zweite wichtige Punkt für das Gelingen von George Nolfis Werk ist die absolut fantastische Chemie der beiden Hauptdarsteller. Selten hat man einem verliebten Pärchen ihre Gefühle so abgenommen wie Damon und Blunt in diesem Werk und umso mehr fiebert der Zuschauer natürlich mit den Beiden mit. Schön auch dass dem Publikum nicht allzu viel über die Hintergründe der Hutträger erklärt wird und das Ganze ein mitreißendes Finale erfahren darf. Hinzu kommt noch der wohl der storybedingt emotionalste Filmkuss der letzten Jahre und fertig ist ein nahezu perfekter, emotionaler Mysterythriller.

  5. #5
    Admin Avatar von Matt
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    AW: The Adjustment Bureau

    Mich würde mal interessieren, was du zur o.a. Aussage von Daniel Kothenschulte sagst?
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  6. #6
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: The Adjustment Bureau

    Der kann ich uneingeschränkt zustimmen!

  7. #7
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    AW: The Adjustment Bureau

    Ich möchte noch anmerken, dass der Kot im Namen hat!

    KNOCK KNOCK KNOCK - Mugon no kuukan o daite
    Kabe o tataite wa mogaku yo - Daiji na serifu nani mo ienai mama

  8. #8
    laertes
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    AW: The Adjustment Bureau

    ich will mir den auch noch anschauen. bei rt über 70% positive reviews.

  9. #9
    Regisseur
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    AW: The Adjustment Bureau

    Schön, wenn das Topic nochmal hochgespült wird, denn ich wollte damals schon unbedingt diesen Satz, der wahrer nicht sein kann, von KeyzerSoze kommentieren:
    Selten hat man einem verliebten Pärchen ihre Gefühle so abgenommen wie Damon und Blunt in diesem Werk und umso mehr fiebert der Zuschauer natürlich mit den Beiden mit
    Dem kann ich nur ein dreifach donnerndes Ditto mit Narhallamarsch und Sahnehäubchen und Schleifchen obendrauf hinzufügen, denn dieser Aspekt, neben den Engeln und ihrer Techniken, wars was mir den Film von Anfang an so zu Herzen brachte. Ich liebe den Film einfach ungemein. Und daß obwohl ich ja mit Matt Damons sonstigenm Schauspielkünsten und Screen Presence oft nicht einverstanden bin, weil er mir wie ein schauspielerischer Leichtmatrose (a.k.a. Schauspielmilchbubi) daherkommt. Aber in DER PLAN, auch wegen der Chemie mit dem weiblichen Deckelchen ist er einfach wunderbar und bei TRUE GRIT war für mich Matt Damons Texas Ranger sogar das Highlight des Films (selbst in der Synchro mit herrlich lakonischem Südstaatenslang gesegnet) und grade seine Figur brachte auch, neben freilich der Inszenierung, den Witz in meine Filme, also TRUE GRIT und eben DER PLAN.

  10. #10
    laertes
    Gast

    AW: The Adjustment Bureau

    wunderschöner film. der meines erachtens sowohl wolfes lesart (gottes vorherbestimmung, die menschlichen willen und entscheidung zulässt) als auch matts (kothenschultes) lesart (manifest des atheismus: es gibt keine vorherbestimmung, sondern nur dich und deine entscheidungen) zulässt. letztlich natürlich starker bezug zur chaostheorie (stichwort: verschütteter kaffee und seine folgen).

    wirklich eine nette grundidee, die schauspieler überzeugen allesamt, es gibt keine längen, die musik ist so passend, dass sie perfekt mit bild und geschichte verschmilzt - und was mir besonders positiv aufgefallen ist: die rolle des adjustment bureaus (sind's die guten? oder die böse? oder was ganz anderes?) ist von anfang bis zur 'auflösung' unklar, was die spannung bis zum ende aufrecht erhält.

    sehenswert.
    Geändert von laertes (19.07.2011 um 22:15 Uhr)

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