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Thema: Me & Orson Welles

  1. #1
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    Me & Orson Welles



    ME AND ORSON WELLES
    von Richard Linklater

    U.a. mit Claire Danes, Zac Efron, Christian MacKay, Ben Chaplin, Kelly Reilly


    Zitat Zitat von Dimitrios Athanassiou
    Das Jahr 1937: Niemand denkt daran, dass nur wenige Jahre später ein Wahnsinniger die Welt ins Chaos stürzen wird. Der erst 22-jährige Orson Welles scheint aber ein Gespür für die Dinge zu haben, die da kommen werden. Er studiert mit der Truppe des Mercury Theatre eine Inszenierung des Stückes Julius Caesar ein, die den Faschismus aufs Korn nimmt. Durch Zufall bekommt auch der Schüler Richard eine kleine Rolle im Stück und muss feststellen, dass die schöne Künstlerwelt, wie die Stücke selber, manchmal nicht mehr ist, als eine intrigante Farce.

    Kommt morgen in die Kinos. Habe ihn gestern in der Sneak gesehen und mich sehr gefreut, als ich beim Namen Richard Linklater erkannte, welcher Film kommt. Ein wundervoller Film über die Bühne für die Leinwand, in dem der Charme der 30er-Jahre einem ebenso ein Lächeln auf die Lippen zaubert wie die Ausstrahlung der tollen Claire Danes und die flotten Sprüche von Orson Welles. Christian MacKay, den ich bislang nicht kannte, spielt sehr überzeugend (was im OV noch viel mehr zum Tragen kommt als in der Synchro). Auffallend fand ich, dass der Schauspieler, der den Regisseur und Schauspieler darstellt, während dessen Schauspiels (in dem Fall die Rolle des Brutus) noch eine Schippe draufpackt, die einen wirklich begeistert. Und auch Zac Efron empfand ich in seiner aufgeweckten Rolle als recht angenehm. Es mag an meinen eigenen künstlerischen (literarischen) Ambitionen liegen, aber ich war sehr angetan.

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  2. #2
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    AW: Me & Orson Welles

    Das Kapitel “Orson Welles und ich” nimmt in meiner Biographie bislang keinen allzugroßen Raum ein. Man hat natürlich von seinen bekanntesten Werken in Film- und Tonform gehört, aber noch nicht gesehen, und stand ihm just kurz vor Jahresende gegenüber, in Wachs verewigt. Das war’s auch schon. Insofern könnte ein Film über ihn durchaus interessant und lehrreich sein.

    Umso mehr macht man sich aber auch Gedanken bezüglich den Motiven des OMFEhlers und entdeckt recht schnell einige kleine „Bestechungsversuche“ in Form von angenehmen Erscheinungen: New York, Claire Danes, Marsan, eine Rothaarige... Zufall oder nicht, das wird schon mal positiv aufgenommen.

    Interessant ist jedenfalls die Herangehensweise des Films, denn letztlich ist es keine klassische Biographie über eine berühmte Persönlichkeit, beschrieben wird nur ein ganz kurzer zeitlicher Abschnitt in den Anfängen seines Schaffens, und noch dazu ist die Hauptfigur eigentlich eine ganz andere. Allerdings ist diese letztlich nur dazu da einen Blickwinkel auf OW zu schaffen und der Zuschauer erfährt so doch einiges über den Charakter und das Wirken des so unamerikanisch erscheinenden Welles und darüber hinaus begleitet man auch ein Theaterstück im Entstehen, fiebert teilweise mit und lässt sich auf diese doch eher unbekannte Welt, zeitlich wie thematisch, ein.

    Welles wird hier dargestellt als zuweilen überheblich und exzentrisch, aber auch gleichermaßen brilliant, mit viel Gefühl und Verständnis für das was er tut und für die Kunst und vor allem auch als mutigen Mann. Sein berühmtes Hörspiel über den Angriff aus dem All, dass seinerzeit von vielen Hörern als Realität interpretiert wurde und nur kurze Zeit nach den Ereignissen welche dieser Film zeigt entstand, traut man ihm anfangs gar nicht zu, kann es sich am Ende aber dann doch gut vorstellen. Gezeigt wird auch wie einiges scheinbar zufällig entschieden wurde oder sich eben ergab und nicht immer ein megagenauer großer Masterplan hinter allem steht, doch Welles fand’ scheinbar die perfekte Balance zwischen akribischer Vorplanung und spontaner Veränderung.

    Das Ganze ist gut inszeniert und mit ordentlichen Schauspielern besetzt. Allen voran natürlich der mir bis dahin unbekannte Christian McKay, der rein optisch eine nicht geringe Ähnlichkeit mit dem jungen Welles hat und darüber hinaus auch eine großartige Leistung darbietet. Über Efron kann ich mich auch nicht negativ äußern, seine Figur ist mir zwar nicht gerade übersympathisch, aber das muss es ja auch nicht unbedingt sein. Er erinnerte mich rein optisch mit der Frisur ein wenig an den jungen Rob Lowe. Positiv erwähnenswert auch noch, dass die damalige Zeit von der Ausstattung her gut getroffen wurde, soweit ich das beurteilen kann, zumindest wirkt es so.

    Meine Highlightszene, neben der emotionalen Premierenaufführung, ist der kurze Abschnitt im Radiostudio bei der Aufnahme. Wie sich die Sprecher um das Mikrofon aufgestellt haben, als sei es in dem Moment der Mittelpunkt der Welt, und sich beim Umblättern des Skripts kurz gekonnt vom Tonaufnahmer wegdrehen, während sich die Kamera um sie bewegt, groß.

    Ein Film der sicher nicht sämtliche Fragen der Welles’schen Biographie beantwortet, der aber einen Einblick in seine Anfänge zeigt. Interessant sicher auch für Leute die bei einer Theaterproduktion gerne mal einen Blick hinter die Kulissen und in die Vorbereitungen werfen wollen, zumindest in dramaturgisch überarbeiteter Form.

    Allerdings hat mir die große emotionale Bindung zum Film und den Figuren gefehlt. Zumindest über die komplette Laufzeit, in Ansätzen war es gelegentlich da. So dass es aber immerhin zu sehr soliden 7/10 Punkten reicht.
    The bad news is, we did an X-ray, and your body is full of a spooky skeleton man.

    Last watched movies [letzte Änderung: 18. September 2017]

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