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Thema: Die kommenden Tage

  1. #1
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    Die kommenden Tage

    IMDB

    Regie: Lars Kraume (KDD - Kriminaldauerdienst, Keine Lieder über Liebe)
    Cast: Bernadette Heerwagen (Joy Division), Johanna Wokalek (Barfuss), August Diehl (Salt), Daniel Brühl (Inglorious Basterds), Jürgen Vogel (Keine Lieder über Liebe), Sebastian Blomberg (Das letzte Schweigen), Ernst Stötzner (This is Love), Susanne Lothar (The Reader), Mehdi Nebbou (Body of Lies), Vincent Redetzki (Operation Valkyrie)






    Der einzig angeborene Irrtum des Menschen ist der, dass wir glauben wir leben um glücklich zu sein.

    Einer der meisterwartesten Filme in diesen Monaten für mich und ich bin auch durchaus sehr angetan von dem Film. Zwar hat mir der Trailer ein wenig einen falschen Eindruck gemacht, aber ich wurde von dieser sehr tristen Zukunftsvision von Lars Kraume mehr als nur überzeugt. Die komplexe Geschichte gefällt, die Figuren sind zum greifen nah und gerade in den emotionalen Momenten versteht Kraume wie schon in Keine Lieder über Liebe sein Gespür für lebensnahe Figuren. Hervorzuheben ganz klar die erste Szene im Krankenhaus und die darauf folgenden Minuten: Gänsehaut pur! Die starbesetzte Darstellerriege gefällt, wobei Johanna Wokalek einmal mehr den Zuschauer umhaut und auch die für mich bislang gänzlich unbekannte Bernadette Heerwagen sich in der Hauptrolle für weitere Werke empfehlen kann. Für deutsche Verhältnisse sicherlich ein sehr ungewöhnlicher Film, der vor Ideen und Szenarien nur sprüht, ja fast schon ein wenig zu sehr sprüht, denn wenn ich dem Film etwas anlasten kann, dann dass er zu viel in zu kurzer Zeit will. Ich denke eine Mini-Serie wäre das bessere Format für die Geschichte gewesen, aber auch so ein sehr empfehlenswerter Film.

    Vergleichbarer Film: Children of Men


    PS: Das Ding scheint ja sehr gut zu laufen ... war die einzige Person im Kinosaal.

  2. #2
    laertes
    Gast

    AW: Die kommenden Tage

    habe den film eben gesehen. zur mm-kritik möchte ich anmerken, dass der dort verwendete begriff der "utopie" hier nicht passt. richtigerweise sollte stattdessen der gegenbegriff "dystopie" verwendung finden, da die geschilderten zukünftigen gesellschaftlichen verhältnisse eine im großen und ganzen negative entwicklung erfahren haben.

    der film ist sehr gut gemacht. über die schauspielerleistungen muss man kein wort verlieren - ganz stark.

    die inhaltliche stärke des films ist vor allem seine ausgewogenheit. so verzichtet er auf eine einseitige darstellung der verhältnisse (ganz im sinne des doktorthemas seiner hauptfigur, der evolution), indem er das ringen der gesellschaftlichen kräfte miteinander und deren auswirkungen und reaktionen auf einander schildert, ohne der einen oder anderen pauschal den vorzug einzuräumen. im zuge der revolutionären bewegungen bricht - realistischerweise! - nicht sofort das ganze system zusammen, sondern bleibt bestehen. es bekommt aber kratzer und reagiert auf diese mit zunehmender überwachung und stärkerem druck, der wiederum eine heftigere gegenbewegung nach sich zieht, usw. aber das ganze verläuft nicht trennscharf, und schon bald sind gut und böse nicht mehr zu trennen, insbesondere wenn die revolutionäre zu mördern werden und das system seine fehler erkennt und sich bspw. durch die errichtung von photovoltaik-anlagen von der öl-abhängigkeit zu lösen versucht, es also quasi 'dazulernt'.

    großartig dabei auch die idee, die gesellschaftlichen verhältnisse auch durch die innerfamiliären spannungen einerseits - die eine schwester revolutionärin, die andere bürgerlich, der bruder soldat, der vater konzern-anwalt - und den diese rollen gleichwohl überbrückenden zusammenhalt anderseits zu spiegeln.

    ich halte die kommenden tage für den intelligenten versuch, vor einer möglichen entwicklung der verhältnisse zu warnen. der film lässt viele deutungen zu, und insbesondere die letzte szene, als die beiden vor der verschlossenen grenze stehen, macht klar, dass nicht in der kunst, sondern im echten leben das nächste wort gesprochen werden muss: wir entscheiden, wie es weitergeht.

    p.s.:
    nachdem ich in relativ kurzer zeit unknown identity, kdd und die kommenden tage gesehen habe, muss ich die für mich ungewohnte feststellung treffen, dass filme durch die verwendung von realen und mir bekannten schauplätzen ungemein an intensität gewinnen. ich wohne in der nähe des viktoria-luise-parks und fand den vorher-nachher-vergleich sehr eindrücklich...
    Geändert von laertes (12.05.2011 um 01:44 Uhr)

  3. #3
    Regisseur
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    Ort
    Stuttgart
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    4.998

    AW: Die kommenden Tage

    Der Hinweis mit der Dystopie ist selbstverständlich korrekt. Danke dafür Laertes. Ansonsten nehme ich aber nichts zurück. Es fällt mir schwer, heute noch frisch zu argumentieren, da es eine Weile her ist, dass ich den Film gesehen habe, aber in erster Linie das absurde Ende und noch einige andere Dinge, in denen der Dramatisierung ein höherer Stellenwert als der Glaubwürdigkeit eingeräumt wird, haben mich extrem gestört. Und ich bin normalerweise durchaus empfänglich für Zukunftsvisionen.
    Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.


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