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Thema: The Boondock Saints

  1. #1
    Bob
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    The Boondock Saints

    the story so far...

    Zitat Zitat von Tetsuo82
    Lange habe ich auf ein Sequel zu The Boondocksaints gewartet und da die Wartezeit so lange war hatte ich gehofft, dass es daran liegt das der Film nicht einfach nur ein Abklatsch werden soll sondern ein würdiger Nanchfolger. Leider bin ich von The Boondock Saints II herbe entäuscht worden. Ich wünschte mir ich hätte den Film nicht gesehen und könnte diesen aus meinem Gedächtnis streichen. Die Story schien mir uninspiriert, die Dialoge waren einfach nicht so intelligent oder scharfzüngig wie im ersten Teil und die Leistung der Schauspieler hat auch nachgelassen. Vor allem Julie Benz die nichts weiter als ein blliger Paul Smecker Verschnitt ist, habe ich fast nicht ertragen können.

    Schaut euch den Film am besten garnicht an wenn ihr Teil eins in guter erinnerung behalten möchtet (ihr tut es doch eh )
    Zitat Zitat von Bob
    hab' ihn jetzt noch heute im doppelpack mit dem 1er geguckt - fand ihn eigentlich ganz in ordnung.
    Zitat Zitat von Daniel
    Der erste ist schon maßlos überbewertet, vom zweiten erwarte ich gar nix.
    Zitat Zitat von KeyzerSoze
    Zitat Zitat von Daniel
    Der erste ist schon maßlos überbewertet, vom zweiten erwarte ich gar nix.
    Zitat Zitat von TheCrow
    Zitat Zitat von KeyzerSoze
    Zitat Zitat von Daniel
    Der erste ist schon maßlos überbewertet, vom zweiten erwarte ich gar nix.
    Ihr redet über Lucky # Slevin, oder?
    Ja, der wird oft vollkommen überbewertet!
    Seht Euch dann lieber Boondock Saints an:
    Der ist geil!

    Zitat Zitat von Kalervo
    Zitat Zitat von TheCrow
    Ihr redet über Lucky # Slevin, oder?
    Ja, der wird oft vollkommen überbewertet!
    also mal nur zum 1er: überbewertet? inwiefern denn?
    wobei ich zugeben muss, dass ich gestern vor meiner auffrischung die befürchtung hatte, dass mir der film nicht mehr gefallen könnte. pseudo-cool oder sowas. aber weit gefehlt. ich wusste gar nicht mehr, wie verdammt lustig der film ist, wie ungezügelt sich Dafoe austoben darf und wie unbedarft das herüber gebracht wird. gleicht fast schon einer comic-verfilmung (ohne vorlage).
    natürlich ist Boondock Saints keine filmische perfektion - im gegenteil: zahlreiche unpassende abblenden und gewisse sachen wie die gefangennahme am ende, die erst gar nicht gezeigt wird, sondern mittels hartem cut einfach zu der stelle skippt...
    aber genau diese eigenarten geben dem film charakter und unterscheiden ihn von jeder anderen "ähnlich" gelagerten produktion. eine kleine kultperle wie In China Essen Sie Hunde.
    darüberhinaus besitzen die dialoge soviel eigen-ironie, dass ich nicht verstehe, wie man ihn "überbewerten" kann. der probiert doch gar nicht was besseres zu sein, als er ist...
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  2. #2
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    Re: The Boondock Saints

    Zitat Zitat von Bob
    also mal nur zum 1er: überbewertet? inwiefern denn?
    wobei ich zugeben muss, dass ich gestern vor meiner auffrischung die befürchtung hatte, dass mir der film nicht mehr gefallen könnte. pseudo-cool oder sowas. aber weit gefehlt. ich wusste gar nicht mehr, wie verdammt lustig der film ist, wie ungezügelt sich Dafoe austoben darf und wie unbedarft das herüber gebracht wird. gleicht fast schon einer comic-verfilmung (ohne vorlage).
    natürlich ist Boondock Saints keine filmische perfektion - im gegenteil: zahlreiche unpassende abblenden und gewisse sachen wie die gefangennahme am ende, die erst gar nicht gezeigt wird, sondern mittels hartem cut einfach zu der stelle skippt...
    aber genau diese eigenarten geben dem film charakter und unterscheiden ihn von jeder anderen "ähnlich" gelagerten produktion. eine kleine kultperle wie In China Essen Sie Hunde.
    darüberhinaus besitzen die dialoge soviel eigen-ironie, dass ich nicht verstehe, wie man ihn "überbewerten" kann. der probiert doch gar nicht was besseres zu sein, als er ist...
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  3. #3
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    Re: The Boondock Saints

    Willem Dafoe ist cool, keine Frage. So ziemlich das Beste daran, beim Film an sich kann ich nämlich schon eine ziemlich bemühte Anstrengung hinsichtlich gewollter Coolness feststellen, insofern fällt es mir schwer, Selbstironie zu sehen. Eher im Gegenteil.

    Hier mal der Text aus meinem FTB, aus ideologiekritischem Blickwinkel geschrieben:

    Zitat Zitat von Daniel
    Auf der DVD von The Boondock Saints gibt es ein Vorwort des Autor-Regisseurs Troy Duffy zu bestaunen, das da wie folgt lautet:

    Zitat Zitat von Troy Duffy
    Hello Germany!

    My name is Troy Duffy, I wrote and directed "The Boondock Saints". You guys probably have the same story I hear all the time in the U.S. "One of my buddies rented it on a whim and then said '... man you gotta see this fuckin' movie!'" – It has become abundantly clear, over the years, that this is the extent of the advertising done for "Boondock". It has blossomed into one of the most cherished cult hits of recent times, not because of fancy posters, TV ads, expensive billboards or box office star power. It is because of all of you. You have taught me that you just don't need all that stuff. All one must do is make a good movie and your fans will handle the rest.

    Now, I also understand that there are plenty of people who have not seen this movie and some of them may be reading this now. Welcome and I hope you enjoy this special edition DVD that is... packed full of goodies!

    In closing, thank you from the bottom of my heart, Boondock Fans! Continue spreading the good word on "Boondock" for me and I want to see all of you on my website http://www.boondocksaints.com . I visit every day and post frequently. You can also get cool "Boondock" stuff at our store.

    P.S.: I am also aware that not everyone liked this film. In fact some folks have a real problem with it. To all of you I say, "Sorry for offending your delicate sensibilities. Perhaps my next film will be about a talking dog who braves the harsh realities of the world in a heart warming attempt to find his rightful owners, who mistakenly thought he was dead. That way you could watch it and get a fuzzy feeling inside and when it was over you could all go fuck yourselves".

    Aequitas, Veritas
    Troy Duffy, 24.11.2002
    Der Film hat eine recht interessante Entstehungsgeschichte. Troy Duffy hatte das unglaubliche Glück, dass sich Miramax für sein Script interessierte und ihn trotz nicht vorhandener Filmerfahrung auch Regie führen ließ. Ein Geschenk, das tausende von verhinderten Drehbuchautoren als Erfüllung eines Lebenstraumes hinnähmen und demütig in ewiger Dankbarkeit verharren ließe, war für Duffy Anlass, eine ausgeprägte Egomanie zu entwickeln und sich gegenüber Freunden und Kollegen fortan ziemlich arschig zu benehmen. Miramax zog sich irgendwann von dem Deal zurück, der Film wurde für einen Bruchteil des ursprünglichen Budgets trotzdem produziert. Duffy landete auf einer Hollywood-Blacklist und hat bis heute keinen weiteren Film gedreht.

    Wenn ich The Boondock Saints sehe, wundert es mich nicht, dass er zum Kult anvanciert ist. Der Film ist gut inszeniert, ziemlich gut sogar. So gut, dass man Duffy ein gewisses Talent nicht absprechen kann. Außerdem lässt sich – wie bei seinem Autor – eine vorherrschende Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten feststellen, was gerade beim jugendlichen Publikum gut ankommt. Das Problem des Films ist, dass er im Grunde nur aus einer Aneinanderreihung witziger und manchmal cooler Szenen besteht; den Inhalt kann man bei genauer Betrachtung aber nur als Witz auffassen.

    Dass die heiligen Brüder "auf der gleichen Baustelle arbeiten wie John Doe" (dieser Gedanke stammt glaube ich von irgendjemand anderem, weiß aber nicht mehr von wem, zitiere es daher mal), ist eigentlich evident und die scheinbare Frage, die der Film stellt, ist gar keine, sondern kommt einem unter Feuer gesetzten Furz gleich, den nur ein vernebelter Geist im Stadium moralphilosophischer Pubertät für eine zündende Idee halten kann. Die im Abspann nachgeschobene Relativierung macht die Aussage leider nicht weniger hohl. Insgesamt zählt The Boondock Saints zu einem Werk der Kategorie "all style, no substance" und entlarvt damit auch seinen Autor Duffy, der vermutlich gedacht hat, mit einem vergleichbaren Verhalten wie seine geistigen Selbstjustiz-Schöpfungen davon zu kommen: Die einzig gültigen Moralmaßstäbe liegen in einem selbst, und als Schöpfer dieser Maßstäbe befindet man sich außerhalb der Bewertungskriterien anderer und darf sich daher benehmen, wie man es für richtig hält. Ein krasser Denkfehler, der seine Karriere glücklicherweise früh beendet hat. Denn aus so einem beschränkten Kopf wären vermutlich nicht mehr viele gute Ideen gekommen.
    Das zitierte Vorwort sagt doch schon alles zur Grundhaltung von Duffy, der hat ein riesiges Selbstüberschätzungsproblem. Klar sollte man Regisseur und Werk erstmal trennen, aber die Selbstgefälligkeit tropft ja auch dem Film aus jeder Filmkorn-Pore. Ich halte den prinzipiell immer noch für technisch gut gemacht. Der Kultfilm-Status erwuchs mMn nicht aus der inszenatorischen Qualität, sondern dem Inhalt, und auf dieser Ebene sollte der Film mal stärker hinterfragt werden. Ohne moralieren zu wollen, versteht sich. Kill Bill etwa ist ja auch 'ne stilisierte Selbstjustiz-Story, fundiert aber auf der Reflexion ganzer Genres, dort kann ich noch einen filmhistorischen Diskurs erkennen, der die Handlung auf eine andere Ebene hebt. Boondock Saints suhlt sich dagegen nur in seinem überbetonten Style.

  4. #4
    Bob
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    Re: The Boondock Saints

    das comichafte/selbstironische des films ist in meinen augen nicht zu leugnen (this is not a movie! / rope / they watch too many T.V. / usw. usf.). insofern dienen auch die interviews im abspann nicht zu einer ernstgemeinten diskussion, die halten mehr den ton des films aufrecht. auf eine gewisse art diesselbe schiene wie die dialoge in Sin City. da wird ein gewisser mythos stilisiert, der allerdings zu keinem zeitpunkt etwas greifbares/diskutables bietet. und das auch gar nicht will.
    wenn ich mir jetzt noch gewisse highlights vergegenwärtige, wie Dafoe als ballernde transe oder die explodierende katze, kann ich ein "suhlen im style" gar nicht mehr nachvollziehen. dafür parodiert der film doch viel zu viele klischees!

    Zitat Zitat von Daniel
    Der Kultfilm-Status erwuchs mMn nicht aus der inszenatorischen Qualität, sondern dem Inhalt, und auf dieser Ebene sollte der Film mal stärker hinterfragt werden.
    auch dazu ein kräftiger widerspruch. Boondock Saints zeichnet sich doch mitunter am stärksten durch den inszenatorischen kniff an den verschiedenen tatorten aus. wie bei Dafoe immer mehr die grenzen zwischen flashback und gegenwärtigem tatort verschwimmen, ist geradezu furios (der gipfel als er auf offener straße in die luft ballert ). davon lebt der film. der "inhaltlichen kontroverse" wird kaum beachtung geschenkt, dafür ist der film auch zu verspielt.

    falls du den film wider deines erst(?)eindrucks noch mal sehen solltest, bin ich auf deinen frischen eindruck gespannt. ich war gestern wirklich selbst überrascht, wie gut sich der film gehalten hat. und ich habe garantiert mehr gelacht, als vor zig jahren, da ich mehr humor im detail entdecken konnte.
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  5. #5
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    Re: The Boondock Saints

    Zitat Zitat von Bob
    Zitat Zitat von Daniel
    Der Kultfilm-Status erwuchs mMn nicht aus der inszenatorischen Qualität, sondern dem Inhalt, und auf dieser Ebene sollte der Film mal stärker hinterfragt werden.
    auch dazu ein kräftiger widerspruch. Boondock Saints zeichnet sich doch mitunter am stärksten durch den inszenatorischen kniff an den verschiedenen tatorten aus. wie bei Dafoe immer mehr die grenzen zwischen flashback und gegenwärtigem tatort verschwimmen, ist geradezu furios (der gipfel als er auf offener straße in die luft ballert ). davon lebt der film. der "inhaltlichen kontroverse" wird kaum beachtung geschenkt, dafür ist der film auch zu verspielt.
    Hatte bei dem Film auch nie das Gefühl das er ein kontroverses Thema aufgreifen oder zu Diskussion anregen will. Ich sehe es genau gegenteilig. Der Film hat nicht wegen der Thematik einen so hohen Kultstatus sondern eben genau wegen der inszenatorischen Kraft. Wie Bob schon richtig erkannt hat sind die Szenen mit Dafoe, in denen der Übergang zwischen Ausführung der Morde und den Ermittlungen verschwimmen, einsame Spitze. Eine solche Art der Erzählung hatte ich bis dahin noch nicht gesehen.
    Es gibt keinen Teufel, nur Gott wenn er getrunken hat.

  6. #6
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    Re: The Boondock Saints

    Zitat Zitat von Bob
    falls du den film wider deines erst(?)eindrucks noch mal sehen solltest, bin ich auf deinen frischen eindruck gespannt. ich war gestern wirklich selbst überrascht, wie gut sich der film gehalten hat. und ich habe garantiert mehr gelacht, als vor zig jahren, da ich mehr humor im detail entdecken konnte.
    Die letzte Sichtung ist etwa 3 Jahre her, werde den Eindruck mal wieder auffrischen. Wobei ich mir bei der Selbstreflexivität ziemlich sicher bin, dass das nur so ein aufgesetzter postmoderner Gestus war. Irgendwann wurde es für Regisseure ja schick, auf das Filmsein des eigenen Films hinzuweisen. Da würde ich dann aber schon unterscheiden, ob das ein paar Zitate und Anspielungen sind um sich dem Zeitgeist zu unterwerfen, oder ob das als ästhetisches Prinzip durchgehalten wird. In der Dafoe-Figur kann man das vielleicht noch nachweisen, beim restlichen Film eher nicht. Da überwiegt doch das Spektakelhafte.

    Natürlich will der Film zu keiner Diskussion über das Thema Selbstjustiz anregen. Das ist ja gerade das Problem, er ist nicht komplex genug. Wenn er das könnte, wärs ja gut. Er benutzt das Thema nur als Action-Vehikel. Muss aber meine Aussage präzisieren hinsichtlich der Qualität der Inszenierung. Mir gings hier nicht um die Clip-Ästhetik einzelner Szenen, sondern den Gesamtentwurf. Der ist zu schwach. Die einzelnen "Episoden" funktionieren für sich genommen gut, aber Duffy bleibt immer an der Oberfläche, er stellt die Geschichte in den Dienst seiner filmischen Spielereien. Ja, das ist es vielleicht, Duffy ist ein großes Kind, das sich einfach nur auf der Leinwand austoben will, ohne dass das Gezeigt über Tiefe verfügt. Eine Art subversiver Michael Bay.

  7. #7
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    Re: The Boondock Saints

    Vielleicht liegt es dann ja daran, dass ich grossen Spass bei dem Film hatte (bei der Zweitsichtung sogar noch etwas mehr, weil ich mich besser darauf einstellen konnte):

    Ich habe da weder etwas Tiefgründiges erwartet, noch habe ich es vermisst. Natürlich ist die Handlung hier "nur" Vehikel, aber sie will ja nicht mehr sein! Warum muss ein Film immer mehrere, tiefgehende Ebenen haben, um als "gelungen" bezeichnet zu werden? Das ist nämlich genau das, was ich am Tranformers-Gebashe nicht einsehen kann und will.

    Natürlich ist es absolut legitim, wenn einem persönlich solche Filme nicht zusagen...aber sind sie deswegen schlecht?!? Aber vielleicht liegt es an mir, und ich differenziere das zu sehr (kommt wohl vom Reviews Schreiben)...

    Ansonsten schliesse ich mich abermals jedem Wort von Bob an.
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  8. #8
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    Re: The Boondock Saints

    Zitat Zitat von TheCrow
    [...] Natürlich ist die Handlung hier "nur" Vehikel, aber sie will ja nicht mehr sein! Warum muss ein Film immer mehrere, tiefgehende Ebenen haben, um als "gelungen" bezeichnet zu werden? Das ist nämlich genau das, was ich am Tranformers-Gebashe nicht einsehen kann und will.

    Natürlich ist es absolut legitim, wenn einem persönlich solche Filme nicht zusagen...aber sind sie deswegen schlecht?!? [...]
    Das ist halt das alte "Problem" - sofern es denn überhaupt eines ist und nicht viel mehr der Aspekt, der Vielfalt überhaupt erst hervorbringt: Wem macht was Spaß und reicht es aus, dass ein Film Spaß macht, damit man ihn mit einiger Berechtigung als gelungen bezeichnen kann? Ich kann auch bei irgendeiner viertklassigen SciFi-Trash-Granate Spaß haben, das hat dann aber nichts damit zu tun, dass der Film so toll ist. Man müsste evtl. erstmal den etwas schwammigen Begriff klären. Macht Requiem for a Dream (wähle mal diesen Film als Paradebeispiel für einen gelungen inszenierten Downer) z.B. "Spaß"? Würde mal sagen, dass das Alltagsverständnis von "Spaß" hier nicht anwendbar ist, der Film macht ja nicht in der Art Spaß wie eine Party Spaß macht, trotzdem zieht man ja irgendeine Form von Genuss aus dem Film, selbst wenn er nicht die Stimmung hebt.

    Transformers hat mir z.B. gar keinen Spaß gemacht, ich fand den langweilig. Das liegt aber nicht daran, dass ich mit wuchtigem Unterhaltungskino generell nichts anfangen kann - ich finde Armageddon toll. Gutes Unterhaltungskino kann sehr facettenreich reich, von der Besetzung der Rollen über die Figurencharakterisierung bis zum Erzählrhythmus und Schnitt können die Filmschaffenden da vieles falsch oder richtig machen.

    Aber ein Film entwickelt ja auch ein gewisses Eigenleben, das entsteht vielleicht am ehesten durch die Haltung oder Weltsicht des Regisseurs, die eingeschrieben wird in den Film. Der Film hat in gewisser Weise eine "Seele", und die finde ich mal weniger, mal mehr reizvoll in Bezug auf die Beschäftigung mit ihr. Und wenn ich Boondock Saints menschliche Attribute zuordnen müsste, würden mir als erstes "arrogant", "prätentiös", "affektiert" und "egozentrisch" in den Sinn kommen, irgendwie auch "leer". So wirkt der Film auf mich. Er ist nicht sympathisch und auch nicht interessant, aber das ist ja möglicherweise alles subjektiv. Ich finde, dass der Film zu offenschtlich sagt: "Ich bin cool und markig, ich will bitte beliebt sein." Er drängt sich mir zu sehr auf (das gilt übrigens auch für die meisten Filme von Guy Ritchie, wobei die wenigstens sympathisch sind). Inszenatorisch ist der Film okay, aber keine Innovationsgranate. Das Abdriften des Ermittlers in den Wahn ist ein seit langer Zeit etabliertes Film-Noir-Muster, Transvestiten im Film kennt man seit Glen or Glenda, spätestens seit Almodóvar, der Ermittler als Transvestit kommt schon in Twin Peaks vor (vermutlich stammt daher sogar die Idee), die subjektivierte, Gegenwart und Vergangenheit parallelisierende Montage gibt es viel virtuoser bei Alain Resnais. Aber gut, das Wühlen in der Filmgeschichte nach Vorgängermotiven ist vermutlich nicht sinnvoll, andere (bessere) Regisseure bedienen sich schließlich auch bei Vorbildern, das macht den Film nicht schlecht. Boondock Saints wirkt prinzipiell ja schon eigenständig in seiner Kombinatorik von Motiven, aber letztlich finde/fand ich ihn nicht überzeugend. Wahrscheinlich auch deshalb, weil das unernst übergeworfene Kleidchen der medialen Reflexion den Hang zum Pompösen nicht gut verdeckt.

    P.S.: Evtl. finde ich heut Abend etwas Zeit, dann seh ich mir den Film nochmal an und schreibe einen "frischen" Eindruck, falls der bedeutend abweichen sollte.

  9. #9
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    Re: The Boondock Saints

    Gut, an dem Wort "Spass" wollte ich das nicht aufhängen.
    Ich frage mich vielmehr immer, was ein Film denn nun erreichen will. Will er "nur" unterhalten, oder will er "mehr sein"?

    Wenn ein Film nicht mehr sein will, dann reicht es mir vollkommen aus wenn ich wirklich einfach unterhalten wurde (und das kann vieles bedeuten: Spass ist nur ein Aspekt) und attestiere dem Film eine entsprechende Leistung.

    Will ein Film aber eben "mehr", dann muss er das auch bringen! Hat er mich dann immer noch "nur" unterhalten, werfe ich ihm vor, dass er seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird (als Beispiel nenne ich immer wieder gerne "American beauty", welcher für mich vollkommen versagte).

    Im Fall von "Boondock Saints" handelte es sich für mich von Anfang "nur" um einen Action-Thriller mit schwarzem Humor...und genau das habe ich bekommen. Die Coolness hat mir gefallen, und ich habe diese auch überhaupt nicht hinterfragt (was evtl. mein Fehler ist, aber ich habe einfach nicht den Drang, bei jedem Film eine wissenschaftliche Auseinandersetzung in meinem Kopf loszutreten...das passiert eher höchst selten - was wiederum mit meiner Grundeinstellung zusammenhängt, dass Filme in erster Linie unterhaltsam sein sollen). Das wiederum ist wohl auch ein Grund, warum ich auch kein Guy Ritchie-Fan bin...ein paar Filme von ihm gefallen mir, ein paar finde ich doch sehr belanglos, und ein paar interessieren mich erst gar nicht.

    Halten wir also fest:
    Wir haben eine unterschiedliche Herangehensweise (glaube ich zumindest), was sich dann in solch unterschiedlichen Auffassungen / Bewertungen zeigt.
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  10. #10
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    Re: The Boondock Saints

    Zitat Zitat von Daniel
    Abdriften des Ermittlers in den Wahn ist ein seit langer Zeit etabliertes Film-Noir-Muster
    Kannst du mir ein paar sehenswerte Titel nennen. Die Kombination gefällt mir.
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