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Thema: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)

  1. #1
    Regisseur Avatar von Pitt
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    The Ghost Writer (Der Ghostwriter)



    Das Interesse für Polanskis neusten Film scheint ja hier riesig zu sein. Hab ihn mir gestern angeschaut und fand ihn von einem inszenatorischen und darstellerischen Standpunkt aus betrachtet wirklich erstklassig. Polanski erzählt die Geschichte des Ghostwriters, der die Memoiren eines ehemaligen britischen Premierministers vervollständigen muss, in einem sehr gemächlichen Erzähltempo. Lange lässt er sich Zeit, die verschiedenen Personen, und vor allem auch die Umgebung, diese verregnete Dünenlandschaft, auf den Zuschauer einwirken zu lassen. Dabei schafft es Polanski trotzdem den Spannungsbogen von Anfang bis Ende aufrecht zu erhalten und erweist sich erneut als Meister der Thriller-Form. In der Schlusszene gibt es dann noch einige gelungene Regieeinfälle zu bewundern, sodass man dem Film durchaus anmerkt, dass hier nicht irgendein Regisseur hinter der Kamera steht.

    Die Handlung selbst fand ich hingegen etwas unbefriedigend. Das "Geheimnis" hätte imo durchaus noch etwas drastischer/ausgeklügelter ausfallen können, aber vielleicht bin ich bezüglich Verschwörungstheorien zu sehr 24-geschädigt. Trotzdem stellt sich mir noch eine inhaltsverständliche Frage. Vielleicht auch ein Major-Plothole?



    Warum hat der Premier überhaupt das OK gegeben, seine Memoiren verfassen zu lassen? Ist das nicht totaler Schwachfug, weil er ja dann in Kauf nehmen muss, dass der Autor früher oder später bei seiner Recherche auf seine "dunklen Geheimnisse" stossen wird? Oder ist mir etwas entgangen?

  2. #2
    Regisseur Avatar von Julia
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    Re: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)

    Ich möchte den Film gerne sehen, mal sehen ob ich ne Begleitung finde

  3. #3
    Regisseur
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    Re: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)

    Hab ihn mir letzte Woche allein wegen Pierce Brosnan UND Ewan McGregor UND Thriller angeschaut, ohne daß mir gewahr war WER hier überhaupt der Regisseur war. Fand den Film von Anfang bis Ende unheimlich spannend und durchweg auch mit bedrohlich-unheimlicher (nicht im Sinne von Horor/Grusel) und unangenehmer Grundstimmung, die sich stetig steigerte mit jeder neuen Ungereimtheit, die McGregor im Film passierte, da zog sich quasi auf unangenehme Art der Film laaangsam wie eine Schlinge um den Hals des Zuschauers, was sicher auch teils an der tristen und meteorologisch unwirtlichen Location lag, in die der Film eingebettet war.

    Obwohl der Film durchaus auch seine witzigen Momente/Dialoge und einige herrliche und unerwartete Wiedersehen wie etwa mit Eli Wallach und Tom Wilkinson. Mein erster Gedanke war aber "Ist DAS etwa Kim Cattrall?"!!! Naa, das kann die nicht sein, was macht die denn in so einem ernsthaften Film? Und so rätselte ich die ganze Zeit (wie ich auch bei "Hancock" den ganzen Film über rätselte bis zum Abspann WER die Hausfrau war, hatte zwischenzeitlich zwar Charlize Theron im Verdacht, dies dann aber wieder verworfen, weil mir die Hausfrau dort zu ungeschminkt, zu un-THERONisch war) und soo erging es mit auch bei DER GHOSTWRITER, da verwarf ich auch immer wieder den Gedanken an Kim Cattrall. WAS? Roman Polanski Regie? WAS? Ein Polanski engagiert eine zickige Ulknudel wie Kim Cattral? Und letztlich: meine Fresse, ist die Cattral alt geworden, der sieht man ja so ungeschminkt wie in DER GHOSTWRITER die Catrall gar nicht mehr an...

    Überraschend auch WEN da ein so ernsthafter Mann wie Polanski da alles gecastet hat, nicht nur die Cattral, nein auch James Belushi.

    DAS nur am Rande.

    Der Film sparte nicht mit Seitenhieben auf aktuelle Politik und deren Figuren wie etwa Tony Blair, den sympathischen Dauerlächler, dessen Abbild die Brosnan-Figur durchaus war.

    Zum finalen Clou und Coup des Films - was ein Ende - kann ich nur sagen, daß sich mir jetzt die Frage stellt ob



    die Brosnan-Figur tatsächlich die ganze Zeit bis und all die Jahre seiner Premierministerzeit nur eine hirnlose Marionette seiner CIA-Führungsagenten-Ehefrau war und NUR dazu war der smarte hübsche Dauerlächler in die Kamera zu sein, der alles verkaufte und seine Frau insgeheim die Strippenzieherin war und ALLES bestimmte? Sowas kann ich mir weder in echt noch im Film vorstellen und ist IMHO gar nicht durchführbar, schließlich hatte sie kein Amt und war bei Kabinettsentscheidungen und überraschenden Entscheidungsfindungen wo schnell gehandelt werden muß ja sicher nicht dabei. ODER ob er vielleicht UNWISSENTLICH das Opfer seiner Frau war, sprich, selbst einen eigenen politischen Geist entwickelte und gar nicht merkte, daß seine Frau IM des CIA war? DAS erscheint mir durchaus realistischer.




    Sehr guter Film. 9/10

    Die letzte Überraschung meinerseits war dann im Abspann zu sehen, daß offenbar ALLES in den Babelsberger Filmstudios in Deutschland gedreht wurde. Ich mein, come on, die ganzen stürmischen Dünenszenen? Oder die absolut realistischen Szenen im New-England-Stättchen? Das sah 1:1 so aus. Das kann doch unmöglich komplett in DEUTSCHLAND, im STUDIO gedreht worden sein, hallo? Und die ganzen Wald und Matschszenen?

  4. #4
    Regisseur
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    Re: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)

    @Wolfe

    "...zumal der Film ausgerechnet in den beiden Ländern spielt, in die Polanski nicht reisen konnte, England und Amerika. Gedreht wurde schließlich in Deutschland: Sylt und Usedom doubelten Martha's Vineyard, die Charlottenstraße in Berlin-Mitte wurde mit roten Doppeldeckerbussen und englischen Verkehrsschildern in eine Londoner Straße verwandelt."
    Aus diesem Spiegel-Artikel:
    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,676962,00.html

    Aber was Dein Schubladendenken betr. Kim Cattrall und Jim Belushi angeht: Wie kommst Du denn darauf, dass Schauspieler, deren bekanntesten Rollen in Komödien waren nichts anderes können? Kim Cattrall hat in "Star Trek VI" die Vulkanierin Valeris gespielt, ernster gehts nimmer :wink: . Und Jim Belushi hat in dem (etwas trashigen) Sci-Fi-Thriller "Retroactive" einen richtig furchteinflössenden Bösewicht gespielt.

    Und was das Beinflussen von Politiker-Gatten angeht frage ich mich schon, wer letztlich das letzte Wort hatte: Ronald oder Nancy Reagan?

  5. #5
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    Re: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)

    Zitat Zitat von Gerry
    @Wolfe

    Aber was Dein Schubladendenken betr. Kim Cattrall und Jim Belushi angeht: Wie kommst Du denn darauf, dass Schauspieler, deren bekanntesten Rollen in Komödien waren nichts anderes können? Kim Cattrall hat in "Star Trek VI" die Vulkanierin Valeris gespielt, ernster gehts nimmer :wink: . Und Jim Belushi hat in dem (etwas trashigen) Sci-Fi-Thriller "Retroactive" einen richtig furchteinflössenden Bösewicht gespielt.
    Nicht, daß sie es nicht könnten, ich hatte mich nur gewundert, was überhaupt (Belushi) und (falls es ed Cattrall war, ich war mir ja den ganzen Film nicht sicher ob SIE es wirklich war oder nicht) in einem THRILLER zu suchen haben. Und erst recht NACHDEM ich dann gelesen hatte, daß POLANSKI der Regisseur war kam doch die berechtigte Frage auf WIE um alles in der Welt EIN POLANSKI denn drauf käme in einem POLIT-THRILLER ausgerechnet EINE KIM CATTRALL oder EINEN JAMES BELUSHI zu besetzen!!!??? Hallo, das ist ja nicht grade der naheliegendste Cast, nicht wahr?
    Und was das Beinflussen von Politiker-Gatten angeht frage ich mich schon, wer letztlich das letzte Wort hatte: Ronald oder Nancy Reagan?
    Gut, bei denen vielleicht schon. Aber auch DIE wird ja wohl nicht im Krisenraum bei internationalen Krisen oder bei Kabinettssitzungen dabeigewesen sein um ihm Entscheidungen abzunehmen oder vorzugeben, da hätte sie ja den Präsidenten vor den Ministern und dem Stab blamiert. Gut, vielleicht war sie mit Knopf im Ohr bei ihm und hat ihm jedes zu sprechende Wort souffliert während sie im Wohnzimmer gehäkelt hat ?

    Was die Locations angeht: SYLT??? Wow, hätt ich nicht gedacht, schließlich sah das Küstenstädtchen WIRKLICH SEHR amerikanisch aus, wirklich!

    Die Berliner Straße London? Gut, das könnte hinkommen. Als ich 2001 oder so in Berlin war hab ich schon während ich durch diese (oder wars die Friedrichsstraße?) an U-Bahnhaltstellen vorbeilief schon den Eindruck dies könne locker jetzt auch eine amerikanische Straße sein, zumal da auch entsprechende Läden und Restaurants waren.

  6. #6
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)

    If we meet any terrorists, I'll text you

    Roman Polanski schuf mit dem Ghostwriter einen edlen Politthriller, der vor allen Dingen von seiner eindrucksvollen Inszenierung lebt. Nahezu jede Kameraeinstellung, jedes Bild und die wundervolle Musik machen den Film für jeden Filmfreund zu einem Augenschmaus. Mit Ausnahme von Kim Catrall machen die Darsteller zudem eine gute Figur; vor allen Dingen Brosnan kann mit einer überraschend guten Performance punkten. Leider schleichen sich hier und da durchaus ein paar Längen ein, die dem Film einiges an Spannung nehmen; zumal man das Gefühl hat, dass die Geschichte zu wenig hergibt um einen Langfilm zu füllen. Umso höher ist es Polanski anzurechnen daraus einen durchaus gelungenen Film zu schaffen.

  7. #7
    Regisseur
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    AW: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)

    Eben gesehen. Bezüglich der Grundstimmung, der ruhigen Inszenierung, der Blair-Anspielungen und der Leistung der Darsteller kann ich Euch nur beipflichten. Auch mir hat das alles sehr zugesagt. Und auch ich war sehr erstaunt, die vielen bekannten Gesichter in den Nebenrollen zu entdecken. Leider fand ich den Film unglaublich vorhersehbar und einige Dinge waren mir der Dramaturgie willen zu sehr künstlich hingebogen. Hier mal zwei Beispiele:



    Die Idee, dass Ewan McGregor bei seiner ersten Fahrt mit dem hauseigenen Jeep noch die letzte Navi-Einstellung seines Vorgängers vorfindet, die ihn dann zu Prof. Emmet führt, hat mir prinzipiell gut gefallen. Aber mal ehrlich: Welcher normaler Mensch würde stundenlang der sympathischen Navi-Stimme folgen, anstatt einfach gleich von Anfang nachzugucken, was als Zielort eingegeben ist? Wollte er sich die Fahrt bewusst spannend und aufregend gestalten? Für den Zuschauer ist der Effekt natürlich schön, aber durch die Unglaubwürdigkeit wirkts wirklich sehr gewollt.

    Ewan McGregor findet beim GOOGELN die Information, dass Prof. Emmet ein CIA-Ausbilder war. Alles klar. Ich glaubs auch. Witzigerweise stolpert er dabei aber NICHT über die Information, dass der gute Mann Ruths Doktorvater war. Klar. Diesen kleinen Informationsschnipsel hebt sich der gute Polanski für die letzten fünf Minuten auf, um den Zuschauer dann mit der großen Überraschung des Kinoabends zu schocken, die nebenbei bemerkt jeder der schon mal einen Thriller gesehen hat, bereits spätestens nach der Hälfte des Films vorhergesehen hat. Auch hier fiel die Glaubwürdigkeit der erzwungenen Dramaturgie zum Opfer.


    Das Drehbuch weist noch einige weitere dieser Schnitzer auf. Das hat mir das Filmvergnügen trotz der soliden Inszenierung und atmosphärischen Grundstimmung dann doch irgendwie ein wenig getrübt. Alles in allem aber ganz okay.

  8. #8
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)

    Zu deinen Punkten in Sachen Glaubwürdigkeit geb ich dir recht, muss jedoch sagen, dass diese mir während der Sichtung jetzt gar nicht aufgefallen sind; vor allen Dingen natürlich beim Navi ... die Lösung wäre wirklcih sehr einfach gewesen

  9. #9
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    AW: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)



    Kann mich der Meinung von Thomas weitgehend anschließen. Ungereimtheiten wie die Navi-Sache fallen mir bei Filmen dieser Art in der Regel allerdings gar nicht auf, da kann man ja im Grunde immer irgendeine Erklärung zurechtbiegen (Fahrziel lässt sich aus Sicherheitsgründen nicht direkt auslesen oder nur mit Passwort o.ä.). Ich nehm das einfach hin, suspension of disbelief. Die Google-Geschichte war allerdings schon hart. Wobei ich mich frage, ob diese arg naive Darstellung der Informationsleistung des Internet nicht auch beabsichtigt und mit vollem Bewusstsein eingesetzt wurde.

    Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Olivia Williams eine Schauspielgöttin ist? Nicht? Olivia Williams ist eine Schauspielgöttin. Was für eine Frau, ganz großartig.

  10. #10
    Regisseur Avatar von Pitt
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    AW: The Ghost Writer (Der Ghostwriter)



    @Navi:

    Aber er wusste doch nicht, wie er dort hinkommt, wenn er sich im Vorfeld einfach nur den Zielort angeschaut hätte. War doch praktischer, einfach der Navi-Stimme zu folgen. Also ich hätte es auch so gemacht.

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