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Thema: The Shape of Things

  1. #1
    Bob
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    The Shape of Things

    mein rat: nichts vorher durchlesen, einfach angucken.

    spoiler auf poster (tagline), dvd (tagline) und im ersten satz der inhaltsangabe auf Moviemaze. wird schwierig nicht getroffen zu werden, ich schweige mich da mal komplett aus. guter film. ist mit Paul Rudd und Rachel Weisz in den hauptrollen, so viel darf verraten werden.
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  2. #2
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    AW: The Shape of Things

    Ok, setze ihn blind mal auf's abendliche Programm.

  3. #3
    Bob
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    AW: The Shape of Things

    cool, da bin ich mal gespannt, ob er dir zusagen wird. rechne mit deinem feedback dann so nach mitternacht.
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  4. #4
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    AW: The Shape of Things

    Habe mir den Film auf dein Anraten hin angesehen.





    Erstmal danke für deine Spoiler-Warnungen, die Tagline ist ja schon verräterisch. Habe sie mir natürlich erst hinterher angesehen.

    Vorweg: Fand den Film gut, die finale Enthüllung habe ich in dieser Form nicht kommen sehen (obwohl mir klar war, dass es irgendeine Wendung geben muss). Erste rohe emotionale Reaktion war ein auf Rachel Weisz gerichtetes Bitchslap-Bedürfnis. Der Film hat mich bisweilen an Closer erinnert.

    Ein paar Gedanken: Der Film hat sicherlich mehrere Wirkungsebenen. Die erste, unmittelbare, löste bei mir Empörung aus und hängt, denke ich, stark damit zusammen, in welchem Maß der Zuschauer emotional in Paul Rudds Figur investiert und sich mit ihm identifiziert. Das ist von LaBute extrem clever gemacht, indem er Rudd als sympathischen Nerd einführt, der seine Autoritäts-Position als Aufseher nicht machtgeil ausspielt, sondern eher widerwillig in diese schlüpft und dann auch noch zu Gunsten eines rebellischen Aktes aufgibt. Ab diesem Zeitpunkt ist man als Zuschauer wohl auf der Seite von Rudd und wird daher am Ende vermutlich das emotionale Co-Opfer von Weisz' Inszenierung.

    Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Film auf der zweiten, reflexiven Ebene so gut funktioniert wie auf der ersten. Vielleicht aber doch. Mal sehen. Meiner Ansicht verwirrt der Film seine Wirkebenen abichtlich, wobei die vorgeblich zentrale (die reflexive, die durch das Kunstprojekt enthüllt wird) nicht so gut funktioniert wie die emotionale.

    Was will Evelyn mit ihrem "Projekt" eigentlich zeigen? Dass Menschen manipulierbar sind, dass sie sich für einen potentiellen Partner gerne attraktiver machen? Geschenkt. Das die (Konsum-)Gesellschaft von Oberflächlichkeiten fasziniert ist, von der äußeren "Form der Dinge"? Auch das halte ich für keine revolutionäre Erkenntnis, die man mit großem berechnenden Aufwand enthüllen müsste.

    Eine der Ironien des Films ist, dass Evelyns Kunstprojekt selbst inhaltlich eher schwach ist und hauptsächlich der Form wegen interessant. Für die emotionale Wirkung des Films spielt es - meiner Meinung nach - letztlich nur eine geringe Rolle, dass Adam sich verändert hat. Für den Plot ist die Veränderung zwar wichtig, aber wenn Adam am Ende die gleiche Person wäre wie am Anfang (also Evelyns Projekt im Kern gescheitert), wäre Evelyns Enthüllung der vorgetäuschten Beziehung doch ebenso verstörend oder zumindest auf eine vergleichbare Weise. Die Form ist interessant: Darf der Mensch selbst unwissend zu einem Kunstprojekt gemacht werden? Auf welche Weise das geschieht, halte ich ehrlich gesagt für sekundär. Skandalös sind viel weniger die positiven wie negativen Veränderungen, die Evelyn durch Suggestion in Gang gesetzt hat, als die verschwendete(?) Zeit, die Adam in eine nur scheinbar existierende Beziehung investiert hat.

    Von mir bekäme Evelyn auf ihr Kunstprojekt also mal mindestens eine Fünf mit der Begründung "Trivialer Inhalt", aber dann muss ich einen Schritt weitergehen und sagen, dass die Qualität von Evelyns ärgerlicher Kunst nicht mit der Qualität des Films gleichzusetzen ist. Das Projekt ist wahrscheinlich auf den zweiten Blick nicht so clever und subversiv wie es auf den ersten scheinen mag, was den Film angeht verhält es sich aber eventuell umgekehrt. Die Frage nach der Warenqualität eines Menschen und dem Grad der Gestaltbarkeit menschlichen Lebens, des Körpers und der Psyche, wirft der Film ja so oder so auf. Das sind schon interessante Fragen, insofern kann ich den Film auch nicht schlecht finden. Hier liefert LaBute aber wiederum wenige psychologische Anhaltspunkte. Adam verändert sich halt, weil Evelyn das so suggeriert und Adam manipulierbar ist. Adam ist schwach, die Menschheit ist schlecht. Ende der Erklärung.

    Ich persönlich fand es allerdings merkwürdig, dass er sich plötzlich an der Nase operieren lässt und dann auch noch seine Freunde aufgibt. Dass Evelyn letzteres fordert, ist aber psychologisch wenigstens im Ansatz nachvollziehbar und hat eine zumindest theoretische Motivation innerhalb der (freilich nicht-existenten) Beziehung. Die Figur des Freundes ist absichtlich als Idiot angelegt. Mal ehrlich, so nen richtig duften Kumpel würde Adam da nicht verlieren, wenn er den einfach nicht mehr trifft. Der schien mir doch ziemlich dumpf und indifferent durchs Leben zu wanken. Und Jenny hat Adam halt geküsst. Da kann man als eifersüchtiger Partner schonmal Kontaktabbruch fordern. Halte ich für keine gute Lösung, aber ich kenne Manipulationen im wahren Leben, die sind viel tiefgreifender. Hat Evelyn also erfolgreich manipuliert? Ja. War das eine große künstlerische Leistung, die außergewöhnliche Menschenkenntnis und Jedi-Kräfte erfordert und zudem noch ein neues Stück Wahrheit über die Welt enthüllt? Eher nicht.

    Insgesamt aber ein guter Film mit der ein oder anderen Schwäche, meiner Meinung nach. Regt zum Nachdenken an. Werde jetzt erstmal ein paar Freunde absägen.

    ______________________________

    Geändert von Daniel (18.08.2010 um 04:09 Uhr)

  5. #5
    Ali
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    AW: The Shape of Things

    ok, das mit "das leben ist mal so und mal so" aus dem walk of fame-thread nehme ich zurück. der film scheint doch ein wenig anders zu sein.


    ein twist

    danke für die warnung, daniel.

  6. #6
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    AW: The Shape of Things



    Jo, fand ihn auch ganz gut und würde Daniels Meinung so in etwa unterstreichen. Den Schlusstwist fand ich auch nur in der Hinsicht gelungen, als dass man sich über die moralische Grenzziehung zwischen Kunst und Privatleben Gedanken macht. Aber das Projekt selbst sagte imo nicht wirklich etwas revolutionär Neues aus. Fand es aber trotzdem ganz amüsant, als sich Adam am Ende in seiner eigenen Kunstgalerie wieder findet. Hatte definitiv was!

    Mein eigentliches Problem mit den Film hängt jedoch eher mit seiner Erzählstruktur zusammen. Die einzelnen Szenen sind ja zeitlich alle recht ausgedehnt und von der Anzahl wohl an zwei Händen abzuzählen. Wie ich im Bobs Walk-of-Fame-Topic erfahren durfte, hängt das wohl damit zusammen, dass es sich um ein adaptierte Theaterstück handelt. Normalerweise habe ich auch gar nichts gegen solch lange Szenendauern (kennt man auch von Tarantino), bei diesem Film ging das Konzept bei mir jedoch nicht ganz auf: Zum einen fand ich die Charaktere nicht derart interessant, dass ich mir die ganze Zeit ihre Beziehungsprobleme anhören wollte, und zum anderen fiel meiner Meinung nach der eigentliche Manipulationsprozess Evelyn etwas zu kurz. Jedenfalls konnte letzterer ja auf diese Weise nur an 3-4 Szenen festgemacht werden, was bei mir dann in der Summe zu wenig überzeugend schien.

    Aber insgesamt doch recht originelle Filmidee, die mich auch etwas an Hitchcocks Rope erinnerte - jedenfalls was die Schlusskonfrontation betrifft. Habe es also definitiv nicht bereut mir ihn anzusehen!

  7. #7
    Bob
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    AW: The Shape of Things



    Zitat Zitat von Daniel Beitrag anzeigen
    Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Film auf der zweiten, reflexiven Ebene so gut funktioniert wie auf der ersten. Vielleicht aber doch. Mal sehen.
    das war auch so einer meiner ersten gedanken nach dem film. bin ich mir auch nicht sicher. ein zweiter fokus wird wohl ausschließlich auf den reaktionen von Weisz liegen. rückblickend fallen mir da ein paar emotionale reaktionen ein, die von unsicherheit zeugen (zB die sequenz nach dem besuch dieser feministischen 'aktions-künstlerin': da wird für einen moment der ganze film offen besprochen, Rudd's figur findet diesen intimen blick eher abstoßend, worauf Weisz sehr gekränkt reagiert und ihr projekt offensichtlich in frage gestellt sieht).
    aber es scheint wohl sicher, dass der film nach dem ersten mal nicht mehr seinen finalen 'impact' erreichen kann. ich war sogar auf eine art rom-com eingestellt und dann erst mal von der präsentation in seperaten szenen positiv überracht. um hier Pitts störfaktor aufzugreifen: gerade das fand ich sehr spannend und auch ein starkes werkzeug, um einen kleinen sozialen raum zu beleuchten. eigentlich hat sich alles über diese dialog-gesteuerte fragmente erschließen lassen, man hat auch ohne zeitangabe den leeren raum zwischen den einzelnen abschnitten gespürt.

    Zitat Zitat von Daniel Beitrag anzeigen
    Die Figur des Freundes ist absichtlich als Idiot angelegt. Mal ehrlich, so nen richtig duften Kumpel würde Adam da nicht verlieren, wenn er den einfach nicht mehr trifft. Der schien mir doch ziemlich dumpf und indifferent durchs Leben zu wanken.
    da habe ich eine andere ansicht. nach seinem ersten auftritt würde ich dir zustimmen: blödes riesenarschloch. ich dachte sogar für einen kurzen moment, dass der der Weisz eine auf die nase zimmert (gut, wäre rückblickend gar nicht so übel gewesen ). aber gegen ende hatte der charakter dann doch meine volle sympathie, vor allen nach einem der letzten sequenzen (unter dem baum mit dem fahrad). der macht erstens kein riesendrama aus der tatsache, dass sein kumpel seine freundin geküsst hat und bliebt erst mal locker. zweitens schätze ich menschen, die nicht lange um den heißen brei herum reden, sondern sofort konfrontieren. aus eigener erfahrung weiß ich, dass nicht jeder mit so direkten menschen zurecht kommt, aber ich nenne selbst einen ähnlichen charakter zum freund, der mich mit seinem mangelnden einfühlungsvermögen (oder dem unwille dazu) schon das ein oder andere mal auf den boden der tatsachen gebracht hat.
    aber gut, das ist eine sehr persönliche ansicht.

    nun zu dem großen rest eurer beiden postings:

    sehr interessant und hilfreich, da ich mit dem kunst-aspekt gar nicht so wirklich zurecht gekommen bin. für mich hat sich das auf erfahrungen gestützt - wiederum sehr persönlich - bei denen sich freunde wirklich entfremdet haben. ganz stark bei einem zu beobachten, der - ähnlich wie im film - jahrelang keine freundin hatte und dann quasi über nacht feuer und flamme gefangen hatte und sich auch nicht mehr wirklich blicken ließ. da waren dann charakter-züge zu beobachten, die nicht mehr im einklang mit der vorherigen person standen. da hatte der film ein paar sehr treffende dialoge. zB dieses lamentieren eines singles gegenüber einem paar, er würde 'niemals heiraten' oder sprüche dieser art. die entspringen wohl einer art selbstschutz, um sich nicht 24/7 wegen einem fehlenden partner schämen zu müssen (na gut, jetzt etwas überspitzt ausgedrückt). wenn diese single-propaganda bei der ersten gelegenheit (= frau) verpufft, mutet das schon bedenklich an. habe ich aber selbst so erlebt, von daher lag mein ganzer fokus auf diesem aspekt und ich habe sachen wie die schönheitsoperation als bewusste überspitzung wahrgenommen (insofern habe ich auch die enthüllung der motive noch nicht mal ansatzweise gerochen).

    aber gerade die finale sequenz pocht ja mehr in eure interpretations-richtung. um das mal spontan weiterzuspinnen: vielleicht sollte man den gegenstand der kunst wirklich ganz direkt auf den film übertragen. wir als zuschauer sind ja alle zeuge dieser vorführung und haben den prozess ganz im sinne von Weisz' figur verfolgt, wurden sogar selbst opfer einer manipulation. wenn man das nochmals weiter spinnt, könnte man das als kritischen blick auf andere filme sehen, die einen entwicklungsprozess durch verschönerung inszenieren (mauerblümchen wird zum pop-star / größter geek einer schule wandelt sich zum beliebtesten), ohne das ergebnis zu hinterfragen bzw. dieses sogar noch als positiv hinzustellen. die aufgeworfene frage des films wäre dann: darf kunst den menschen zu einem spielball machen?

    abschließend noch zwei weitere film-tipps von LaBute, falls interesse besteht: In the Company of Men und Your Friends & Neighbors. die sind ganz genauso inszeniert, nur kommen ohne twist aus. diese kratzen sehr direkt an der menschlichen...korrigiere: männlichen psyche und das ohne die widerwärtigsten gedankenspiele auszulassen. insofern gehen die noch um einige schritte mehr in richtung 'die Menschheit ist schlecht'. vor allem Your Friends & Neighbors hat mich da mit einem schlag in die magengegend entlassen.

    Zitat Zitat von Daniel Beitrag anzeigen
    Insgesamt aber ein guter Film mit der ein oder anderen Schwäche, meiner Meinung nach. Regt zum Nachdenken an. Werde jetzt erstmal ein paar Freunde absägen.
    gutes fazit.

    p.s. Closer ist notiert, ich danke.

    p.p.s. habt ihr euch gedanken über den einzig wahren spruch von Weisz gemacht? habe da zwei theorien: a) I Love you (not??), denn das wurde irgendwie durch das finale bild suggeriert. b) etwas wie: I like the shape of your penis , was eine brücke zum intro schlagen würde, da wir den penis nicht sehen und die referenz dazu nicht hören. würde mir auch gefallen.

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  8. #8
    Bob
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    AW: The Shape of Things

    noch ein paar weitere gedanken:



    dem aspekt 'mensch als kunstobjekt' hätte ich doch viel mehr beachten sollen, das wurde mir eben erst durch eure kommentare bewusst. alleine schon die abfolge der veränderungen verweisen eigentlich mit ausrufezeichen darauf: zuerst die neue frisur, neue klamotten -> künstliche bearbeitung der hülle; dann die tätowierung: kunst direkt auf der haut; nasen-o.p.: kunstgriff im inneren des menschen.
    insofern hätte man Weisz' figur noch etwas menschlichkeit einräumen können, hätte sie nach dem wissen über die tätowierung von der o.p. abgeraten, schließlich hat sie damit indirekt schon eines ihrer visuellen ziele direkt am körper erreicht. aber das war ihr wohl nicht extrem genug.

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  9. #9
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    Zitat Zitat von Bob Beitrag anzeigen
    aber gegen ende hatte der charakter dann doch meine volle sympathie, vor allen nach einem der letzten sequenzen (unter dem baum mit dem fahrad). der macht erstens kein riesendrama aus der tatsache, dass sein kumpel seine freundin geküsst hat und bliebt erst mal locker.
    Stimmt schon, dass der Charakter zunehmend Pluspunkte sammelt. Seine lockere Reaktion nach der Kuss-Geschichte fand ich irgendwie auch sympathisch, aber da war auch so eine unschöne Prise Ignoranz beigemischt, die man eventuell aber auch als entspannte Toleranz lesen könnte. Letztlich ist seine Figur zumindest authentisch und unverstellt.

    wir als zuschauer sind ja alle zeuge dieser vorführung und haben den prozess ganz im sinne von Weisz' figur verfolgt, wurden sogar selbst opfer einer manipulation. wenn man das nochmals weiter spinnt, könnte man das als kritischen blick auf andere filme sehen, die einen entwicklungsprozess durch verschönerung inszenieren (mauerblümchen wird zum pop-star / größter geek einer schule wandelt sich zum beliebtesten), ohne das ergebnis zu hinterfragen bzw. dieses sogar noch als positiv hinzustellen. die aufgeworfene frage des films wäre dann: darf kunst den menschen zu einem spielball machen?
    Das Programm könnte lauten: Erkenntnisgewinn durch eine schmerzhafte Erfahrung. Fraglich, ob man jemandem die schmerzhafte Erfahrung aufzwingen darf. Musste da auch gerade an V for Vendetta denken, als V Evey einkerkert. Auch so eine Scharade zur Bewusstseinsveränderung.

    Diese Makeover-Geschichten nach dem Muster "Mauerblümchen wird Prom-Queen" sind natürlich eklig und scheitern schon an der simplen Tatsache, dass durch die Brille, die fettigen Haaren und die Sack-Klamotten schon zu Beginn die schönheitskonforme Hollywood-Actrice durchschimmert. Echte Abweichungen von Schönheitsidealen werden dem Zuschauer ja gar nicht zugemutet. Die hässlich geschminkten Schauspieler sind meist bekannt und der Zuschauer weiß, wie sie tatsächlich aussehen. Dieser Plot-Trend nimmt aber, glaube ich, im Spielfilmbereich ab. Dafür gibts jetzt "glücklicherweise" Doku-Soaps.

    Um nochmal auf den Anfang zurück zu kommen: Das der Skulptur künstlich hinzugefügte Blatt verhüllt etwas Natürliches, den Penis, der aber irgendwie als Affront aufgefasst wird und deshalb versteckt wird. Der Film scheint zu sagen, dass die Unangepasstheit an das Ideal das "Natürliche" ist, das Weisz' Figur durch Manipulation (das Blatt) zunächst verhüllt. Makeover-Filme nach dem o.g. Muster machen dann hier halt und lassen den Zuschauer mit einer verzerrten Realitätswahrnehmung alleine. Der Akt der Enthüllung (Kunstprojekt) ist dann ein Regelverstoß (Sprayen), der irgendetwas kaputt macht, aber zumindest die Wahrheit ans Licht bringt. Finde weiterhin, dass die Manipulation viel zu leicht gelingt, aber vielleicht sagt das auch nur etwas über die Mechanismen der Anpassung aus, die so gut funktionieren, dass man gar nicht mit viel Aufwand in sie hinein gezwungen werden muss. Das Beispiel des sich abkapselnden Freundes ist gut. Die Angst, den Partner wieder zu verlieren, führt zur Anpassung an das Idealbild, das man dem Partner und der Gesellschaft unterstellt. Vermutlich ist das aber bis zu einem gewissen Grad ein natürlicher Prozess.

    Vielleicht sollte man die Handlung aber wirklich nicht individualpsychologisch lesen, sondern die Interpretation weiter fassen. Wie du schon angedeutet hast, ist die ganze Medienwelt ein riesiges Blatt, das unrealistische Schönheitsideale vermittelt und auch verzerrte Vorstellungen davon, was es heißt, ein gutes Leben zu führen. Die alte Forderung an die Kunst, dass sie schön, wahr und gut sein soll, lässt sich quasi auf die Forderung redizieren, dass sie wahr sein soll. Der Künstler soll die wirkenden Mechanismen zu Bewusstsein bringen, zu denen man sich eben nur dann bestätigend oder ablehnend verhalten kann: wenn sie "enthüllt" und damit bewusst sind.

    p.p.s. habt ihr euch gedanken über den einzig wahren spruch von Weisz gemacht? habe da zwei theorien: a) I Love you (not??), denn das wurde irgendwie durch das finale bild suggeriert. b) etwas wie: I like the shape of your penis , was eine brücke zum intro schlagen würde, da wir den penis nicht sehen und die referenz dazu nicht hören. würde mir auch gefallen.
    Denke auch, dass es sich hier um ein Stück wahre Emotion gehandelt haben wird, wie immer die ausgesehen hat. Vielleicht nicht grad Liebe, aber mindestens ein schönes Kompliment. Sie als "Gestalterin" kann sich nicht davor schützen, dass das "Objekt" einen rückwirkenden Einfluss ausübt. Gestaltung ist halt nicht einseitig, man gestaltet und wird dadurch auch selbst verändert.

    Geändert von Daniel (18.08.2010 um 17:44 Uhr)

  10. #10
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    AW: The Shape of Things



    Der Akt der Enthüllung (Kunstprojekt) ist dann ein Regelverstoß (Sprayen), der irgendetwas kaputt macht, aber zumindest die Wahrheit ans Licht bringt.
    Ich zitiere mich selbst, um dazu noch etwas zu ergänzen:

    @Bob: Deine Reaktion auf den Charakter des Freundes nach dem ersten Streit mit Weisz war ja offenbar auch ablehnend bis verärgert. Das kommt wohl daher, dass er im Verlauf dieses Streits als moralisierender Kleingeist gezeichnet wird, und der durchschnittlich liberale Zuschauer teilt vermutlich Weisz' Aufregung: "So ein Quatsch, von wegen Vandalismus - das war ein notwendiger und guter Akt der Rebellion." Man fühlt sich irgendwie liberaler, offener und besser als er.

    Interessant ist, dass ich mich als Zuschauer, der den Freund in der früheren Situation ziemlich ätzend fand, am Ende in seiner Position wiedergefunden habe. Genauso ablehnend gegenüber Weisz' Performance-Kunst. Ich hatte das Gefühl, das hier gerade ein psychologischer Vandalismus stattgefunden hat. Die emotionale Reaktion funktioniert wahrscheinlich vor allem wg. der Identifikation mit Paul Rudd.

    Insofern macht der Film auf recht clevere Weise direkt spürbar, dass Akzeptanz oder Ablehnung immer an das persönliche Betroffensein gekoppelt sind (sagt der Film ja auch: "alles subjektiv"). Mehr noch, als man sich das eingesteht. Ich als Zuschauer war Paul Rudd, und manipuliert wurden Paul Rudd und ich. Und eine weitere Unterscheidung, die fast automatisch getroffen wird, ist die zwischen Objekt und Mensch.

    Eine sich anschließende Frage lautet, ob Menschen nicht auch zu Objekten werden können, falls man nur die Identifikation mit ihnen unterbindet (der Freund: dumm, ignorant, irgendwie kein vollwertiger Mensch - hätte Weisz die Aktion mit ihm abgezogen, würde ich dann ebenso stark reagieren?). Wenn ich mir diesen Punkt überlege, ist das sogar ganz sicher so. Gibt ja genug Beispiele der Menschheitsgeschichte, wo das "fellow human being" seinen Personenstatus aberkannt bekommt und nur noch als Objekt behandelt wird. Schwarze, Juden, Behinderte, Frauen... wurden oder werden sogar noch immer so behandelt.

    Das ist vielleicht einer der interessantesten Punkte des Films: Die Kopplung von Identifikation mit der Reaktion auf die Behandlung einer Person, wenn diese Identifikation stattfindet oder wegfällt. Die Frage, ob man handelndes Subjekt ist oder zum Objekt gemacht wird.

    Geändert von Daniel (18.08.2010 um 18:55 Uhr)

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