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Thema: Milk

  1. #1
    Regisseur Avatar von ric-dee
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    Milk

    Priorität hatte "Milk" bei mir nicht gerade. Biopics sind nicht unbedingt mein Lieblings-Genre, aber wie es so oft ist, verpasst man es die Filme zu sehen, die man unbedingt sehen möchte und kommt dann irgendwie dazu sich andere anzusehen, die eher hinten anstehen.

    Da Sean Penn bei mir außerdem hoch im Kurs steht, waren die Voraussetzungen natürlich nicht die schlechtesten. Und ich wurde nicht enttäuscht! Die Wandlungsfähigkeit Penns ist genial. Kaum vorzustellen, dass das derselbe Mann ist, der in "Mystic River", "Dead Man Walking" oder "The Thin Red Line" als Gangster, Vergewaltiger oder Soldat zu sehen ist. Nun also in der Rolle als erster Homosexueller der USA, der in ein öffentliches politisches Amt gewählt wird. In diesem Fall in den Stadtrat von San Fransisco.

    Dabei lebt "Milk" aber nicht nur vom Spiel des Hauptdarstellers allein. Die gesamte Aufmachung weiß zu überzeugen. Der Ausgang des Films sollte keine Überraschung sein und so fand ich die Vorwegnahme dessen, sowie die Erzählstruktur überaus passend. Die vielen Original-Aufnahmen und -Fotos fügen sich sehr gut ein und vermitteln ein authentisches Gefühl des damaligen San Fransisco bzw. der dort ansässigen Schwulen-Szene und nebenbei bekommt der Zuschauer ein paar Einblicke in die Funtkionsweise der (Kommunal-)Politik. Trotzdem verkommt der Film nicht zu einer Doku. Stattdessen nimmt er sich viel Zeit das Bild eines warmherzigen aber entschiedenen Mannes zu zeichnen und so berührt das Ende umso mehr. Liegt sicherlich auch am schönen Score von Danny Elfman...

    Fazit: Ich würde nicht so weit gehen und den Film zum Meisterwerk ausrufen. Aber es handelt sich hier - auch dank Sean Penn - um ein wirkliches Plädoyer für mehr Toleranz! Verpackt in einem schönen Film...

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    Re: Milk

    Das konnte ja überhaupt nichts werden: Biopics sind überhaupt nicht mein Film, das Thema erst recht nicht und dazu noch ein Regisseur mit vielen Höhen und Tiefen. Tja und dann bekam ich mit mit der Geschichte des Harvey Milk wohl den besten Film seines Genres innerhalb der letzten Jahre geboten. Gus Van Sant macht alles richtig und beschränkt sich bei seinem Film auf die politische Karriere der titelgebenden Hauptfigur, lässt die Kindheit komplett außen vor und scheint wirklich nur die wichtigen Momente einfangen zu wollen. So hat Milk zu keinem Zeitpunkt mit den genretypischen Nebenhandlungssträngen zu kämpfen die sonst nie zu Ende gebracht werden. Neben dem wirklich großartigen Sean Penn (unbedingt in der OV anschauen!) gefällt auch das restliche Ensemble bei denen vor allen Dingen James Franco (schon das zweite Mal nach Pineapple Express in diesem Jahr ... was ist nur mit ihm los?) und Josh Brolin hervorstechen. Dazu hat der Film noch einen tollen Score von Danny Elfman zu bieten und hätte von Gus Van Sant besser eigentlich auch kaum eingefangen werden können, denn ihm gelang es den Zuschauer perfekt in die damalige Zeit hinein zu versetzen und überrascht den Zuschauer immer wieder mit einigen ganz besonderen Regieeinfällen, die gerade für das Genre recht unüblich sind. Bleibt festzuhalten, dass sich wirklich keiner davor scheuen sollte sich Milk anzusehen, sogar mich hat er trotz erheblicher Zweifel im Vorfeld richtig packen können; einzig die Tatsache, dass Leute die (wie ich) bislang noch nichts von Harvey Milk gehört haben schon in der ersten Szene mit dem Ende der titelgebenden Figur gespoilert werden

  3. #3
    Hauptdarsteller Avatar von Madsen-Gutfinderin
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    Re: Milk

    Wir wollen den Film bald mal auf DVD schauen, bin gespannt. Hatte vor ein paar Monaten (ja ja, war schon ewig nicht mehr im Forum ) eine Dokumentation in einem dritten Programm gesehen, die mich sehr mitgenommen hat. Ich verlange von einem Film ja nicht, dass er berührender als die Realität ist, aber wenn da nur halb so viel Dramatik rüberkommt wie in der Doku, werde ich sicherlich einen tollen Film zu sehen bekommen.
    "Are you gonna bark all day little doggy, or are you gonna bite?"

  4. #4
    Regisseur Avatar von ric-dee
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    Re: Milk

    Das wirst du bestimmt! :wink:

  5. #5
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    AW: Milk

    Insiang meinte im Tagebuecherforum, dass der Film Hollywoodkonform ist. Inwiefern? Es gibt ja nur schwule Charaktere, das sieht man nicht so oft in Hollywood. Vor allem sind die nicht nur Klischees...
    You can't be wise and in love at the same time - Bob Dylan

    http://www.humanspotlight.de.vu/

  6. #6
    Regisseur Avatar von ric-dee
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    AW: Milk

    Kommt drauf an, was man als "hollywood-konform" bezeichnet... Aufgrund dessen, dass das Schicksal des Protagonisten den Zuschauer emotional berührt, könnte man behaupten, dass der Film zumindest in dieser Hinsicht eine bewährte Strategie fährt, um eine möglichst breite Masse zu erreichen. Ich behaupte aber mal, dass das allein kein Grund ist. Und mehr fällt mir auch gar nicht ein, was das noch bestätigen sollte...

  7. #7
    Statist Avatar von insiang
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    AW: Milk

    Nicht nur das, sondern vor allem auch, dass er (jenseits einer formalen Einfachheit) unser Bedürfnis bedient, sich wie gute tolerante Linksliberale zu fühlen. Wer MILK gut findet, steht auf der moralisch richtigen Seite. Das ist nicht schlimm, nur ein bißchen billig - und prämierungswürdig, wie man an der langen Liste der Auszeichnungen sehen kann.

    Man verstehe mich nicht falsch: ich mochte den Film sehr, er ist toll gefilmt und von Sean Penn beeindruckend souverän gespielt. Man steht nur etwas zu sehr auf der richtigen Seite.

    Den Begriff "hollywood-konform" verwandte ich hinsichtlich Van Sants Gesamtwerk, im Sinne einer Annäherung an den Massengeschmack, nicht allgemein oder abstrakt. Er is da im Verbund mit GOOD WILL HUNTING, den ich für ziemlich schlecht halte. Sehr konsumierbar das alles, wenn man es mit LAST DAYS etwa vergleicht.
    Geändert von insiang (24.11.2010 um 02:36 Uhr)

  8. #8
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    AW: Milk

    Zitat Zitat von insiang Beitrag anzeigen
    Wer MILK gut findet, steht auf der moralisch richtigen Seite. Das ist nicht schlimm, nur ein bißchen billig. (...) Man steht nur etwas zu sehr auf der richtigen Seite.
    Warum ist das billig? Mir ist die Konnotation dahinter viel zu negativ. Warum kann man eine Geschichte nicht konventionell erzaehlen? Und warum muss man (das sagst du nicht, aber suggerierst es) sich schlecht fuehlen, wenn man auf der "richtigen" Seite steht?
    You can't be wise and in love at the same time - Bob Dylan

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  9. #9
    Statist Avatar von insiang
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    AW: Milk

    Hey Danwalker! Natürlich kann man eine Geschichte auch konventionell erzählen, nur geht das -denn sonst wär sie nicht konventionell- auf Kosten der Originalität. Und auch geschenkt: man will nicht jeden Tag was Ausgefallenes auf dem Teller wenn man gerade die Jogginghose angezogen hat. Grundsätzlich aber halte ich es mit dem Spruch Schillers: "Nur das Originelle interessieret mich!" Was für mich soviel bedeutet wie: wenn was originell erzählt wird finde ich das spannender, als wenn wieder alles in den gleichen Bahnen verläuft. Und MILK läuft mit seinem affektiven Weltverbesserer-Plot auf, wie ich finde, recht ausgetretenen Wegen. (Man behalte bitte im Hinterkopf, dass ich diesen Film gut finde; und es mir dennoch erlaube, partiell Kritik zu üben!)

  10. #10
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    AW: Milk

    Dem würde ich sogar ein wenig zustimmen, besonders, wenn man sich so anschaut, was Van Sant sonst eigentlich formal für Filme macht - da nimmt sich MILK schon recht "normal" aus. Nichtsdestotrotz mag ich ihn sehr und war beeindruckt.
    - I can take you anywhere you want. Where do you want to go?
    - Home.

    (My Own Private Idaho)

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  1. 17.03.2011, 17:38

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