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Thema: JCVD

  1. #1
    Regisseur Avatar von soulassassin
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    JCVD



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    Trailer


    FTB-Eintrag

    Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen als ich voller Stolz und mit einem breiten Grinsen die VHS von Bloodsport nach Hause trug. War ein Geschenk zur Erstkommunion und möglicherweise sogar mein erstes Original. Auch wenn Van Dammes Durchbruch nicht Initiator meiner Filmsammelleidenschaft war (mit 9 Jahren wärs wohl auch etwas früh gewesen) so kann ich jedoch nicht leugnen das mich Bloodsport bzw. seine Filme und u.a. Van Damme im allgemeinen doch schon irgendwo geprägt haben. Zumindest eine gewisse Zeit lang. Das es sich damals um die geschnittene 16er Version handelte war mir genau so egal wie zugegebenermaßen nicht bekannt. Auch hab ich damals nichts auf Schauspielkunst gegeben, auf Schnitt, Kamera oder ausgeklügelte Storys oder sagen wir, ich hatte eine gänzlich andere Auffassung was diese Sachen betraf :wink:. Alles zu einer Zeit wo ich nichts auf Regisseure, Writer oder sonst irgendwelche Mitwirkende an den von mir gesehen Filmen gegeben habe. Jean Claude van Damme, Sylvester Stallone, Celentano, Jackie Chan, Arnie, Spencer/Hill und E.T.! Viel mehr Namen musste man nicht kennen um mitreden zu können. Ja ja, die Helden der Kindheit.

    Aber man bleibt halt nicht für immer Kind, man entwickelt sich weiter, sammelt Erfahrungen und… findet Van Damme plötzlich kacke! So! Gut, eigentlich mehr sein Schaffen als die Person selbst. Das kann man mir, geschweige denn ich mir selbst noch nicht einmal übel nehmen bei der Vielzahl an wirklich schlechten Filmen mit denen man in der Vergangenheit zugemüllt wurde. Kann mich gar nicht mehr an meinen letzten Film von ihm erinnern, keine Ahnung wann ich The Muscles of Brussels, und ich muss es einfach noch mal betonen, einen der wirklich großen Helden meiner Kindheit, zu den Akten gelegt habe.

    Lange Rede kurzer Sinn: Mit JCVD ist ihm eine Wiederauferstehung geglückt, die ich so nie und nimmer für möglich gehalten hätte. Ich kann nur inständig hoffen das er Mabrouk El Mechri mindestens genau so dankbar ist wie ich. Denn was der gute Mann aus unserem B-Action-Prügler hier rausholt hat mich über weite Strecken mehr beeindruckt als das durch Aronofsky eingeleitete Comeback von Mickey Rourke. Und das will verdammt nochmal was heissen. Herrlich die Seitenhiebe auf John Woo und Steven Seagal, göttlich der 6minütige Monolog ans Publikum, bewundernswert die Ehrlichkeit, die Selbstkritik sowie die Kritik an der Traumfabrik selbst, absolut SWAT die Szene mit der Kippe sowie einfach alle Szenen um und mit Arthur (Karim Belkhadra), einfach schön zu sehen das in ihm doch ein talentierter Schauspieler zu stecken scheint.

    Die Story die um seine Person gesponnen wird ist äußerst unterhaltsam und sehr anständig inszeniert auch wenn sie am Ende irgendwo doch nur als Grundlage für eine köstliche One-Man-Show dient. Mir solls nur recht sein. Und ich gönne ihm diesen Erfolg, auch wenn sich nach der Sichtung des Trailers zu seinem neuen Film sogleich wieder Ernüchterung breit macht. Hätte mir und auch für ihn selber gewünscht das er nach JCVD vielleicht doch andere Wege beschreitet... sieht aber leider wieder eher wie ein Rückschritt aus. Naja, wer weiss und tut jetzt auch nicht wirklich was zur Sache. Der Film ist geil und im Moment steht er zumindest Comebacktechnisch auf der selben Stufe wie der gute Sly.
    "Ich hab drei Kinder und kein Geld! Warum hab ich nicht keine Kinder und drei Geld?!" - Homer Simpson

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    Re: JCVD

    Die Macher des Festivals haben es einen echt nicht einfach gemacht die Erwartungen nicht zu hoch ausfallen zu lassen. Nahezu vor jeder Vorstellung wurde der Film in höchsten Tönen gelobt, als bester Film des Festivals ausgesprochen und als Must See ... ob man Van Damme nun hasst oder mag. Zu viel versprochen haben sie jedenfalls nicht, denn der Film hatte mich schon bei der herrlichen Variation des Gaumontlogos bei dem ich schon meinen ersten Lachanfall hatte Aber auch sonst ist der Film einfach nur großartig geworden ... alleine die Geschichte: Jean Claude Van Damme (der sich in diesem Film selbst spielt) hat gerade ein Sorgerechtsstreit hinter sich und muss die fälligen Anwaltskosten bezahlen. Gerade als er dies machen will gerät er in einen Überfall und wird mit den anderen Kunden als Geisel gehalten. Die Bankräuber kommen natürlich auf die herrliche Idee so zu tun als hätte Van Damme die Bank überfallen und während sich die Polizei draußen fragt wie es so weit kommen konnte und aufgebrachte Van Damme Fans vor dem Szenario ihren Helden unterstützen wollen, muss der Titelheld den Kriminellen (die natürlich teilweise auch Van Damme Fans sind) seine Karatekunststücke zeigen. Dies klingt jetzt extrem albern, aber im Gegensatz zu My Name is Bruce weiß Regisseur Mabrouk El Mechri genau wie er einen Film wie diesen in Szene zu setzen hat. Anstatt auf eine platte Selbstveralberung zu setzen geht er dabei viel subtiler vor, so wird Van Damme im Film bspw. mit seinen oftmals sehr dämlichen Interviews konfrontiert und gibt sich oft sehr nachdenklich und über das Leben sinnierend. Höhepunkt ist dabei ein gut 5 Minütiger, von Van Damme selbst improvisierter Monolog, in dem er direkt in die Kamera spricht und den Zuschauer berichtet wie es denn überhaupt ist Jean Claude Van Damme zu sein ... wer bei dieser Szene keine Gänsehaut bekommt ... dann weiß ich auch nicht. Aber auch sonst ist das Szenario nie zu albern geworden, sondern funktioniert ebenso in den dramatischen Bereichen, so dass entgegen dem Trailer JCVD doch eher eine Tragikomödie als eine reine Blödelei ist. Und die große Überraschung dabei: Van Damme kann schauspielern ... das mag man kaum glauben, aber was er hier abliefert, besonders in dem oben genannten Monolog ... das ist einfach nur wow ... Hut ab, das hätte trotz des Lobs im Vorfeld nie so gut erwartet. Ebenfalls rechne ich ihm an, dass seine Selbstparodie wirklich ehrlich wirkt ... man bekommt das Gefühl hier den Menschen Van Damme zu sehen und nicht den Star der zur Selbstparodie kein Klischee auslässt ... hier geht es viel subtiler zur Sache. Ob ihr nun Van Damme mögt oder hasst ... gebt diesem Film eine Chance ... er lohnt sich wirklich ... mich hat er jedenfalls begeistern können.

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  1. 24.02.2011, 14:49

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