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Thema: Auschwitz (2011)

  1. #1
    laertes
    Gast

    Auschwitz (2011)

    bevor ich gleich kotzen gehe, eröffne ich noch schnell dieses topic und hoffe auf rege diskussion, insbesondere sobald uwe bolls angekündigter film auschwitz rausgekommen sein wird (übrigens ein dank an die moviecops für den hinweis).

    wobei ich ernstlich hoffe, dass dies nie der fall sein wird, da ich dem machwerker uwe boll nicht zutraue, überhaupt nur verstanden zu haben, was auschwitz bedeutet, geschweige denn, daraus einen film zu machen.

    was meint ihr: darf der das? sollte man geld sammeln und es ihm geben mit der bitte, im gegenzug auf den film zu verzichten?

  2. #2
    laertes
    Gast

    AW: Auschwitz (von Uwe Boll)

    p.s.:
    sollte es dieses topic bereits geben und die suchfunktion mich mal wieder verarscht haben, bitte ich um vergebung und entfernung des beitrags.

  3. #3
    Regisseur Avatar von CallMeDude
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    AW: Auschwitz (von Uwe Boll)

    Ich finde schon, dass Uwe Boll oder sonst wer einen solchen Film machen darf, nur muss man den Film dann nicht gut finden und der Urheber muss sich die Kritik gefallen lassen, dass er mit Absicht ein provokantes Thema gewählt hat, um seinen Namen bzw. seine Werke wieder ins Gespräch zu bringen.
    Out of order for a long time ago.

  4. #4
    laertes
    Gast

    AW: Auschwitz (von Uwe Boll)

    die shoah ist kein "provokantes thema" sondern ein unsteigerbares, einzigartiges verbrechen der menschheit an der menschheit, an dem jede kunst scheitern muss. und erst recht uwe bolls nicht-kunst.

  5. #5
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: Auschwitz (von Uwe Boll)

    Uwe Boll über den Film...

    Oh je, oh je... ich prognostiziere mal vorab, dass der Film nicht der große Skandal wird, als der er jetzt gehandelt wird. In dem oben verlinkten Interview betont Boll den Ansatz, den bürokratischen Apparat hinter dem Vernichtungslager darzustellen. Die Idee ist ja nicht grundsätzlich dumm. Da sich Boll aber narzisstisch wie immer geriert, liegt die Vermutung nahe, dass es ihm nicht wirklich um einen guten Film oder das Thema an sich geht, sondern dass er mit Gewalt den ersehnten Status als ernstzunehmender Regisseur herbeizwingen will. Mittlerweile finde ich sein frustriertes Herumtoben eigentlich nur noch bemitleidenswert. Er versteht einfach nicht, dass sich zwischen den Extremen "Schrott" und "Meisterwerk" noch unüberschaubare Weiten an "Mittelmaß" auftun. Und weil manche seiner Filme nicht mehr so schlecht sind wie Alone in the Dark und Co., denkt er nun, er sei direkt im Olymp angekommen und könne dort die schwierigsten und heikelsten Themen handhaben.

    Er hat leider absolut kein Gespür für feine ästhetische Ausdifferenzierungen oder Verfremdungsstrategien. Die Gleichung lautet für ihn: "Realistische Darstellung = Guter Film = Wichtiger Beitrag". Das Darstellungstabu, an das er mit diesem Film rührt, ist ihm wohl gar nicht bewusst. Einfach alles knallhart zeigen, so wie es vermeintlich "wirklich war", das ist die Maxime. Da klingt so ein brecheiserner Aufklärertum-Dünkel durch, eine theoretische Aufarbeitung hinsichtlich des "Wie" der Darstellung hat da sicherlich nur ganz oberflächlich stattgefunden. Von seiner "politisch-realistischen" Schaffensphase kenne ich nur Stoic, da geht er ja ähnlich vor. Uwe Boll erklärt uns die Menscheit, Uwe Boll erklärt uns Auschwitz, Uwe Boll erklärt uns das Böse.

    Darf der das? Ja. Soll und kann der das? Sicher nicht.
    Geändert von Daniel (15.09.2010 um 22:41 Uhr)

  6. #6
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: Auschwitz (von Uwe Boll)

    Zitat Zitat von laertesdd Beitrag anzeigen
    die shoah ist kein "provokantes thema" sondern ein unsteigerbares, einzigartiges verbrechen der menschheit an der menschheit, an dem jede kunst scheitern muss. und erst recht uwe bolls nicht-kunst.
    Ich habe diese Singularitätsbestimmung nie ganz nachvollziehen können. Zeitgeschichtlich ist das sicher zutreffend, was die schiere Masse an ermordeten Menschen und die kalte Mechanik der "Organisation" dieses Massenmordes angeht. Aber diese Bestimmung hat einen zeitlich losgelösten Allgemeingültigkeitsanspruch. Das hat für mich so einen merkwürdigen metaphysischen Beigeschmack, als wäre das absolut Böse auf der Erde gewandelt, dass jetzt eben nicht mehr "steigerbar" ist. Mich würde interessieren, was du in diesem Zusammenhang unter dem "Scheitern der Kunst" verstehst. Wenn du damit meinst, dass es keiner Kunst möglich ist, den Holocaust in seiner Gesamtheit irgendwie rational begreifbar, die Natur der Grausamkeit nachvollziehbar zu machen, dann stimme ich zu.

    Im Grunde müssten wir aber mal vor der Negativbestimmung anfangen und definieren, wo und wie Kunst bei irgendetwas erfolgreich sein kann bzw. wie dieser Erfolg auszusehen hat. Scheitern kann man nur dort, wo man zumindest theoretisch auch Erfolg haben könnte. Wie muss Kunst erfolgreich sein?
    Geändert von Daniel (15.09.2010 um 23:10 Uhr)

  7. #7
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: Auschwitz (von Uwe Boll)

    Hier ein paar lustige Zitate aus dem im Boll-Topic verlinkten Radio-Interview:

    In Zeiten, wo ein iranischer Staatspräsident sagt, es gab gar keinen Holocaust oder 50 Prozent der Leute auf der Welt von Auschwitz oder Holocaust noch nix gehört haben, denke ich isses an der Zeit so nen Film mal zu machen, der damit eben auch den Punkt macht und sagt: So war es, so isses passiert und so sollte es nicht nochmal passieren.
    Und ich hoffe, dass sich Dieter Kosslick da einschaltet und dem Film seinen Platz gibt, den er verdient. Das ist ein sehr wichtiges Thema, und es muss diskutiert und es muss eben auch mal gezeigt werden und es muss bei so nem Festival gezeigt werden. [...]
    Ich denk mit dem Auschwitz-Film muss es passieren, dass die deutschen Filmschaffenden, die wirklich hart dran arbeiten, seit 20 Jahren, mich aus der Branche zu entfernen und es möglich zu machen, dass ich keine Filme drehe, dass die jetzt endlich mal begreifen, nach 24 Filmen, dass sie diesen Kampf gegen mich verloren haben. Ich mache Filme und ich mach auch wichtige Filme und wichtigere Filme als die meisten deutschen Filmregisseure und da muss jetzt auch mal sowas wie die Berlinale dafür herhalten diesen Film zu zeigen und ich hoffe natürlich, dass die Message auch bei Deiter Kosslick ankommt [...]
    (Hervorhebungen von mir)

    Wir lernen:

    1.) Boll zerrt ein bisher wenig diskutiertes und medial stark unterrepräsentiertes Thema - den Holocaust - nach Jahren des Schweigens endlich ans Licht der Öffentlichkeit. Die Auseinandersetzung mit dem Massenmord an Juden kann dank Uwe Boll jetzt endlich beginnen.

    2.) Deutsche Filmschaffende konspirierten in den 1990er Jahren zu dem Zweck, Uwe Bolls filmisches Schaffen zu unterminieren.

    3.) Mit Auschwitz wird Uwe Boll die entscheidende Schlacht in diesem Krieg gegen seine Feinde schlagen. Mit Auschwitz erleben die Boll-Kritiker ihr Waterloo.

    4.) Uwe Boll weiß, wie der Holocaust war und wie er passiert ist. Und Uwe wird's allen zeigen.

  8. #8
    Moderator Moderator Avatar von TheCrow
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    AW: Auschwitz (von Uwe Boll)

    Natürlich ist da Kalkül dabei und dahinter, und natürlich will er Aufmerksamkeit (= Berufs-Voraussetzung)!
    Aber warum soll er so einen Film aus Prinzip nicht drehen dürfen? Warum dürfen andere das doch? Wer hat das zu bestimmen?
    Ich nicht, und deswegen warte ich das Resultat ab. Stoic und Rampage konnten mich beeindrucken (aus verschiedenen Gründen) und haben gedanklich noch lange bei mir nachgewirkt. Das sind zwar auch rein darstellende Filme, welche die Wertung der Geschehnisse dem Zuschauer überlassen...das kann gefährlich sein, und wird von vielen gleich als "billig", "sinnlos", "feige" oder "überflüssig" bezeichnet, doch ich sehe das überhaupt nicht so. Es sind einfach Filme, welche nicht unbekannte Themen oder Tatsachen auf dermassen direkte Art und Weise darstellen, dass sie auf mich mehr Wirkung haben, als die meisten anderen Filme, welche in die gleiche Kerbe schlagen.
    Das ist - wieder einmal - sehr subjektiv, aber so empfinde ich das nun mal und mir gefällt die Richtung, welche Boll seit Postal eingeschlagen hat...und ich finde, dass er darin richtig gut ist. Er liefert mir zwar natürlich keine Offenbarungen, aber gute Gründe bzw. Gelegenheiten mich mal wieder mit einzelnen Themen auseinander zu setzen.
    Warum nicht?
    "Stop breathing!" - The Man in Black
    MovieCops - Filme im Kreuzverhör #76 ist online! (17.09.2017)

  9. #9
    Regisseur Avatar von Julia
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    AW: Auschwitz (von Uwe Boll)

    Soll er das doch machen, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich viele Leute das ansehen werden. Wenn dann nur die falschen Leute. Sich mit dem Thema auseinanderzusetzen ist eigentlich immer gut, nur wie ist die Frage.
    Ich hab mir den Teaser angesehen und musste da schon weggucken, weil ich es einfach nur schrecklich fand wie es dargestellt wurde.

  10. #10
    Moderator Moderator Avatar von TheCrow
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    AW: Auschwitz (von Uwe Boll)

    Zitat Zitat von Julia Beitrag anzeigen
    Wenn dann nur die falschen Leute.
    Vielleicht bin ich eingebildet, als ich sehe mich nicht als Teil dieser falschen Leute und werde mir den Film dennoch ansehen.
    "Stop breathing!" - The Man in Black
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