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Thema: A Room for Romeo Brass

  1. #1
    Bob
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    A Room for Romeo Brass

    diesmal gibt's kein poster, keine inhaltsangabe und keine links.

    einer der schönsten filme, die ich in letzter zeit gesehen habe. snippet:

    http://de.youtube.com/watch?v=f87oYR7RyIE

    26 sec aus der tollen/verträumten montage des films. wer dezent inszenierte filme über freundschaft und probleme des mittelstands mag: gucken!
    wie auch bei In America gilt: man findet ihn ganz nett oder verliebt sich bei der ersten sichtung. bei mir letzteres. und schande über die, die ihn verdeutscht gucken (wofür gibt es untertitel???).

    edit: hier noch etwas mehr von der szene (1:58 sec):

    http://de.youtube.com/watch?v=Se4Pg-4pofc

    gibt keine kopie des tracks, unveröffentlicht. selbst im offiziellen forum mit shane himself wird nichts angeboten. gibt's einfach nicht, außer in den paar sekunden des films.
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  2. #2
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    AW: A Room for Romeo Brass

    A Room for Romeo Brass



    Regie: Shane Meadows
    Drehbuch: Shane Meadows, Paul Fraser

    Inhalt: (Wikipedia)
    It follows the young Romeo and his best friend Gavin, who has a serious spinal problem for which he has to undergo surgery. The story follows them as they undergo a tumultuous period in their childhood. After saving them from a beating, the enigmatic Morell befriends the two boys and takes a liking to Romeo's older sister, Ladine Brass. However when Gavin plays a practical joke on Morell to make him look foolish in front of Ladine things turn sour for the pair. In retaliation Morell attempts to drive a wedge between the two best friends in order to keep them apart and thus ensure that he stays close to Romeo and Ladine. But when Ladine rejects Morell's advances he becomes increasingly violent towards Romeo, Gavin, and all around them.


    Meine Gedanken:
    Von Shane Meadows kannte ich bisher nur "This is England", der mir trotz seiner objektiven Qualitäten nicht besonders positiv im Gedächtnis blieb. Dieser frühe Film des Regisseurs ist anders. Und um es gleich vorwegzunehmen, er gefiel mir deutlich besser. Erzählt wird die Geschichte zweier Nachbarskinder, deren Freundschaft von einem etwa zehn Jahre älterer Typen, der schon von Beginn an nicht ganz knusper scheint, auf die Probe gestellt wird. Nach und nach hat diese neue Bekanntschaft jedoch nicht nur negative Auswirkungen auf die Freundschaft von Romeo und Gavin, sondern auch auf die anderen Mitglieder deren Familien. Mir gefiel, wie die Stimmung im Verlauf des Films ganz unmerklich vom urkomischen ins bedrohliche abdriftete. Bereits vom ersten Moment an ist klar, dass der von Paddy Considine herrlich gespielte Morell deutlich einen an der Klatsche hat. Während dies anfangs noch zu äußert skurrilen und wirklich lustigen Szenen führt, entpuppt sich der Kerl dann immer mehr als gefährlicher Soziopath. Dieser Wandel geschieht jedoch so schön smooth, dass man in der Mitte des Films richtiggehend unsicher ist, ob man jetzt noch lachen oder sich lieber in Vorsicht üben soll. Darüber hinaus gefiel mir der realistische, zu keinem Zeitpunkt überdramatisierte Stil des Films, bei dem Probleme und Konflikte der Figuren auch mal unausgesprochen bleiben. Das Schauspielerensemble besteht aus vielen frischen Gesichtern, die alle mit einer authentischen Darstellung ihrer Figuren punkten können. Einzig Considine fällt mit seinem exzentrischen Spiel aus der Reihe, was aber ganz offensichtlich beabsichtigt ist. Abgerundet wird das ganze durch einen wirklich stimmigen Soundtrack, der dem Film sehr viel Atmosphäre verleiht.

    Bewertung: 7/10
    Geändert von Thomas (24.09.2012 um 00:25 Uhr)

  3. #3
    Bob
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    AW: A Room for Romeo Brass

    treffender text, direkt bock auf eine weitere sichtung. der tolle song ist übrigens von einer band namens Unisex und heißt "Civvy Street Fiasco"...bisher hat das bitten und betteln von fans aber immer noch zu keinem release geführt.

    edit, ps: hatte sogar schon mal den audio-part aus der tanz-szene exportiert und dann probiert mit einem musik-programm das ding auf volle song-länge zu strecken. mit besch...eidenem ergebnis.
    Geändert von Bob (24.09.2012 um 17:36 Uhr)
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  4. #4
    Regisseur Avatar von Jackie Flannery
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    AW: A Room for Romeo Brass

    Hab ich geliebt beim ersten Mal sehen, aber praktisch vollständig vergessen. Muss ich mal wieder sehen. Das Rating weiss ich auch noch, .
    - What you think he'd do if he found us?
    - Shoot us, probably. He's always glad to have an excuse to use his deer rifle

  5. #5
    Regisseur Moderator Avatar von Daniel
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    A 7/10 for Romeo Brass

    (Neulich hat sich irgendein Journalist – ich glaube es war Harald Martenstein in der ZEIT – über den inflationären Gebrauch der Wendung "ziemlich beste..." beklagt. Diese Formulierung fanden viele Autoren nach dem Erfolg von Ziemlich beste Freunde wohl besonders geeignet als Überschrift für Artikel aller Art. Irgendwie könnte man diesen Film auch so überschreiben. Zumal hier ein Freund weiß und gehbehindert und der andere schwarz ist. Aber das nur am Rande.)

    Das Schöne an den Filmen von Shane Meadows ist (u.a.), dass er seine jungen Schauspieler vollwertig ernst nimmt und sie nicht explizit als Kinder inszeniert. Auch in A Room for Romeo Brass, der von der Freundschaft zweier Jungen erzählt, hat man nicht den Eindruck, dass es die Welt der Kinder auf der einen Seite und die Welt der Erwachsenen auf der anderen Seite gibt. Stattdessen verwischen die Altersgrenzen ineinander. Als plötzlich wieder einmal Romeos on-and-off-Vater Joe (Frank Harper) auf der Matte steht, legt Romeo (gespielt von dem großartigen Andrew Shim) dem mit entnervter Stimme nahe, dass er besser aus dem Haus verschwunden ist wenn er zurück kommt. Und Bill (James Higgins), der Vater von Romeos bestem Freund Gavin (Ben Marshall), kommt mit der Gehbehinderung seines Sohnes emotional nicht besser zurecht als ein sozial inkompetenter Jugendlicher. Paddy Considines Morell ist ohnehin jenseits aller Grenzen. Ein Mischwesen. Kein Kind mehr, aber sicherlich auch kein Erwachsener - arrested development.

    Ich bin froh, dass ich micht vor dem Ansehen nicht über diesen Film informiert habe. Die Freundschaft der beiden Jungs wird eher unter- als überinszeniert und nicht unnötig dramatisiert. Den unsentimentalen Sozialrealismus der Arbeiterklasse können die britischen Regisseure ja besonders gut einfangen. Dass Romeo seinem Kumpel während einer drohenden Prügelei zur Seite steht, bleibt eine der wenigen expliziten Stellen, die die Loyalität der beiden sehr markant betont. Ansonsten hängt man halt miteinander ab und interessiert sich für die Probleme des anderen.



    Bis Morell auftaucht. Paddy Considine mag ich seit In America als Schauspieler und seit Tyrannosaur (Regie) finde ich ihn großartig. Interessant ist, dass seine Figur schon in einem Gewalt-Kontext etabliert wird, aber natürlich so, dass er als Retter in der Not erscheint. Clever inszeniert ist auch die Art, wie er in die Rauferei der Jungs einsteigt: Er geht sehr bestimmt dazwischen, aber auch wieder nicht derart grob, dass man irgendeine Geewaltbereitschaft vermuten würde. Morell hat sich in Romeos Schwester Ladine (Vicky McClure) verschossen und läuft bei dem Versuch auf, Ladine mit seinem ausgefallenen Kleidungsstil zu beeindrucken ("I feel so comfy, it's unreal."). Morell wird gedemütigt, weil Gavin sich einen harmlosen Spaß mit ihm erlaubt. In der Anfangsphase wirkt er wie der sympathische Trottel vom Dienst. Der Stehauf-Hofnarr, der ständig was auf die Mütze kriegt und der kein Wässerchen trüben kann.

    Ziemlich genau in Minute 35 lässt Meadows dann sowohl Gavin als auch den Zuschauer auflaufen, wenn Morell plötzlich sehr grob zu Gavin wird und ihm die frühere Demütigung mehr als übel nimmt. Seine Androhungen von Gewalt sind nicht mehr scherzhaft – hier hat man es offenbar mit einem gequälten Geist zu tun, dessen Handlungen ziemlich unberechenbar sind. Der Schock sitzt umso tiefer, als die Szene, auf die hier Bezug genommen wird, bereits einige Zeit zurück liegt. Als Zuschauer denkt man, dass Morell längst darüber hinweg ist. Romeo bekommt von alldem nichts mit, er und Gavin entfremden sich unter dem Einfluss von Morell und für die lange erwartete Operation seinen Freundes interessiert sich Romeo nicht mehr wirklich. Meadows bevormundet den Zuschauer während dieser Sequenzen dankbarerweise nicht, das ist die Stärke seiner Inszenierung. Es ist klar, was erzählt wird, aber Meadows trifft fast immer den richtigen Ton. Gerade im Hinblick auf den biografischen Hintergrund von Morell wird vieles bloß angedeutet.

    Der ist nach seinem Ausbruch erstmal back to normal – sofern man bei ihm von "normal" sprechen kann. Seine weiteren Annäherungsversuche in Richtung Ladine bewegen sich irgendwo zwischen süß, unbeholfen und aufdringlich. Und man hat schon so ein ungutes Gefühl. Am Ende überschreitet er eine Grenze nach anderen. Die Phase vor der letztlichen Eskalation ist dramaturgisch dann auch das größte Manko des Films, weil hier die Handlung stagniert und man im Grunde genau weiß, dass es irgendwann zur (Beinahe-)Katastrophe kommen muss. Meadows etabliert auch keine anderen Konflikte, die dem Film während dieser Anspannungsphase weitere Aspekte hinzufügen würden. Das ist nicht tragisch, weil bis dahin alles so gut funktioniert hat, dass Schauspieler und gewecktes Interesse an den Charakteren über diese Durststrecke tragen.

    Das Finale ist dann wieder hochdramatisch (und auf dem Höhepunkt tatsächlich beängstigend), am Ende sind die beiden Freunde wieder vereint, der Familienzusammenhalt hergestellt. Ein gefundendes Fressen für den Fan kontextunabhängiger, psychoanalytischer Lesarten (lies: Überinterpretation) ist der finale Gag, der die Freundschaft von Romeo und Gavin nochmal um eine homoerotische Komponente erweitert. Gavin lässt als Hobbyzauberer Bälle ("balls") verschwinden und Romeo ist am Ende eine Frau. Allerdings auch nur sinnvoll in einem Film, dessen erwachsene, männliche Protagonisten allesamt ein bisschen Banane sind. (Das Meadows die Geschlechter sehr unterschiedlich inszeniert, halte ich dagegen nicht für überinterpretiert: Die drei Frauen sind im Vergleich zu den Männern bodenständig und funktional.)

    Am Ende möchte ich noch ein Lob an den Soundtrack aussprechen. Ich bin eigentlich kein Freund musikalisch unterlegter Montageszenen. Ich halte das meist für inszenatorische Mogelei, mit dieser Methode kann selbst die größte Regie-Nulpe seinen brachliegenden Filmacker noch schnell mit Emotionen bestellen. Meadows hält sich aber dankbarerweise zurück – und manche der Songs sind auch wirklich toll.

    Habe jetzt irgendwie Lust auf die This Is England-Serien von Meadows bekommen. Ich bewerte diesen Film nur ungerne, weil es mir in diesem Fall ehrlich gesagt schwer fällt, mein Sichtungserlebnis mit einer Note zu versehen. Ich vergebe 7/10 Punkte. Anfangs habe ich etwas mit dem Film gehadert, am Ende habe ich sogar zur Acht tendiert. Sieben triffts wohl am besten. Schöner Film.
    Geändert von Daniel (25.09.2012 um 01:41 Uhr)

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