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Thema: Deaden

  1. #1
    Moderator Moderator Avatar von TheCrow
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    Deaden



    Cineasten, Filmkenner und vor allem Horrorliebhaber sind in den letzten Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit einmal auf dieser Seite gelandet.

    Früher unter dem Namen "Arrow in the Head" bekannt - inzwischen einfach nur noch "Arrow" oder "The Arrow" - hat sich bei JoBlo.com ein gewisser John Fallon mit seinen Horrorfilm-Kritiken - insbesondere mit seinem sehr humorvollen Stil und der Tatsache, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt - eine immer grösser werdende Fangemeinde erschrieben.

    Nach ein paar Kurzauftritten in diversen Filmen, wie Uwe Bolls Alone in the Dark oder auch Saw 2, hörte man schon bald von einem anderen Projekt namens "Pain Killer": produced, written and played by John Fallon

    Aufgrund einer Streitigkeit um den Namen, wurde später plötzlich "Deaden" als definitiver Filmtitel bekannt gegeben, und aufgrund der Handlungsbeschreibung war man als Fan des Verbreiters der eigenen Meinung über Filme (denn als "Kritiker" sieht er sich selbst nicht und möchte auch nicht so genannt werden) sofort heiß auf den Streifen!

    Es geht um Rane (gespielt von John Fallon selbst), einem Ex-Undercovercop (der nur deshalb kein Polizist mehr ist, weil er bei seinen Undercover-Ermittlungen auf die andere Seite des Gesetzes abgerutscht ist) welcher von seiner eigenen Gang - weil deren Anführer von seiner Vergangenheit als Gesetzeshüter erfahren hat - auf brutalste Weise bestraft wird: nicht nur, dass er an einen Stuhl gefesselt blutig geprügelt wird, denn er darf nun auch mit ansehen, wie seine im 8. Monat schwangere Frau vergewaltigt und gefoltert wird. Zu allem Überfluss wird ihr das ungeborene Kind aus dem Leib geschnitten, woraufhin Rane mit einem Pfeil durch den Kopf (In-Joke-Alarm!) schlussendlich hingerichtet wird. Allerdings überlebt Rane diese Tortur, weil der Pfeil genau zwischen seinen Hirnhälften hindurchging, ohne etwas zu verletzen. Zwar kann der Todesstab nun auch nicht mehr aus seinem Kopf entfernt werden, aber zumindest lebt er und kann die Schmerzen mittels Tabletten (und später auch gerne mit jeder Art von Drogen) im Zaum halten und sich auf den einzigen sonstigen Gedanken konzentrieren, welcher in seinem knapp undurchlöchertem Hirn noch umher geistert: Rache!
    Zusammen mit seinem Freund und Waffenhändler Kersey (Deke Richards - 300) bewaffnet Rane sich bis auf die Zähne und macht sich daran jedes Mitglied der Gruppe einzeln aufzuspüren und hinzurichten, und zieht dabei - seine Ex-Polizisten-Kollegin immer im Nacken - eine blutige Spur der Gewalt durch die Stadt…bis er beim letzten - dem Boss - angekommen ist.

    Bevor ich meinen Senf zu diesem Film abgebe, muss ich zuerst noch etwas relativieren:
    Es war gestern - nach einem Bierseligen Abend am Rhein mit Sonnenuntergang und viel Relaxen am Ufer - bereits nach 22.30 Uhr, als ich - nicht mehr ganz nüchtern - die DVD von DEADEN in meinen Player schob. Wenn ich ehrlich bin, habe ich zumindest in der 2. Hälfte nicht mehr alles gesehen…zwischendurch sind meine Augen einfach zugefallen (was wohl auch an dem körnigen, dreckigen Camcorder-Look lag), aber immer nur ein paar Sekunden. Trotzdem konnte ich dann nicht mehr alles ganz vollständig nachvollziehen, doch das Gesamtbild hat sich mir dennoch erschließen können. Eine erneute Sichtung wird aber auf jeden Fall stattfinden müssen um ein definitives Urteil bilden zu können.
    Auch sollte man beachten, dass ich diesen Film als billiges "B"-Movie gesehen habe, und dementsprechend innerhalb dieser Kategorie urteile (was dem Film natürlich zugute kommt). Außerdem bin ich - wie wohl viele schon wissen werden - ein großer Fan von John Fallon und dessen Arbeiten als Horror-Review-Schreiber, weswegen ich den Film von Anfang an nicht schlecht finden wollte…ich muss also zugeben, dass die folgende Beurteilung sehr subjektiv und nur wenig objektiv ist.

    Just so you know...


    Also, Deaden ist ein böser, kleiner, dreckiger Film, der so ziemlich genau das durchzieht und bietet, was John Fallon wohl von Anfang an bezwecken wollte: eine Wiedergutmachung für das zu harmlose Remake von The Punisher in Form eines nihilistischen Antihelden auf Schmerzmittel und Drogen, welcher in seinem Leben nur noch eine Motivation hat und alles macht, um dieses Ziel auch schnellstmöglich zu erreichen. Es geht um Gewalt, Schmerzen und vor allem Rache! Eine Hommage an die Rache-Thriller der wilden 70er und 80er Jahre…nur dass das Ganze mit sehr geringem Kapital realisiert wurde.

    Dies ist auch gleich der hauptsächliche Kritikpunkt, sofern man einem Film das geringe Budget überhaupt ankreiden kann und möchte. Aber es muss halt gesagt sein, dass dem Zuschauer solche Bilder im HD-Zeitalter schon in den Augen schmerzen können, denn irgendwie wirkt alles unscharf. Wenn Regisseur und Co-Autor Christian Viel (Samhain aka Evil Breed) dann in Rückblenden auch noch einen Rotfilter benutzt, hat man das Gefühl alle Konturen doppelt zu sehen. Hat man sich aber einmal an diese beinahe Doku-Optik auf Pilzen gewöhnt, kann man durchaus damit leben, und Viel lässt es sich auch nicht nehmen immer wieder mal damit zu spielen.

    Damit kommen wir auch gleich zum nächsten Manko in Sachen Technik: die Schnitte sind teilweise amateurhaft und störend. Zwar wird oft absichtlich nur sehr wenig gezeigt (beispielsweise nur ein paar Frames einer Gore-Einstellung, wobei der Sound aber weitergeht…so spielt sich im Kopf alles automatisch ab, ohne dass man es gezeigt bekommt: nice!), weswegen gewisse plötzliche Schnitte durchaus Sinn machen, aber es gibt nun mal immer wieder Momente in denen man sich fragen muss ob der Grund für das suboptimale Schneiden beim Unvermögen oder beim Geld- bzw. Zeitmangel zu suchen ist…

    Last but not least sind viele Nebendarsteller höchstens akzeptabel, aber da die meisten auch nur eine sehr geringe Screentime besitzen, stört dies auch nur peripher. Umso erfreulicher ist da die Tatsache, dass John Fallon offenbar wirklich schauspielern kann! Zwar kann man nicht von einer riesigen Herausforderung sprechen, aber er ist einfach maßgeblich daran beteiligt, dass man die bis hierhin erwähnten Mängel überhaupt in Kauf nehmen will und sich den Film weiter ansieht. Immer wieder denkt man an eine Mischung aus Sylvester Stallone iun jungen Jahren und Jason Statham in Crank (was sowieso kein so schlechter Filmvergleich ist, da beide Streifen mit Digitalkameras gefilmt wurden + im einen muss sich einer einen Adrenalinkick nach dem anderen geben…im anderen sind's haufenweise Schmerzmittel und Koks sowie andere Drogen). Auch sein Kumpel (im Film, wie im Leben) Deke Richards hebt sich angenehm von der Masse ab, und die beiden harmonieren sehr gut auf der Leinwand (wohl auch keine Kunst, wenn man sowieso befreundet ist, aber egal). Neil Napier (Chainsaw Charlie und Priester aus Slashers) darf als Big Boss mal wieder den Freak mimen und macht seine Sache wieder gut, doch ist er nur kurz zu sehen. Sehr klasse sind auch Rob Burns und Jocko Alston als Gerichtsmediziner mit berufsbedingtem Hang zum schwarzen Humor, welchem sie auch bei jeder Gelegenheit freien Lauf lassen.

    Die Geschichte an sich ist altbekannt und bietet wenig Neues, doch die Anfangssequenz hat auch mich alten Horror-Hasen mehr als einmal Schlucken lassen! À l'Intérieur lässt grüssen, und sofort hat Rane alle Sympathien des Publikums auf seiner Seite. Aufgrund der Härte dieser Szene, kann der Zuschauer sich auch bis zum Ende hin mit einer wenig vorbildlichen Person identifizieren: er säuft, flucht, nimmt Drogen, verprügelt Unschuldige (wenn sie im Weg stehen) und kennt keinerlei Gnade - dafür hat er aber einen großen Einfallsreichtum, wenn es darum geht die gesuchten Hassbilder über den Jordan zu führen. Man muss zwar immer wieder genau hinsehen, um überhaupt etwas Ekliges zu sehen, doch im Nachhinein wünscht man sich meistens, man hätte gar nichts gesehen. Witzig ist dafür die Einlage mit einem Billard Queue inkl. zynischem Kommentar der beiden Gerichtsmediziner-Clowns.

    Alles in Allem ist dies alles Andere als ein richtig guter Film, doch er trieft nur so vor Liebe zum Genre und geht keinerlei Kompromisse ein, was eine wahre Wohltat ist! Grindhouse ist das Stichwort, welches immer wieder vor geistigem Auge aufflackert...
    Man wird nur wenig überrascht, aber doch durchgehend gut unterhalten. Etwas störend sind ein paar Rückblenden zu viel, welche dem Film mehr Tempo wegnehmen als nötig gewesen wäre…aber bei einer Laufzeit von knapp 78 Minuten kann man sich grundsätzlich nicht über irgendwelche Längen beklagen.

    Meine Bewertung (inkl. Arrow- und Sympathie-Bonus):
    6.5/10
    "Stop breathing!" - The Man in Black
    MovieCops - Filme im Kreuzverhör #76 ist online! (17.09.2017)

  2. #2
    Regisseur Moderator
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    Re: Deaden (2006)

    Danke für die Review! Hört sich ja so-so an.
    Hast du die DVD über die Deaden Seite bestellt und was waren die Frachtkosten?
    -"Shoot him again"
    -"What for?"
    -"His soul is still dancing"

  3. #3
    Moderator Moderator Avatar von TheCrow
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    Re: Deaden (2006)

    Bitte...gern geschehen!

    Ja, nüchtern betrachtet muss man den Film als "so lala" bezeichnen, aber wenn man gewillt ist über die Mängel hinwegzusehen, ist er eben doch wieder ganz gut und unterhaltsam...und bietet eben einen soliden Hauptdarsteller, den ich gerne mal in einer Grossproduktion als Hauptdarsteller sehen würde!

    Ich habe den Film bei Cede.ch bestellt...war innerhalb von 3 Tagen bei mir. Versandkosten = 0.-- / Preis für die DVD ca. 14.-- Euro.

    P.S.: was ich gar nicht mehr erwähnt habe, sind die Bilder, welche in einer Szene auf dem Polizeiposten an der Wand hängen. Natürlich handelt es sich um gesuchte Verbrecher, aber wenn man genau hinsieht erkennt man u.A. uns' Uwe Boll!
    "Stop breathing!" - The Man in Black
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  4. #4
    Regisseur Avatar von CallMeDude
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    Re: Deaden (2006)

    Schöne Review Crow. Dass der Look und die Inszenierung etwas gewöhnungsbedürftig ist, sah man ja schon an dem Trailer. Ich würde mir zwar jetzt nicht die DVD kaufen, aber den Film irgendwann mal zu sehen, würde mir trotzdem gefallen. Ich kenne zwar John Fallon nur durch seine Seite bei Joblo, aber es hätte dennoch so etwas, als ob man sich ein Filmprojekt eines Kumpels anschauen würde.

    PS: Berge Garabedian aka Joblo hat in Deaden auch einen kleinen Auftritt.
    Out of order for a long time ago.

  5. #5
    Moderator Moderator Avatar von TheCrow
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    Re: Deaden (2006)

    Zitat Zitat von CallMeDude
    Schöne Review Crow.
    Thanx!

    Zitat Zitat von CallMeDude
    PS: Berge Garabedian aka Joblo hat in Deaden auch einen kleinen Auftritt.
    Stimmt...und was für einen! Man merkt einfach, dass die Jungs grossen Spass an der Realisierung dieses Streifens hatten...und an der Rollenbesetzung offenbar eben auch (und nein: verraten möchte ich nicht, worauf ich hier anspiele).
    "Stop breathing!" - The Man in Black
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