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Thema: Frost/Nixon

  1. #1
    Statist
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    Frost/Nixon

    Der neue Film von Ron Howard mit Frank Langella und Michael Sheen in den Hauptrollen.

    Hier meine Kritik:
    Frost/Nixon

    Die Schlacht zweier Männer. Ein Duell von zwei Charakteren wie sie verschiedener nicht sein können. Nur einer kann gewinnen.

    Darum geht es im Grunde bei Frost/Nixon. Wir haben auf der einen Seite David Frost und auf der anderen Richard Nixon. Die neuste Regiearbeit von Ron Howard zeigt uns die wahre Geschichte der legendären Interviewserie die David Frost mit Richard Nixon führte. Im Laufe dieser Interviews gestand Nixon seine Beteiligung an der Watergateaffäre.

    Richard Nixon wird in diesem Film als machthungriger Mensch gezeichnet. Dies kommt vor allem in dem nächtlichen, fiktiven Telefongespräch zwischen ihm und Frost raus. Er ist rhetorisch versiert und dominiert so die ersten Interviews, indem er im Grunde einfach nur labert. Wir beobachten seine Wandlung von dem Punkt an dem er noch Hoffnung hatte wieder in die Politik einzusteigen bis zu dem Punkt an dem er das Duell verloren hat und sich zurückzieht. Hier wird Nixon als gebrochener Mensch gezeigt, was möglicherweise Sympathien für ihn hervorruft. In Wirklichkeit ist er soweit ich weiß nach New York gegangen um immer noch dem politischen Geschehen nah zu sein. Frank Langella ist nur mit einem Wort zu beschreiben: unglaublich. Er wirkt wie eine Kopie des echten Nixons und von den oscarnominierten Darstellern die ich bis jetzt gesehen habe liefert er auf jeden Fall die stärkste Performance. All die kleinen „Ticks“ die Nixon hatte bringt er gekonnt auf die Leinwand. Die Erfahrung die er in dieser Rolle im Theater gesammelt hatte, hat ihm wohl hier sehr genützt.

    David Frost ist der Playboy, der es aber gekonnt versteht die Möglichkeiten des Fernsehens auszunutzen. Seine Wandlung besteht darin, dass er sich vom leichten Gegner Nixons, der viel mehr mit sich selbst und Partys beschäftigt ist zum ernstzunehmenden Kontrahenten zu wandeln. Dies wird von Michael Sheen solide und gut dargestellt, wobei er hier aber von Langella überstrahlt wird. Man könnte vielleicht beanstanden, dass seine Verwandlung zu schnell geht, aber mich hat es nur sehr wenig gestört.

    Zu erwähnen sei auch noch Kevin Bacon, der in der Rolle des Beraters/Leinwächters von Nixon eine gute Figur macht.

    Der Film bekommt einen leicht dokumentarischen Touch durch die Zwischenschaltung von Monologen der Zeitzeugen/Helfern von Frost und Nixon. Diese erzählen aus ihrer Sicht wie es damals war.

    Technisch ist nichts zu beanstanden, aber meiner Meinung nach auch nichts besonders hervorzuheben. Frost/Nixon wird getragen von seinen Darstellern und der Story. Ich denke aber, dass man sich ein bisschen für amerikanische Geschichte interessieren sollte, da es sonst nur zwei Charaktere zu sehen gibt die die Klingen kreuzen. Wobei dies auch sehr spannend ist.

    Es gibt einige wohl dosierte witzige Szenen, die die Handlung ein wenig auflockern.

    Fazit: Ein sehr guter Film, der hoffentlich bei der Oscarverleihung nicht im Button/Slumdog Rausch untergeht. Frost/Nixon lebt von seinen tollen Darstellern und der interessanten Story.
    Insgesamt: 8,5/10 Punkten

  2. #2
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    Re: Frost/Nixon

    Nicht unbedingt die Art Film der ich im Normalfall euphorisch gegenüber stehe, aber das Lob von allen Seiten kann ich durchaus nachvollziehen. Der Film beschränkt sich bei den Geschehnissen auf das erste Interview von Richard Nixon nach seinem Rücktritt als Präsident der Vereinigten Staaten mit dem Showmaster David Frost. Der Film lebt im Grunde vom Duell der beiden Charaktere und würde sicher nicht halb so gut funktionieren wenn die beiden Hauptdarsteller nicht so groß aufspielen würden. Voran hierbei natürlich Frank Langella als Richard Nixon, denn was dieser Mann hier abliefert ist ganz groß; man hat hier nie das Gefühl den Darsteller zu sehen … das was er da abliefert ist Nixon. Von den bisher gesehenen Leistungen sicherlich die beste Best Actor-Performance aller Oscarnominierten (vor Rourke und Pitt). Leid tut es mir dafür umso mehr erneut für Michael Sheen, der nach The Queen erneut eine richtig große Darbietung abliefert, jedoch im Schatten einer noch größeren Performance steht. Dennoch, großes Lob an Sheen, der sicher noch eine große Karriere vor sich hat. Aber auch die Inszenierung kann sich sehen lassen. Nach seinem Da Vinci Code-Vehikel überrascht Ron Howard mit einem realitätsnahen Halbdokustil, der kombiniert mit der tollen Ausstattung die Qualität des Filmes noch verstärkt. So gelang ihm mit Frost/Nixon ein sehenswertes Duell zweier großer Darsteller, welches sicher nicht zu unrecht überall gelobt wird.

  3. #3
    Regisseur Avatar von CallMeDude
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    Re: Frost/Nixon

    Auch für mich war Frost/Nixon ein erstklassiger Film. Ein wirklich geniales Duell zwischen diesen beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten. Sowohl Frank Langella als auch Michael Sheen (ich konnte es nicht fassen; das ist echt der Werwolf-Oberboss aus den Underworld-Filmen?) spielen ihre Rollen wunderbar. Die emotionalen Momente, die es zwischen den beiden Figuren während der Interviews, Besuche und Telefongespräche gab, haben mich total in ihren Bann gezogen. Allen Befürchtungen zum Trotz gab es für mich keine langatmigen Stellen, wo mein Interesse hätte abfallen können. Außerdem fand ich es schön, dass man außer dem Interview auch gezeigt hat, welche Schwierigkeiten dieses Interview schon im Vorfeld verursacht hat. Ron Howard hat auf eine sehenswerte und interessante Weise ein Stückchen amerikanische Historie auf die Leinwand gebannt. Wer sich für die historische Politik der Nixon-Ära interessiert, ist hier genau richtig.
    Out of order for a long time ago.

  4. #4
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    Re: Frost/Nixon

    Toller Film, toller Hauptdarsteller. Nur eine kurze Anmerkung.

    Zitat Zitat von thomasbond
    Richard Nixon wird in diesem Film als machthungriger Mensch gezeichnet. Dies kommt vor allem in dem nächtlichen, fiktiven Telefongespräch zwischen ihm und Frost raus.
    Gerade das Telefongespräch kann man meiner Meinung nach im Zusammenhang mit dem Machthunger von Nixon nicht nennen. Es zeigt eher, dass er ein Getriebener ist. Jemand, der sich total verrannte, um die Dämonen der Vergangenheit zu besiegen.
    Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

  5. #5
    Statist
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    Re: Frost/Nixon

    Ja, Nixon ist ein Getriebener und ja dies liegt vermutlich an seiner Vergangenheit. Ich meine aber, dass er dadurch machthungrig wurde, weil er eben diese Vergangenheit hatte die er beschreibt. Das Machtstreben ist also nur ein Resultat seiner Dämonen, die ihn dazu antreiben.

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  1. 22.07.2011, 11:26

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